Fühlen

Wie es ist, mit dem Freund zusammenzuziehen

29.03.2016, 10:25 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

"Unsere Beziehung ist schon sehr viel inniger geworden."

Irgendwann stört der Mitbewohner dann doch die Zweisamkeit. Irgendwann nervt es doch, dieses ständige Einpacken, Auspacken, rein in den Zug, raus aus dem Zug. Irgendwann kommt sie, die Frage: Sollen wir zusammenziehen? Das eine Paar traut sich früher, das andere später, manches auch nie.

  • Wir haben bei Männern und Frauen nachgefragt: Wie wohl fühlt ihr euch, mit dem Partner jetzt dauerhaft das Bad zu teilen?
  • Zudem haben wir Wolfgang Krüger um Tipps gebeten, wie sich Streit vermeiden lässt. Er arbeitet als Psychotherapeut und hat das Buch geschrieben "Freiraum für die Liebe: Nähe und Abstand in der Partnerschaft".
  • Außerdem könnt ihr bei uns im Quiz testen: Seid ihr bereit, zusammenzuziehen?

(Bild: Julian B.)

Nadine Franze, 26

Mir war schnell klar: Wenn man das "richtige" Zusammenleben nicht probiert, dann wird man auch nicht herausfinden, ob es funktionieren würde. Im Februar sind mein Freund und ich dann zusammengezogen, da waren wir knapp ein Jahr ein Paar.

Bisher klappt das Zusammenleben super. Es ist toll, wenn ich abends mit den Mädels unterwegs bin und weiß: Er ist auf jeden Fall da. Jede Nacht neben seinem Partner einschlafen zu können, ist ein schönes Gefühl – kein Tasche packen mehr.

Einen richtigen Streit gab es noch nicht, seitdem wir zusammenwohnen. Wenn mir ein Missgeschick passiert, ich zum Beispiel etwas fallen lasse, dann neckt mein Partner mich. Er ist der Meinung, dass ich in manchen Dingen zu paddelig bin.

Mit der Zeit wird man wahrscheinlich jegliche Ecken und Kanten des Partners kennenlernen. Dann zeigt sich, ob die Beziehung langfristig Bestand hat oder nicht. Denn: Was bringt es, wenn man erst nach vier Jahren zusammenzieht und es dann nicht funktioniert? Das wäre ja Zeitverschwendung.

Test: Seid ihr schon bereit zusammenzuziehen?

(Bild: Frauke Suhr)

Dennis, 31

Ich wohne seit vergangenem September mit meiner Freundin zusammen, da waren wir ein Jahr und neun Monate ein Paar. Vorher haben wir beide in WGs gelebt und eine Fernbeziehung geführt. In den Semesterferien war meine Freundin auch schon mal länger bei mir, das waren aber höchstens drei Wochen am Stück.

Ich hatte vor ihrem Einzug eigentlich nur einen Tisch, einen Fernseher und mein Bett, von daher musste ich mich von nichts trennen und durfte sogar meine Cappy-Sammlung behalten. Alles Weitere haben wir zusammen ausgesucht. Alles, was die Deko angeht, ist ihr Metier. Das Putzen haben wir aufgeteilt: Ich sauge Staub und mache die Küche, sie macht den Rest.

Wir verstehen uns jetzt eigentlich blind. Ich weiß genau, was ich machen kann, um ihr bei ihren Sachen zu helfen und sie weiß, wann ich eher meine Ruhe brauche – zum Beispiel wenn der HSV spielt.

Unsere Beziehung ist schon sehr viel inniger geworden: Jetzt wissen wir fast alles über die andere Person und können daher auch viel mehr über persönliche Dinge sprechen.

Tipps vom Psychologen: Worauf man beim Zusammenwohnen achten sollte

(Bild: Teresa Hansen)

Teresa Hansen, 26

Als ich im Februar 2016 mit meinem Freund zusammengezogen bin, waren wir gerade ein halbes Jahr ein Paar. Wir hatten eine klassische Fernbeziehung: Ich habe noch studiert, er hat 400 Kilometer entfernt gearbeitet. Vorher haben wir einmal zwei Wochen am Stück zusammen verbracht, das war die längste Zeit. Ich habe nebenbei an einer Schule gearbeitet und hatte nur am Wochenende und in den Ferien Zeit. Die haben wir genutzt und ich habe bei ihm "Urlaub" gemacht.

Über die Wohnungseinrichtung haben wir schon etwas gestritten, dabei dachten wir am Anfang, es wird ganz einfach. Ich lege Wert auf Platz für Deko, er nicht so. Er legt Wert darauf, dass man gut fernsehen kann, ich nicht so.

Jetzt ist nicht mehr nur der Partner wichtig, sondern auch, dass der Haushalt läuft, dass Geld da ist, dass man zum Sport geht und nicht zu einer Person verschmilzt, sonst würde man ein Stück seiner Identität verlieren. So soll das für mich nicht sein. Deswegen reden wir jetzt häufiger über Zeit für uns alleine, damit er sich mit seinen Kumpels zum Fußball und ich mich mit meinen Mädels zum Kaffee treffen kann.

Was sich bisher nicht verändert hat: Wir freuen uns darauf, Zeit mit dem anderen zu verbringen und mit ihm alles zu teilen, was man erlebt.

Florian Binder, 27

Ende November 2014 zog meine Freundin zunächst in meine damalige, zu kleine Wohnung mit ein. Bis dahin hatten wir nur einmal vier Tage am Stück bei einem Festival miteinander verbracht. Seit Anfang dieses Jahres haben wir nun unsere erste „richtige“ gemeinsame Wohnung.

Grundsätzlich haben wir uns ganz gut entwickelt und gelernt, miteinander umzugehen. Wir verbringen mehr Zeit gemeinsam, außerdem ist es nun leichter, den Partner einzuschätzen: Die Eigenschaften des anderen kann man nun deuten und besser damit umgehen. Wenn wir uns streiten, dann oftmals über Kleinigkeiten, wie das Putzen oder den Abwasch. Wir haben da keine genaue Regelung: Beide putzen, wenn es nötig wird.

Seit wir zusammen wohnen, ist der Zusammenhalt gewachsen: Wir bilden nun eine Einheit. Außerdem ist die gemeinsame Wohnung ein richtiges Zuhause geworden, das Geborgenheit bietet.

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