Bild: Metro-Goldwyn-Mayer

Fühlen

Wie ich auf der Suche nach meinem ersten Dreier verarscht wurde - und was ich daraus gelernt habe

07.09.2017, 18:05 · Aktualisiert: 07.09.2017, 19:04

Vielleicht heißt Carina eigentlich Karl-Heinz, ist 63, bärtig und riecht unangenehm. Vielleicht war sie auch eine Gruppe pickeliger Teenager, die sich an meinen Nacktbildern aufgeilte.

Bis heute weiß ich nur: Carina hätte mir meinen ersten Dreier bescheren sollen – doch dazu kam es nie.

Zusammen mit meinem Freund – nennen wir ihn Ben – hatte ich mich vor ein paar Monaten bei einem Dating-Portal angemeldet.

Ich war seit Jahren mit ihm zusammen und noch mit keinem anderen Mann im Bett. Ich wollte unsere Beziehung. Aber nie zu erfahren, wie sich Sex mit anderen anfühlt, nie zu wissen, was es noch gab in der Welt der sexuellen Abenteuer, klang für uns traurig.

Also stürzten wir uns in eine aufregende Welt: Erotische Partys und Sex mit anderen Paaren, ich ließ andere Männer an mich heran und entdeckte meine Lust auf Frauen.

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Lana Petersen
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Ich fühlte mich großartig – nicht mehr wie die Langweilerin mit der immergleichen Beziehung. Ben und ich genossen es. Und wir wollten mehr.

Unter anderem einen Dreier mit einer anderen Frau. Wir ahnten, dass es schwierig werden würde, dafür eine schöne Unbekannte zu finden, weshalb wir unseren Wunsch eher unrealistisch fanden.

Doch auf ein Mal erschien Carina.

Unaufdringlich und ungefragt – in Form einer "Gefällt mir“-Angabe für unser Profil auf einer der Plattformen für Partnertausch und ähnliches.

Carina war Mitte 20, blond und ganz hübsch, aber nicht so übertrieben attraktiv, dass wir skeptisch wurden. Also schrieben wir ihr.

Erst vorsichtig, dann detailreich, schließlich in einer WhatsApp-Gruppe. Angeblich hatte Carina gerade eine Langzeit-Beziehung hinter sich und wollte sich sexuell ausprobieren. Klang plausibel.

Genau wie die Mails, die sie fast täglich schickte: Carina erzählte von der Inspektion ihres Polos. Wir bekamen Fotos von ihrem Frischkäse-Bagel in der Mittagspause. Sie fragte nach Tipps für einen guten Optiker. Wer sollte sich diese Belanglosigkeiten ausdenken?

Außerdem war sie online als geprüftes Mitglied gekennzeichnet, es gab keinen Grund für Zweifel. Also gaben wir private Online-Fotoalben frei, schickten ihr irgendwann ein verwackeltes Handybild, das uns beim Sex zeigte.

Wenn eine neue Nachricht kam, hatte ich ein Kribbeln im Bauch – es fühlte sich alles so gut an, so neu und so aufregend.

Nach zwei Wochen lud uns Carina nach Hause ein.

Wir wollten Pasta mit Pesto kochen und sehen, was der Abend bringt.

Auf dem Weg trug Ben eine Tasche mit Weißwein und teurem Parmesan, ich neu gekaufte Spitzen-Unterwäsche. Wir waren beide tierisch nervös und gespannt, was uns erwartet.

Dann standen wir plötzlich vor einem Verwaltungsgebäude der Uni. Keine Privatwohnung, keine passende Klingel. Keine Carina. Mir wurde schlecht und in mir krampfte sich alles zusammen.

Trotzdem liefen wir die ganze Straße ab, riefen Carina an, schrieben ihr. Erst: "Hey, stimmt die Adresse vielleicht nicht?“, dann:

Carina, was soll der Scheiß?

Natürlich kam keine Antwort.

"Das kann doch nicht sein, oder?“, fragte ich Ben etwa 200-mal. "Die kann uns doch nicht so verarscht haben!“ Ich konnte nicht klar denken, in meinem Kopf fuhr ein "Scheiße, scheiße, scheiße“-Karussell.

Bens Gesichtsausdruck war fast das Schlimmste an der Situation: Ich hatte ihn noch nie so verletzt gesehen. "Bald werden wir darüber lachen“, sagte ich, um irgendetwas zu sagen. Er sah mich ausdruckslos an: "Ich denke nicht.“

Nach einer halben Stunde fuhren wir nach Hause, fast wortlos. An unseren Laptops stürzten wir uns in stummen Aktionismus, um nicht darüber reden zu müssen.

Ben meldete Carinas Online-Profil, schickte eine wütende Beschwerde an die Betreiber des Portals. Ich googelte erfolglos ihren Namen, suchte online nach weiteren Opfern. In Foren wurden ähnliche Fälle diskutiert, aber nie das Carina-Phantom. Und immer war das Fazit:

"Wer ist denn wirklich so naiv?“

Zwischendurch blitzten bittere Details in mir auf: Was ich gesagt und verschickt hatte – ich schämte mich so sehr dafür.

Ich fand es furchtbar, dass eine fremde Person jetzt so viel Macht über mich hatte. Und ich hatte keine Ahnung, welcher Plan dahinterstand. Carina kannte meinen Nachnamen und wusste, bei welcher Zeitung ich arbeitete.

Ich war 29, nicht 14, natürlich kannte ich die Risiken - theoretisch. Aber dank all der guten Erfahrungen vor Carina war mein Misstrauen so klein und meine Vorfreude so groß, ich hatte alle Warnhinweise übersehen.

Ich hatte völlig die Kontrolle verloren.

Wochenlang erwartete ich, von meinem Chef angesprochen zu werden: "Wir haben eine Mail bekommen: Wir werden erpresst.“

Oder in einer RTL-2-Doku aufzutauchen, als Beispiel für das dumme, sexgeile Paar.

Doch es passierte nichts. Vermutlich werden wir nie erfahren, was das alles sollte.

Und dieses Gefühl hasse ich. Genau wie die Tatsache, dass Unbekannte für immer Nacktfotos von mir haben werden. Dass sie irgendwann, zu einem völlig anderem Zeitpunkt in meinem Leben, wieder auftauchen könnten.

Und ich hatte auf einmal Angst, noch einmal so gedemütigt zu werden.

Nach der ersten Schockstarre haben Ben und ich beschlossen, an unserem neuen Sexleben festzuhalten – ein wenig trotzig ("Wir lassen uns von der Schlampe nicht alles kaputt machen“) und leicht paranoid.

Als sich ein halbes Jahr später eine Unbekannte bei uns meldete, waren wir misstrauisch und vorsichtig:

  • Wir haben nichts von uns verraten, keine Handynummern ausgetauscht, nichts zu Privates preis gegeben. Wir hatten uns geschworen: Falls uns das noch mal passiert, falls niemand auftaucht, dann sollte es höchstens ein bisschen ärgerlich sein, aber uns nicht bloßstellen.
  • Und: Wir wollten uns möglichst schnell mit ihr treffen – raus aus der virtuellen Welt und rein in die Realität. In einer anonymen Bar über alles sprechen, statt ewig Nachrichten zu schicken.
  • Denn wie bei jedem anderen Date kann man verletzt werden. Darauf waren wir jetzt besser vorbereitet – auch emotional.

Aber dieses mal wartete tatsächlich eine Unbekannte auf uns.

Ich habe in dieser Nacht festgestellt, dass Sex zu dritt nicht mein Ding ist. Aber es fühlte sich gut an, diese Erfahrung zu machen. Und ich zeigte Carina, Karl-Heinz und den pubertären Jünglingen in meinem Kopf triumphierend den Mittelfinger.

Sophia Larsson

Sophia will Sex mit Anderen haben – aber nicht ohne ihren Freund. Also hat sie sich zusammen mit ihm bei einem Dating-Portal angemeldet. Sophia erzählt nur selten, was sie auf Partys oder in fremden Schlafzimmern erlebt. Aber sie schreibt gerne darüber (solange niemand weiß, wie sie wirklich heißt).


Streaming

Alle Tode bei "Game of Thrones" haben ein gemeinsames Muster

07.09.2017, 17:14 · Aktualisiert: 07.09.2017, 17:14

Sagt zumindest ein Fan, der sehr genau hingeschaut hat.

"Game of Thrones" ist eine sehr brutale Serie. Und eine sehr verworrene Serie.

Also ist es nur logisch, dass Fans versuchen, Licht nach Westeros zu bringen. Und Reddit-Nutzer razobak09 hat sich dazu noch mal alle Todesarten der bisherigen sieben Staffeln angesehen. 

Seine Theorie: Der Tod eines Charakters ist eine Hommage an dessen Leben in der Serie.