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12.06.2018, 09:00 · Aktualisiert: 12.06.2018, 09:12

Ständig diese Lästereien über Dialekte und Essen.

Als Andrea 2013 aus Mexiko für ein Auslandssemester nach Regensburg kam, war in Bayern vieles neu für sie: das deftige Essen, die Trachten. Mit der Zeit wurde es vertrauter, sie mochte den Süden Deutschlands immer mehr. "Die Zeit in Bayern war super", sagt die 28-Jährige heute.

Nachdem Andrea ihr Psychologiestudium in Mexiko beendete, wollte sie wieder nach Deutschland. Vor allem wegen des Studiengangs: Sie wollte in Bielefeld einen interdisziplinären Master in Gender Studies machen.

Was geht, Deutschland?

Wer in Deutschland neu ankommt, kann sich über vieles wundern: Hunde an Leinen, Blutwurst, Schützenfest. Wir Deutschen haben Gewohnheiten, die wir selbst nicht außergewöhnlich finden – andere aber schon. Wir wollen wissen, was den "Neuen" hier auffällt. Und wir wollen selber herausfinden, was hinter den deutschen Eigenheiten steckt. Wir lassen Fragen stellen – und machen uns auf die Suche nach Antworten. Also, was geht, Deutschland?

In Bielefeld fiel ihr auf: Wenn sie erzählte, dass sie vorher bereits in Bayern studiert hatte, kamen Sprüche wie:

"Du warst schonmal in Bayern? Das sind doch alles Bauern."

Oder:

"Die Sachsen, so will ich ja nicht sprechen."

Beim Essen in der Mensa, während des WG-Abends, auf Partys oder während ihres Japanisch-Tandems:

Überall stieß sie auf Vorurteile gegen andere Bundesländer.

Andrea findet diese Generalisierung schlimm. "Dass man wegen eines Akzents einen Spruch bekommt, das gibt es in Mexiko vielleicht bei Menschen aus der Hauptstadt", sagt sie. Ansonsten kenne sie das Problem aus ihrem Heimatland überhaupt nicht.

Gerade Dialekte, sagt sie, seien doch etwas Schönes und Individuelles. "Die meisten Menschen haben überhaupt nicht in diesen Bundesländern gelebt, wie können sie sich also ein Urteil darüber erlauben?" Sie fragt sich:

"Warum mögt ihr Deutschen euch gegenseitig nicht?"

Für den Tübinger Kulturwissenschaftler und Germanisten Hermann Bausinger liegt die Antwort auf Andreas Frage in der deutschen Geschichte: Viele Spannungen und Abneigungen zwischen größeren Regionen ließen sich mit einem Blick darauf erklären. Gebiete wie Bayern, Preußen und Sachsen hätten schon früh als selbstständige Staaten eine eigene Mentalität und auch politische Ziele entwickelt. Das habe damals bereits zu Uneinigkeiten und Konflikten geführt. "So hatte der deutsche Süden Abneigungen gegenüber Preußen – und umgekehrt genauso", sagt Bausinger.

Bei Gemeindereformen etwa merke man ein ähnliches Verhalten: Die Menschen wollen ihre regionale Tradition bewahren, etwa, wenn kleine Dörfer einer größeren Gemeinde zugeteilt werden sollen. Bausinger sagt:

"Die kleineren, eingemeindeten Orte pflegen und betonen ihre Eigenarten und Traditionen – auch gegen die Stadt, der sie zugewiesen werden."

Jürgen Wiebicke ist Journalist, Philosoph und Autor. Er wanderte für sein Buch "Zu Fuß durch ein nervöses Land – Auf der Suche nach dem, was uns zusammenhält" einen Sommer durch den Westen der Republik. Seine Antwort auf Andreas Frage: Die Menschen hätten mehr Freiheiten als jemals zuvor – das schüre aber gleichzeitig auch Angst und Unsicherheit: Für welche Option solle man mich entscheiden?

Viele Menschen hätten daher ein hohes Bedürfnis nach Identität und Geborgenheit – die sie dann eben in der jeweiligen regionalen Mentalität und Tradition wiederfänden.

Damit sich trotzdem an dieser Abgrenzung untereinander etwas ändert, schlägt Wiebicke vor: mehr Austausch zwischen den Regionen. "Nur, wenn wir unsere Vorurteile und Ängste besprechen, können wir sie auch aktiv angehen."


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