Bild: imago/Ralph Peters

Haha

Geheimnisse, die dir ein Rettungsassistent bestimmt nicht erzählt

13.11.2017, 13:11 · Aktualisiert: 15.11.2017, 14:29

Rettungssanitätern bleibt wenig erspart: Randalierer, Schläger, Komasäufer, offene Knochenbrüche und Magendarmalarm. Und ab und an fährt auch der Tod mit.

Daniel*, 29, hat sechs Jahre lang in einer Großstadt in Baden-Württemberg als Rettungsassistent gearbeitet. 45 Stunden pro Woche ist er in Zwölf-Stunden-Schichten durch die Stadt gefahren, um Menschenleben zu retten.

Er hat uns erzählt, was Rettungsassistenten sich so denken, während sie mit Blaulicht durch die Stadt jagen, und dass es auch in einem Rettungswagen nicht immer zu 100 Prozent steril zugeht.

Hier sind ein paar Dinge, die dir ein Rettungsassistent sicherlich nicht verraten würde.

1

Du gehst ihm manchmal ganz schön auf die Nerven. Zum Beispiel in diesen Fällen:

  • Du bist der festen Überzeugung, du hättest einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt gehabt – dabei sprechen alle Symptome für einen Magendarm-Infekt.
  • Wenn deine besorgte Großmutter erst einmal den Lebenslauf abfragt, bevor sie ihren Enkel für den Transport freigibt.
  • Wenn du den Rettungsdienst in der Annahme anrufst, du könntest ihm sein Medikamentenrezept mitgeben, er würde zur nächsten Apotheke fahren und mit deinen Medikamenten wiederkommen. (Kam tatsächlich mal vor!)
  • Wenn über die Hälfte der Anrufer wegen kleiner Wehwehchen anruft: Leute, die mit ihrer Erkältung nicht alleine klarkommen. Oder mit Husten. Oder damit, dass ihr Kind sich das Knie aufgeschlagen hat.

(Bild: imago/ Jochen Tack)

2

Wie du dich benimmst, so wirst du behandelt.

Als Rettungskraft versucht man, den Patienten die bestmögliche Behandlung zu geben, die oft auch schon etwas über das hinausgeht, was man als Rettungsassistent leisten muss, nämlich: Den Patienten lebendig von A nach B bringen. Aber: Wenn man innerhalb von viereinhalb Minuten zum Einsatzort gerast ist und dort von den Angehörigen oder dem Patienten mit den Worten empfangen wird "Wieso habt ihr so lange gebraucht, Mann?!" sieht das anders aus.

So einer kriegt dann alles Nötige – aber eben auch nicht mehr als das. Wenn du dagegen sympathisch und freundlich bist, vielleicht sogar einen Kaffee anbietest (für den natürlich gar keine Zeit ist) – dann versuchen sie auch gerne, dir den Transport so bequem wie möglich zu machen.

Wieso haben Sie so lange gebraucht, Mann?!
Nervige Patienten
3

Man ist ständig überarbeitet – und macht vielleicht Fehler.

Wie in vielen Kranken- und Pflegeberufen gibt es auch im Rettungsdienst einen massiven Mangel an Personal und eine völlig überarbeitete Belegschaft. Ein Beispiel: Beim Roten Kreuz in Stuttgart wurden die Verträge der Rettungsassistenten vor ein paar Jahren von 45 auf 38 Wochenstunden reduziert, weil der Betriebsrat bemängelte, dass die Rettungskräfte zu oft ihre Zwölf-Stunden-Schichten ohne Pause durcharbeiteten und manchmal sogar noch Überstunden machen mussten. "Da steigt natürlich die Fehleranfälligkeit," sagt Daniel. Wach hielt ihn dann der Kaffee – oder eben das Adrenalin. Daraufhin wurden aus den zwei Schichten à 12 Stunden am Tag drei Schichten à acht Stunden gemacht, was den Personalmangel noch verstärkt hat.

4

Sie haben eine eigene Geheimsprache, mit der sie sich über dich lustig machen.

Sollte ein Rettungssanitäter den Kollegen per Funk durchgeben, er sei unterwegs mit einem schweren Fall von "supranasaler Oligosynapsie" – also, dass die Synapsen oberhalb der Nase nicht mehr richtig verknüpfen – dann will er damit sagen, dass sein Patient nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen ist.

Es könnte auch sein, dass sie dich hinter deinem Rücken als "Gomer" bezeichnen, kurz für: Get out of my emergency room. Soll heißen: Du bist jemand, mit dem sie einfach nichts zu tun haben wollen – das kann ein Patient oder ein lästiger Angehöriger sein, der alles besser weiß.

Diese Begriffsbezeichnung ist abgekupfert aus dem Buch "House of God" des Autoren Samuel Shem, in dem es um einen jungen Arzt geht, der in seinem ersten klinischen Jahr im Krankenhaus all seiner Ideale beraubt wird.

(Bild: imago/Jochen Tack)

5

Er hätte dich als Angehörigen mitnehmen können – aber er wollte nicht.

Im Rettungswagen herrscht Hausrecht. Es muss also niemand mitgenommen werden – bis auf den Patienten natürlich –, der sich daneben benimmt oder einem auf die Nerven geht. Der Rettungssanitäter kann die Angehörigen aber mitnehmen, wenn sie sich denn entsprechend verhalten. Das liegt bei ihm. (Wie du dich richtig verhälst – siehe Punkt 1 und 2)

6

Er erlaubt sich auch gerne mal die eine oder andere Erziehungsmaßnahme.

Seit drei Wochen schon dieser stechende Schmerz im Knie und wann geht der Anruf beim Rettungsdienst ein? Montag um zwei Uhr morgens – obwohl man das Knie genauso gut vom Hausarzt hätte untersuchen lassen können, statt den Rettungsdienst mitten in der Nacht ausrücken zu lassen.

Solche Kandidaten gibt es immer wieder, sagt Daniel. Der ein oder andere Rettungsassistent erlaube sich da gerne mal eine erzieherische Maßnahme und fährt den Patienten in ein Krankenhaus am anderen Ende der Stadt, damit die Taxi-Rechnung auf dem Rückweg schön üppig ausfällt.

7

Er ist ganz schön makaber.

Der Tod ist sein ständiger Begleiter – da hilft eine gute Portion schwarzer Humor. Wenn Rettungsassistenten ausnahmsweise mal nichts zu tun haben, kann das auch daran liegen, dass der zu rettenden Person leider nicht mehr geholfen werden konnte. Dann stehen Rettungsassistenten und Rettungsärzte vor der Wohnung einer alten ledigen Dame, die eben verstorben ist – und einer sagt: "Sucht Peter nicht gerade eine Wohnung?"


*Der Name wurde von der Redaktion geändert.

Lust auf noch mehr Geheimnisse?


Gerechtigkeit

Magazin retuschiert Haare von Lupita Nyong'o weg – und muss sich entschuldigen

13.11.2017, 10:30

Don't touch my hair!

Was ist passiert?