Bild: Lana Petersen

Fühlen

Mit Jonas hatte ich den schlechtesten Sex meines Lebens. Jetzt treffe ich ihn wieder

11.11.2015, 14:57 · Aktualisiert: 05.10.2016, 15:58

Es war eine sehr schlechte Idee, betrunken Sex zu haben.

Manche Geschichten verdrängt man jahrelang erfolgreich. Bis zu dem Punkt, an dem sie einem in der ganzen Pracht ihrer Peinlichkeit wieder ins Gesicht klatschen. So auch kürzlich meine "Nacht" mit Jonas.

Jonas war ein Freund meines Mitbewohners, und wir fanden einander merklich schon eine ganze Weile gut. Nach einer unserer WG-Partys war die Spannung dann endlich weit genug gestiegen, leider aber auch der Pegel. Betrunkener Sex ist ja selten eine wirklich gute Idee. Dieser betrunkene Sex aber war eine beschissene Idee.

  • Noch bevor es zur Sache ging, musste Jonas mir die Haare halten, während ich mich in unsere Küchenspüle übergab.
  • Danach waren wir immerhin klar genug, um uns gemeinsam die Zähne zu putzen. Ich weiß bis heute nicht, wessen Zahnbürste Jonas benutzt hat.
  • Als wir endlich unter eine Wolldecke auf mein Schlafsofa krochen, war es taghell und alle Spuren der Nacht bestens zu sehen. Das hielt uns allerdings nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen.
  • Ja, versuchen. Ich erinnere mich an Rumgefriemel mit einem Kondom und Kontakt zwischen Penis und Vagina. Ich glaube auch, dass er drin war. Ich weiß es nicht mehr so genau.
  • Kai könnte es wissen, ein alter Schulfreund, der auf einer Luftmatratze im selben Zimmer schlief. Ich hoffe zumindest, dass er wirklich schlief.
  • Ich schlief dann auch irgendwann unter Jonas ein. Mein Kopf baumelte über der Bettkante.

Diese intime und äußerst peinliche Begegnung, die ich nicht mal meinen besten Freunden in Gänze berichtet habe - die dritte Person im Raum habe ich lieber ausgespart - ist nun fünf Jahre her. Seit vier Jahren habe ich keinen Kontakt mehr zu Jonas. Aber jetzt will ich doch wissen, ob ihm unser intimes Erlebnis eigentlich genauso unangenehm war wie mir.

Wir treffen uns zum Mittag in einem Sushi-Restaurant. Wir sitzen nebeneinander, mit uns am Tisch eine stumm essende Frau.

Du warst nicht die einzige von uns, die rotzenvoll war.
Jonas

Jonas ist gerade mit seiner Freundin zusammengezogen und hat jetzt einen Bürojob. Er ist gespannt, worüber ich mit ihm reden möchte, ich bin nervös. Ich frage ihn geradeheraus, ob er sich überhaupt noch an unseren Sex - oder wie auch immer man es betiteln möchte - erinnern kann.

Kann er, und auch er schämt sich.

Ich will wissen, warum er überhaupt noch Lust auf mich hatte und mit mir geschlafen oder es eben versucht hat.

“Du warst nicht die einzige von uns, die rotzenvoll war”, sagt Jonas, der mir außerdem erzählt, dass er damals gerade sein Studium abgebrochen hatte, viel trank, noch viel mehr kiffte.


Trotzdem hatte ich seitdem volltrunken keinen Sex mehr.

Er habe sich hinterher gefragt, ob unser Intermezzo für mich eigentlich in Ordnung war. Denn mein damaliger Mitbewohner habe ihm dafür eine ordentliche Standpauke gehalten. Das höre ich zum ersten Mal und bin ganz gerührt. Besagter Mitbewohner hatte ihm aber auch gesagt, dass ich mich zwar schäme, Jonas sich aber keine Sorgen machen müsse. Und damit hatte er recht.

Es gibt Männer, die so eine Situation ausnutzen, ja, Frauen sogar bewusst betrunken machen. Aber Jonas hat mich zu nichts gedrängt oder die Situation ausgenutzt: Ich wollte mit ihm schlafen und habe ihm das auch ziemlich eindeutig signalisiert. Nur etwas nüchterner wäre der Sex sicher angenehmer gewesen, für uns beide.

Wir sitzen noch ein wenig und reden. Wir lachen sogar ein bisschen. Und als wir uns verabschieden, ist irgendwie alles geklärt. Es ist okay und auch gar nicht mehr so peinlich.

Trotzdem hatte ich seit der “Nacht” mit Jonas volltrunken keinen Sex mehr.