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So verzweifelt und absurd sind Wohnungsanzeigen in Berlin

09.01.2018, 17:03 · Aktualisiert: 10.01.2018, 17:51

Mitbewohner gesucht: Cupcakes-backender Handwerker mit Putzfimmel und Therapeutenausbildung

Die Wohnungssituation in der deutschen Hauptstadt? Katastrophal. Das Angebot ist klein, die Nachfrage groß, die Preise sind kaum bezahlbar. Was muss man auf sich nehmen, um aus hunderten Bewerbern hervorzustechen? Wie schafft man es, trotz kilometerlangen Schlangen bei Besichtigungsterminen eine Bleibe zu finden?

Das Problem: In den vergangenen Jahren sind die Einwohnerzahlen in der Hauptstadt kontinuierlich gestiegen. Jährlich zieht es auf der Suche nach einem neuen Zuhause mehrere Zehntausend Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet in die Hauptstadt. Hinzu kamen allein im Zeitraum zwischen 2011 und 2015 mehr als 100.000 Menschen aus dem Ausland. (Statistik Berlin Brandenburg)

Mit den üblichen Floskeln ist es nicht getan. Jeder ist immer unkompliziert, kocht gerne, ist für ein Bier zu haben und hat bei seinem öffentlichen Facebook-Profil mindestens ein Foto, wo er mit Party-Tröten zu sehen ist. Auch das alte Lied von flehenden Aufrufen wie "Helft mir bitte, meine Träume zu verwirklichen" ist bereits tausendmal gespielt.

Also versuchen es manche mit abgefahrenen Fotos, besonders originellen Begrüßungen, sehr vielen Ausrufezeichen (!!!) und CAPS LOCK. Mit verführerischen Selfies oder mit Bildern aus dem Urlaub, lächelnd neben einem Cocktail. Das ist doch ganz sympathisch. Andere versichern, dass sie zwar nicht kochen können, dafür aber sehr gerne abspülen. Mega!

In einigen Gruppen sind Bestechungsgelder (schlecht getarnt als "Aufwandsentschädigungen") bereits so was wie das Minimum. Bei einer erfolgreichen Vermittlung gibt es nämlich richtig viel Geld, Bier (flaschen- oder kastenweise), Mexikaner und Käsekuchen in Unmengen. Wer da nur "ganz viele Karmapunkte" zu verteilen hat, kann nicht auspacken.

Zur Abwechslung haben es Männer schwerer: Etwa in jedem fünften Post steht "Girls Only". Männliche Kandidaten werden nicht nur von vornherein ausgeschlossen, sondern sind auch oft bei den Castings benachteiligt:

Hat jemand eher unrealistische Vorstellungen vom Wohnungsmarkt und sucht ein helles, möbliertes Zimmer für 200 Euro warm, gibt es hämische Kommentare: "Ich hätte gerne Pommes mit Ketchup und Mayo zum Mitnehmen“, "BVG-Ticket sollte in der Preisliga spielen" oder "inklusive Butler, Putzfrau und Nebenkosten".

Neben Spott gibt es auch Beleidigungen bis hin zu Rassismus ("deutscher Pass" als Zugangsvoraussetzung): Viele lassen ihre Wut und Frustration über die Wohnungssituation in Berlin hemmungslos in den Kommentaren aus.

Welche Gesuche und Angebote einem in Berlin begegnen in unserem Best-of:

Eine Hippie-Brille im John Lennon Stil einem Alpaka aufsetzen? Nicht schlecht, aber was hat das mit der Zimmersuche zu tun?

Baumarkt-Liebhaber aufgepasst! Wer hat ein Zimmer in pflegende Hände abzugeben?

Nimm mich als Mitbewohner, Du wirst es nicht bereuen! Aufgepimpt mit Kapitän Steve Zissou aus dem Klassiker von Wes Anderson, dem Tiefseetaucher. Nice try!

Hmm, welche ist denn wohl die Bude?

Die Power des Mercedes-Sterns hilft sicherlich. Und in der Kürze liegt die Würze.

Katzen gehen immer.

Ein Foto vom knurrenden Kater als Kommentar hinzufügen ist auch nie eine schlechte Idee.

Voll möbliert? Offensichtlich.

Ich suche… Wir suchen auch nach Antworten, was das auf dem Foto sein soll.

Discokugel, geil! Schade, dass man sonst nicht viel von der Wohnung sehen kann.

Und der Beweis dafür, dass MS Paint nicht tot ist!

Die handwerkliche Begabung zeigt sich auch hier: Grundriss frei Hand gezeichnet, der Klassiker. Bitte umdrehen!

Liebe kann man nicht kaufen. Aber man kann sie posten, insbesondere wenn das Herz aus bunten Knöpfen zusammengebastelt wurde!

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Oder doch nicht?

Eine selbstbewusste Informatikerin (oder wie sie sich nennt ein "weiblicher Infomatiker") hat es auf jeden Fall gut auf den Punkt gebracht, indem sie folgendes Bild zu ihrem Post veröffentlichte:

Und unser Allzeitfavorit:

Jemand wollte sein Zimmer für die Dauer seines Einkaufs bei Kaufland für 40 Minuten für 100 Euro vermieten. Mit Option auf Verlängerung um 20 Minuten für 150 Euro, falls er sich noch einen Kaffee auf dem Rückweg holt. "Gönn Dir! Das quintessenzielle Erlebnis in Berlin", schreibt er. Schade, dass es ein einmaliges Angebot war.

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Wenn die GroKo kommt, müssen Klimaziele gehen

09.01.2018, 15:28

Was ist passiert?

In diesen Tagen besprechen Union und SPD in Berlin, ob und wie sie in den kommenden vier Jahren erneut als große Koalition regieren könnten. Eigentlich sollte bis Donnerstag nichts darüber nach außen dringen. Nun wurde öffentlich: Auf einen ersten Punkt sollen sich die Parteien bereits geeinigt haben – die Klimapolitik.

Aus der Sondierungsgruppe "Energie, Klimaschutz, Umwelt" heißt es Medienberichten zufolge: Eine große Koalition will die deutschen Klimaziele für 2020 offiziell aufgeben. (Tagesschau.de)