Bild: Ivy Meyer

Fühlen

Wie es ist, eine Instagram-Mama zu sein

18.04.2017, 11:23 · Aktualisiert: 18.04.2017, 17:26

Die Hamburger Bloggerin Ivy über die Frage: Was kann ich von meinem Baby zeigen?

Alles an Ivy leuchtet. Ihre Wangen und die Lippen sind rosa, sie trägt ein blau gestreiftes Shirt. "Er kann hervorragend Spuckebläschen machen", sagt sie. "Er hat noch überall Flaum auf dem Rücken und auf den Ohren und er ist so weich und so süß."

Dann lässt Ivy den Aufnahmeknopf los und schickt das Video über ihr Smartphone ab. 

Jetzt weiß Snapchat, dass die Geburt ihres Sohnes vorbei ist. Jonah ist da. Und Flaum und Spucke und alle 1300 Menschen, die Ivy zu diesem Zeitpunkt auf Snapchat folgen und ihre Videos gesehen haben:

Ivy ist 28 und Designerin in einer Agentur, sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Ihre Wohnung liegt im Erdgeschoss eines Neubaus, an das Wohnzimmer grenzt ein kleiner Garten mit Terrasse, dahinter erstreckt sich ein Hof.

Jonah kam vor zehn Monaten zur Welt – und diese Welt kann ihm seitdem im Internet beim Wachsen zuschauen. Heute, an einem Frühlingstag, sitzt er mit Ivy auf einer Decke im Garten, er spielt mit einem Stock und Ivy sagt: "Das ist sein Lieblingsstock."

Irgendwann hörte ich auf, mein Geld in Kleidung zu stecken
Ivy

Seit Ivy volljährig ist, erzählt sie im Internet von ihrem Leben. Auf ihrem ersten Blog zeigte sie ihre Outfits, "noch mit schlechter Kamera und Spiegel-Selfies", sagt sie. 

Mittlerweile hat sie eine neue Seite, auf der sie weniger Klamotten zeigt. "Ich habe irgendwann aufgehört, mein ganzes Geld in Kleidung zu stecken. Ich fand das albern."

Nun berichtet sie vom Muttersein, der Schwangerschaft, von der Beziehung und der Hochzeit mit Ehemann Tom. Sie hat Elternzeit, er arbeitet tagsüber als Produktmanager.

Ivy Meyer
Ivy Meyer
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Ivy Meyer
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Auf Instagram lädt sie täglich für 8600 Abonnenten Fotos hoch, vor allem von Jonah. Dazu ein paar Zeilen. Jonah im Sandkasten, Jonah müde, Jonah mit fehlender zweiter Socke.

Die meisten Bilder macht ihr Mann – gute Kamera, die Fotos sind schön: Sie zeigen eine helle Wohnung, bunte Klamotten, leckeres Essen, manchmal Kosmetik. Es ist der Lifestyle, der auf Instagram ankommt.

Dort lässt Ivy nah heran an ihren Alltag. Sie meldet sich von Spaziergängen, beim Eis essen und Aufräumen. Regelmäßig etwas hochzuladen, das ist vor allem ein Hobby, aber auch ein Job, sagt Ivy. 

Ivy mit Jonah: "Ich platze vor Liebe"

Ivy mit Jonah: "Ich platze vor Liebe" (Bild: Ivy Meyer)

Auf ihrem Blog veröffentlicht sie Texte, die ehrlich klingen und zeigen, wie das Leben hinter den schönen Fotos sein kann. Es sind Texte, die Ivy sympathisch machen, die sich lesen wie lange WhatsApp-Nachrichten einer guten Freundin.

In einem Text steht zum Beispiel, wie wütend sie gerade sei auf Tom, der sei viel unterwegs und arbeite und sie immer nur bei Jonah. Andere Texte handeln von Erinnerungen und Heißhunger:

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Manchmal kooperiert Ivy auch mit Herstellern von Babysachen, probiert Produkte aus und macht anschließend in einem Blog-Eintrag Werbung dafür. "Aber nur, wenn ich selbst von dem Produkt überzeugt bin", sagt sie.

Ständig bekomme sie Anfragen von Firmen. Doch die meisten Bilder lade sie ohne Auftrag hoch, das solle auch so bleiben.

Ich mache nur Werbung, wenn ich vom Produkt überzeugt bin
Ivy

Und was bringen die Likes am Ende? Wo beginnt Intimität? Ist es okay, sein Leben und das seines Babys für jeden zugänglich zu dokumentieren? Bei jedem Foto muss Ivy neu überlegen, sagt sie.

Was teile ich mit dem Internet und was nicht? Was dürfen fremde Menschen von meinem Kind und meiner Familie sehen? 

Andere deutsche Bloggerinnen, die auch Mütter sind, beantworten diese Fragen unterschiedlich. Jessica Weiß aus Berlin zeigt das Gesicht ihres Babys grundsätzlich nicht, macht auf "Minijournelles" aber Werbung für Kindersitze, Schurwollstrampler und Schnuller.

Auf "Mummymag" berichten mehrere Frauen vom Alltag mit ihren Kindern – und zeigen auch Fotos von ihnen, zum Beispiel vom Friseurbesuch.

Die Betreiberinnen von "This Is Jayne Wayne" entschieden sich hingegen kürzlich, ihren Babyblog "Tinyjane" zu schließen: "Wir haben vergessen, dass kein Sparbuch der Welt das Vermarkten der eigenen Kinder rechtfertigen kann."

Ivy und Jonah: "Ich würde ihn nie bloßstellen"

Ivy und Jonah: "Ich würde ihn nie bloßstellen" (Bild: Ivy Meyer)

Und Ivy? Sie sagt: "Auf meinem Blog erzähle ich Geschichten aus unserem Alltag, teile meine Erfahrungen und wenn es passt, integriere ich Kooperationen. Was dabei an Gewinn übrig bleibt, landet in der Regel auf Jonahs Konto." Wie viel das ist, will sie nicht sagen.

Nur, solange Jonah Spaß habe, tauche er auch auf Fotos auf. Ivy sagt, sie würde ihn nie weinend, nackt oder mit Schokolade verschmiertem Mund zeigen. "Ich würde Jonah nie Kotzmonster oder Scheißerchen nennen. Ich stelle ihn niemals bloß." Das gelte nicht nur für Bilder, sondern auch für Texte.

Doch wie er beim Spielen oder Schlafen aussehe, das könnten andere auch im Stadtpark oder im Supermarkt mitbekommen.

Wieso also nicht auch im Internet davon berichten, Fotos von Jonah zeigen?

Als erste in ihrem Freundeskreis, die ein Kind bekommen hat, braucht sie ein Ventil, um loszuwerden, was sie beschäftigt, sagt Ivy.

"Wenn meine Freunde nicht mehr hören können, wie glücklich ich bin, weil ich wirklich oft glücklich bin, erzähle ich es eben dem Internet. Und bin für die da, die Lust haben auf den Austausch, zum Beispiel über Erziehung." 

Von anderen Blogs habe sie schon viel gelernt. Sie spreche mit ihren Followern, gebe Tipps über das Leben mit Kind – und manchmal bekomme sie auch welche.

"Ich habe durch das Internet viele Freunde kennengelernt. Auch Mamis, mit denen ich mich persönlich treffe", sagt Ivy. 

Ivy: "Ich bin für die da, die Lust haben auf Austausch"

Ivy: "Ich bin für die da, die Lust haben auf Austausch" (Bild: Ivy Meyer)

Während sie spricht, beobachtet sie Jonah, sie nimmt ihn hoch, streichelt ihm über die Mütze. Hier, offline und ohne jeden Filter, erinnert nichts daran, dass sie und ihre Familie auch im Internet zu sehen sind. Ivy sitzt nicht ständig vor dem Smartphone oder positioniert sich fürs nächste Foto.

Sie ist mit all ihrer Aufmerksamkeit bei Jonah, spricht viel mit ihm, lacht ihn immer wieder an – und das wirkt authentisch. "Ich platze vor Liebe", sagt sie. 

Das hat sie so auch schon mal auf Instagram geschrieben, unter das Bild, mit dem sie verkündete, dass Jonah geboren ist. "Wir können nicht aufhören, unser Kind zu bestaunen", steht da.

Was aber, wenn dieses Kind eines Tages keines mehr ist? Was, wenn es sich eines Tages durchs Internet klickt – und sich selbst findet? 

Wir können nicht aufhören, unser Kind zu bestaunen
Ivy auf Instagram

"Wenn er ein Problem mit dem Blog hat, dann habe ich eins", sagt Ivy. "Ich weiß noch nicht, wie ich dann damit umgehen soll. Wahrscheinlich würde ich alles löschen." Sie sei aber überzeugt, dass Jonahs Generation später ohnehin kein großes Problem damit haben werde, wenn Leben online stattfinde.

Künftig soll es auf ihrer Seite auch darum gehen, wie es ist, nach der Elternzeit wieder zu arbeiten, sagt Ivy. Wenn Jonah in der Kita ist – und sie wieder öfter ohne ihn unterwegs. 

Vielleicht habe der Blog dann auch mal eine längere Pause. Aber niemals so ganz, sagt Ivy: Sie könne sich nicht vorstellen, je aufzuhören mit dem Erzählen im Internet


Haha

Trump hat den Osterhasen eingeladen. So macht sich das Internet darüber lustig

18.04.2017, 08:21 · Aktualisiert: 18.04.2017, 10:37

US-Präsidenten sind nicht immer damit beschäftigt, Bomben auf Afghanistan zu werfen (bento) oder Kriegsschiffe nach Nordkorea zu schicken (bento). Manchmal feiern sie auch einfach nur Ostern. Im Weißen Haus gehört der "White House Egg Roll" zu festen Tradition – ein Eierwettrollen am Ostermontag.

In diesem Jahr war erstmals Donald Trump Gastgeber des Events. Neben dem Eierrollen gab es auch Livemusik, andere Spiele und natürlich einen Osterhasen. Der sah in diesem Jahr ziemlich erschrocken aus: