Bild: Lana Petersen

Fühlen

Stöhnen beim Sex? Ja, bitte. Ich habe schließlich keinen Volume-Regler

09.12.2015, 16:35 · Aktualisiert: 05.10.2016, 16:00

Schreien und schnurren im Bett sind mir das liebste Feedback.

Bei meinem ersten Mal schliefen meine Großeltern im Nebenzimmer, und die Wände waren nicht besonders dick. Mein damaliger Freund und ich mussten zu unserer allgemeinen Aufgeregtheit also auch noch extrem darauf bedacht sein, nicht zu viele Geräusche zu machen.

Ich möchte nicht behaupten, dass mein erstes Mal nur deswegen eher so naja war - erste Male sind ja selten der totale Kracher. Aber ich glaube, dass auch das Schweigen im Bett dazu beigetragen hat. Heute weiß ich, dass mir lauter Sex einfach viel besser gefällt.

Erste Male sind ja selten der totale Kracher.

Damit meine ich nicht schreien. Das wäre wahrscheinlich anstrengend für alle Beteiligten und auch die unbeteiligten Mithörer. Ich selbst gehöre auch nicht zu denjenigen, die quieken, rufen oder kreischen. Aber deutlich hörbares Stöhnen oder Aufjauchzen - warum nicht? Ich möchte meiner Erregtheit Ausdruck verleihen dürfen, wenn es denn angebracht ist, und dabei nicht darüber nachdenken müssen, wen ich damit stören könnte.

Ich empfinde Laute im Bett als Feedback. Es macht mich schier wahnsinnig, wenn sich ein Mann mit mir in den Kissen kugelt, der so gar keinen Mucks von sich gibt. Ich will doch schließlich wissen, wie er es findet. Sein Spaß ist ja auch mein Spaß. Nun soll er mir währenddessen keine Haikus dichten. Zu viel Gequassel bringt einen ja auch aus dem Konzept und nimmt dem Moment womöglich das Knistern.

Aber er kann mir doch nonverbal mit Schnaufen, Stöhnen, Knurren oder meinetwegen auch Ausrufen in Richtung “Aiaiai” oder “Huh” signalisieren, ob alles seinen rechten Gang geht. Schweigt er, fürchte ich, dass er keine Freude hat und fühle mich etwas überflüssig. Umgekehrt möchte ich natürlich auch zeigen, ob und dass es mir ziemlich gut geht.

Schweigt er, fühle ich mich etwas überflüssig.

Ich habe mal gelesen, dass Katzen sich mit ihrem eigenen Schnurren in Stresssituationen beruhigen. Ich mache mich in Sexsituationen mit meinem eignen Raunen, Stöhnen und manchmal sogar Kichern zusätzlich an. Ich stöhne sogar beim Masturbieren, es gibt mir einen zusätzlichen Kick. Ich komme dann tatsächlich schneller und intensiver.

Auf der Suche nach Lektüre zu diesem Thema im Internet stoße ich eigentlich nur auf Artikel á la “Zu laut beim Sex – Britin muss ins Gefängnis” (SPIEGEL ONLINE) oder Foreneinträge, in denen sich jemand beschwert: “Meine Mitbewohnerin hat schon wieder mega laut Sex. Was soll ich nur tun?” (Bym) Auch ich habe durchaus schon laute Nachbarn und Mitbewohner erlebt. Sowas kann nerven. Das sehe ich ein.

Ich stöhne auch beim Masturbieren – und komme dann schneller und intensiver.

Aber mal ganz ehrlich: Ich wüsste nicht, wie ich meinen Geräuschpegel beim Sex kontrollieren sollte - das hat nur einmal bei meinen Großeltern funktioniert. Ich habe schließlich keinen Volume-Regler. Wenn mir jemand “Pssst!” oder “Hey, nicht so laut!” rät, versaut mir das die Stimmung im Bett, egal wie nett er es rüberbringt. Ich werde dann regelrecht bockig. Ich bin dann zwar leise, aber mit dem Stöhnen geht dann leider auch oft der Spaß.

Mein Tipp: Ohropax. Oder einfach selbst Hand anlegen und mitmachen. Denn manchmal ist nichts schärfer als die deutlich hörbare Lust des anderen.