Bild: Pixabay

11.12.2017, 15:14 · Aktualisiert: 12.12.2017, 10:00

Mit Brettspielen ist es ähnlich wie mit Filmen aus den Achtzigern und Neunzigern: Viele Streifen, die damals als brillantes Meisterwerke gefeiert wurden, wirken heute unnötig langatmig und haben lächerlich groteske Spezialeffekte.

So ist es auch mit Brettspiel-Klassikern, nur schlimmer. Man denke an nie endende Monopoly-Partien (Zu dem Thema gibt es sogar Forschungen) oder emotionsgeladene Risiko-Schlachten, bei denen auch mal Freundschaften kaputtgegangen sind. Viele Spiele stammen aus einer Zeit, in der es noch Schwarz-Weiß-Filme gab – Monopoly ist von 1933, Risiko von 1957.

Genauso antik sind ihre Spielkonzepte. Und meist entscheidet dann sowieso das Würfel- oder Kartenglück darüber, wer gewinnt. Da vergeht einem schon mal die Lust auf den nächsten Spieleabend.

Die gute Nachricht ist: In den vergangenen Jahren hat sich viel getan auf dem Brettspiel-Markt. Du hast auch keine Lust mehr auf die Klassiker? Wir haben ein paar unterhaltsame Alternativen zusammengestellt.

Mysterium

(Bild: Lisa Roderer)

Für Brettspiel-Laien ist Mysterium ein guter Einsteig. Es hat nicht nur leicht verständliche Regeln, sondern folgt auch einem aktuellen Trend: miteinander statt gegeneinander spielen.

Die Spieler versuchen ähnlich wie im Klassiker Cluedo einen Mordfall aufzuklären. Es gilt Mörder, Tatort und Tatwaffe zu ermitteln. Doch dieses Mal entscheidet nicht der Würfel darüber, ob ihr den nächsten Hinweis findet, sondern wie gut ihr mit euren Freunden kommuniziert. Ein Spieler übernimmt die Rolle des Mordopfers. Als Geist darf er die ganze Partie über nicht sprechen, kennt jedoch die Lösung des Falls. Er schickt den anderen Spielern Visionen aus dem Jenseits in Form von Karten mit surrealen Bildern, zum Beispiel eine Maus, die eine groteske Maske trägt und auf einem Stück Käse sitzt, das wie ein Hut geformt ist. Es geht also darum, Stimmungen und Assoziationen richtig zu deuten. Mysterium stellt die Frage: Weißt du, wie deine Freunde denken?

3 bis 7 Spieler (am besten: 4 bis 7), Preis: 35 Euro.

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King of Tokyo

(Bild: Lello)

Es gibt viele Spiele, die ihr Vorbild in einem alten Klassiker suchen und deshalb leicht zugänglich sind. So auch bei King of Tokyo. Wenn man genau darüber nachdenkt, ist es eigentlich wie Kniffel. Ihr versucht Paare aus Zahlen oder Symbolen zu würfeln. Den großen Unterschied macht hier das Thema. Jeder von euch ist ein riesiges Monster, das die Stadt Tokyo dem Erdboden gleich machen will. Eure Würfelergebnisse sind Angriffe gegen eure Mitstreiter oder Power-ups. Denn am Ende kann es nur einen Überlebenden, einen King of Tokyo geben. (Nicht so toll ist dagegen der etwas komplexere Nachfolger "King of New York".)

2 bis 6 Spieler (am besten: 3 bis 6), Preis: 38 Euro.

Codenames

(Bild: Asmodee)

Begriffe raten im Team kennst du vielleicht von Tabu. Aber Tabu ist hektisch, es geht selten darum, möglichst gute Hinweise zu geben, sondern einfach möglichst viele. Anders ist das bei Codenames. Hier sollen jede Runde möglichst viele Begriffe mit nur einem einzigen, gut überlegten Hinweis erraten werden. Der Humor des Spiels entfaltet sich von ganz alleine, wenn einer deiner Freunde dann verzweifelt versucht, die Begriffe Olymp, Einhorn und Zitrone mit nur einem einzigen Wort zu beschreiben. Würdest du es schaffen?

2 bis 8 Spieler (am besten: 4 bis 6), Preis: 14 Euro.

Secret Hitler

(Bild: Goat Wolf Cabbage)

Zu allererst: Ja, das Thema ist ein bisschen geschmacklos. Aber es macht Spaß!

In jeder Runde von Secret Hitler wird ganz demokratisch ein neuer Reichskanzler gewählt. Und der muss dann ein Gesetz erlassen – am besten im Sinne der Nazis. Denn werden zu viele faschistische Gesetze erlassen, dann kommt es zu Hitlers Machtergreifung und die Nazis gewinnen. Wer am Tisch ein Nazi ist, bleibt jedoch während dem Spiel geheim. Im Prinzip ist Secret Hitler also eine Variante des Partyspiels Werwolf – aber eine, die jedem Teilnehmer Spaß bringt, nicht nur den Werwölfen und den Leuten mit Sonderrollen. Wollt ihr lieber ein Spiel mit versteckten Rollen spielen und es soll lieber ohne Nazis sein, dann ist Werwölfe Vollmondnacht das richtige – eine Variante von Werwolf, die den Spielleiter durch eine App ersetzt.

5 bis 10 Spieler (am besten: 7 bis 10), Preis: 50 Euro.
(Alternativ könnt ihr euch das Spiel hier auch ganz legal selbst ausdrucken. Es wurde nämlich unter der Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.)

EXIT das Spiel

(Bild: Dominik Schönleben)

Bei EXIT musst du etwas mit dem Spiel machen, das sich im ersten Moment falsch anfühlt: Es zerstören. Damit folgt es jedoch einem weiteren Trend auf dem Brettspiel-Markt: Mehr und mehr Designer experimentieren mit der Idee, dass ein Brettspiel durchgespielt oder verbraucht werden kann. Die simpelste Form davon ist EXIT das Spiel: ein Live Escape Room für zu Hause. Im Team müsst ihr Rätsel lösen und dafür das Spielmaterial zerschneiden und bemalen. Jedes EXIT-Spiel kann nur ein einziges Mal gespielt werden – aber es lohnt sich.

Insgesamt gibt es neun EXIT-Abenteuer. Es lohnt sich mit Das Haus der Rätsel einzusteigen – einem Drei-Fragezeichen-Abenteuer für Einsteiger. Willst du hingegen, dass die Rätsel richtig anstrengend sind, dann kauf lieber Der Tote im Orient Express. (Unlock! ist eine gute Alternative zu EXIT, bei der nichts zerstört werden muss. Dessen Rätsel erinnern eher an Point-and-Klick-Videospiele.)

1 bis 4 Spieler (am besten: 2 bis 3), Preis: 10 bis 13 Euro.

T.I.M.E Stories

(Bild: Space Cowboys)

Da Escape-Room-Brettspiele ihren Fokus auf Rätsel legen, kann die Story des Abenteuers schnell nebensächlich werden. Anders ist das bei T.I.M.E Stories. Ein Abend mit diesem Spiel fühlt sich eher wie ein Kinobesuch an. Die Mechaniken und Regeln treten in den Hintergrund, während ihr die Hauptrollen in eurer eigenen Geschichte übernehmt: Ihr seid Agenten der mysteriösen T.I.M.E Agency aus der fernen Zukunft. Sie tritt immer dann in Aktion, wenn die Zeitlinie aus der Bahn gerät – so wie im Film "Zurück in die Zukunft". Euer Job ist es dann, wieder alles in Ordnung zu bringen. Dafür schlüpft ihr in zeitgemäße Rollen und erforscht eine euch unbekannte Welt. Die ausliegenden Karten stellen Orte, Personen oder Gegenstände dar, mit denen ihr interagieren könnt, um die Geschichte voranzutreiben. T.I.M.E Stories ist ziemlich teuer – das Grundspiel mit einem Abenteuer kostet 40 Euro und jedes weitere 25 Euro. Aber es ist seinen Preis wert, denn ihr werdet auch an diesen Abend noch lange erinnern.

2 bis 4 Spieler (am besten: 4), Preis: 40 Euro.

Pandemic Legacy Season 1 und 2

(Bild: Lisa Roderer)

Brettspiele haben viel von Filmen oder Serien gelernt. Das Spiel Pandemic Legacy war dabei sogar so erfolgreich, dass es jetzt für eine zweite Staffel verlängert wurde. Ein Spiel unterteilt sich in zwölf Partien, die du mit derselben Gruppe absolvieren musst. Nach jeder Runde verändert sich das Spiel, bekommt neue Regeln: Ihr reißt Boxen mit neuem Spielmaterial auf, beklebt euer Brett und zerreißt Charaktere, die eine Partie nicht überlebt haben. Eure Aufgabe ist, die Welt vor einer Superviren-Epidemie zu retten. Und dabei müsst ihr harte Entscheidungen treffen: Bleibt noch Hoffnung für Deutschland? Oder solltet ihr das Land lieber aufgeben und vom Militär abriegeln lassen? Von Partie zu Partie bastelt ihr euer eigenes Spielbrett. Eine Entscheidung, die ihr in der ersten Runde getroffen habt, kann euch bis zum Staffelfinale verfolgen. (Es gibt von Pandemic auch eine ältere Version, die sich nicht permanent verändert. Die ist auch gut, aber wirkt heute ein wenig angestaubt im Vergleich zur Legacy-Version.)

2 bis 4 Spieler (am besten: 3 bis 4), Preis: 85 Euro.

Fabelsaft

(Bild: Dominik Schönleben)

Auch Fabelsaft spielt mit dem Legacy-Mechanismus. Also der Idee, dass ein Spiel sich von Partie zu Partie verändert. Im Gegensatz zu Pandemic passiert das hier jedoch nie dauerhaft. Fabelsaft kann einfach zurückgesetzt werden. Die Grundidee ist relativ simpel: Jede Runde setzt du deine Figur – ein Tier – auf eine freie Karte in der Mitte. So sammelst du entweder Früchte oder tauschst diese für Fabelsaft. Wer genug Fabelsaft hat, gewinnt. (So High wie die Tiere auf den Karten aussehen, kann man sich gut vorstellen, woraus Fabelsaft eigentlich wirklich besteht.) Verbrauchte Karten werden bei der nächsten Partie einfach weggelassen und durch neue ersetzt. Während ihr euch dabei durch einen Stapel von knapp 100 Karten spielt, werden immer komplexere Mechanismen eingeführt.

2 bis 5 Spieler (am besten: 3 bis 5), Preis: 29 Euro.

Bärenpark

(Bild: Dominik Schönleben)

Es gibt derzeit viele gute Brettspiele, bei denen es darum geht, Pappplättchen in Tetris-Stein-Form möglichst effektiv zu puzzeln. Zu den Highlights gehören Ein Fest für Odin oder Patchwork. Das zugänglichste Spiel dieser Art ist jedoch Bärenpark. Denn es kommt mit den wenigsten Regeln aus. Jede Runde nimmst du dir ein Puzzelteil und legst es vor dich. Nach und nach wächst so ein kleiner Freizeitpark mit möglichst großen Gehegen. Drama entsteht, weil du und deine Freunde natürlich um die besten Bausteine streitet. Aber egal wer gewinnt: Alle fühlen sich am Ende einer Partie Bärenpark gut. Denn jeder kann sich über die Schönheit und Eleganz seiner eigenen Anlage freuen.

2 bis 4 Spieler (am besten: 2 bis 4), Preis: 30 Euro.

Century: Die Gewürzstraße

(Bild: Plan B Gaming)

Es gibt ein Genre, das auf dieser Liste nicht fehlen darf. Vielen Einsteigern macht es jedoch nicht so viel Spaß wie den Kennern: Eurogames. Das sind Spiele wie Scythe oder Agricola, die meist komplett ohne Glückselement auskommen, und bei denen Ressourcen im Mittelpunkt stehen. Die müssen dann in Kreisläufen erwirtschaftet und in möglichst viele Siegpunkte umgewandelt werden. Meist gewinnt die Person mit der besten Strategie. Das macht sie zu einem großen Spaß für erfahrene Spieler. Für Anfänger sind sie eher frustrierend. Den richtigen Kompromiss findet hier Die Gewürzstraße. Mit Gewürzen kaufst du Karten, die mehr Gewürze produzieren, und so entsteht ein Warenkreislauf. Was eine gute Strategie ist, verändert sich ständig – auch durch jeden Zug der Mitspieler. Du kannst also nicht einfach eine Strategie auswendig lernen und umsetzen. Stattdessen brauchst du Intuition. Und die kannst du auch als Anfänger haben.

2 bis 5 Spieler (am besten: 3 bis 4), Preis: 30 Euro.

XCOM das Brettspiel

(Bild: Fantasy Flight Games)

Um 2015 gab es einen Hype: Brettspiele mit App. Eigentlich eine gute Idee, denn so wurden ganz neue Spielkonzepte möglich. Viele dieser Hybride wurden jedoch nur halbherzig umgesetzt. Eine der wenigen Ausnahmen ist XCOM. Im Gegensatz zur Videospielvorlage werden keine direkten Kämpfe mit Aliens ausgetragen, sondern ihr übernehmt als Team die Planung im Hintergrund. Spannung wird erzeugt, indem die App euch mit einer Stoppuhr ständig unter Druck setzt. Ihr müsst Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden treffen. Erst am Ende einer Runde hält die Uhr an und ihr wertet in Ruhe aus, ob ihr den Außerirdischen tatsächlich stand gehalten habt. Obwohl XCOM nur wenig mit der Videospielvorlage zu tun hat, ist es ein wirklich gutes Brettspiel. Der Grund dafür: Es gibt Grüblern keine Chance, zu lange über ihren eigenen Zug nachzudenken. XCOM bleibt immer in Bewegung.

1 bis 4 Spieler (am besten: 4), Preis: 43 Euro.

Android: Netrunner

(Bild: Fantasy Flight Games)

Netrunner ist ein Duell zwischen zwei Gegnern, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Auf der einen Seite steht ein skrupelloser Mega-Konzern – stell dir vor: Apple, Google und Microsoft wären zu einem Unternehmen fusioniert – und auf der anderen ein brillanter Hacker, so wie Eliot aus der Serie Mr. Robot. Als Konzern legst du deine Karten verdeckt, baust eine geheime Struktur aus Datenbanken und Firewalls. Der Hacker spielt seine Züge offen und versucht mit Schadprogrammen und Viren Zugriff auf geheime Daten zu bekommen.

Netrunner lebt besonders von dieser Asymmetrie. Dem ständigen hin und her, wenn du bluffst oder dein Kumpel den richtigen Moment für einen Angriff abwägt, um nicht in eine Falle zu laufen. Jede Partie fühlt sich knapp an. Einem Spieler der weit voraus ist, kann der Gegner den Sieg noch in letzter Sekunde stehlen. Netrunner ist perfekt, um sich mit komplexeren Kartenspielen anzufreunden – vor allem, weil sein Thema und seine Artworks den Zeitgeist so gut treffen. Man fühlt sich als Teil einer Dystopie, die fast zum Greifen nahe ist. (Im Dezember wird eine Neuauflage des Netrunner-Grundspiels veröffentlicht.)

2 Spieler, Preis: 45 Euro.

Arkham Horror das Kartenspiel

(Bild: Dominik Schönleben)

Nach der Serie "The Walking Dead" gab es auch im Brettspielbereich einen Zombie-Trend. Mittlerweile ist der jedoch abgeebbt und macht einem neuen Thema Platz: Cthulhu. Also jener Horror-Welt von H.P. Lovecraft, in der Menschen aus den 1930er Jahren mit grotesken Tentakel-Monstern kämpfen und wahnsinnig werden. Eines der derzeit innovativsten Spiele mit diesem Thema ist Arkham Horror das Kartenspiel. Du und deine Freunde versucht darin gemeinsam, die Geheimnisse um Cthulhu zu lüften. Jede Partie stellt ein Kapitel des Lovecraft-Romans da – und je nachdem wie ihr es beendet, verändert sich das nächste. Nicht immer ist gewinnen überhaupt möglich. Manchmal werdet ihr froh sein, lebendig und mit einem Rest geistiger Gesundheit entkommen zu sein.

1 bis 4 Spieler (Für drei oder vier Spieler musst du Arkham Horror zwei Mal kaufen), Preis: 43 Euro.

Aborea

(Bild: Mann Verlag)

Vielleicht kennst du ja noch Rollenspiele aus den 90ern – also nicht am Computer, sondern mit Stift und Papier. Die berühmtesten sind das amerikanische "Dungeons & Dragons" und in Deutschland "Das Schwarze Auge". Doch diese Spiele sind nicht umsonst trotz ihres Erfolgs vor der Jahrtausendwende in einer Nische verschwunden: Sie waren einfach zu komplex. Ihre Grundidee macht jedoch noch heute Spaß. Gemeinsam mit Freunden in fremde Rollen schlüpfen und eine Geschichte erzählen, ist echt gutes Detox vom Digitalen. Wer das mal ausprobieren will, sollte am besten mit Aborea anfangen. Ein Fantasy-Rollenspiel speziell für Einsteiger, das jegliche Regeln seiner Vorbilder entschlackt hat und bei Erklärungen kein Grundwissen voraussetzt.

2 bis 8 Spieler (am besten: 4 bis 5), Preis: 20 Euro.

Dominik Schönleben ist Redakteur für "Wired" und schreibt dort regelmäßig über Games, Geeks und Gadgets.

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Queer

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Pascal Erlachner, 37, ist ein Vorbild. Der Schweizer Profi-Schiedsrichter hat in einem Interview zum ersten Mal über seine Homosexualität gesprochen. Er ist damit der erste prominente Sportler im Schweizer Fußball, der sein Coming-Out feiert. Erlachner hatte selbst bei der Zeitung "Blick" um das Interview gebeten.