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21.03.2018, 11:02 · Aktualisiert: 21.03.2018, 22:48

Werde erwachsen, Peter Pan!

"Never grow up, it´s a trap" steht auf dem Notizbuch, das mein Freund Julian vor sich liegen hat. Ich möchte es gerne nehmen und anzünden, das wäre doch schön kindisch, mal gucken, wie er das so findet. Natürlich mache ich genau das nicht, denn ich bin ja erwachsen. Und das ist auch gut so.

Diese ganze Peter-Pan Sache, sie ist die eigentliche Idiotie: Niemals erwachsen werden, niemals das Kind in sich aufgeben, und so weiter. Erwachsensein ist natürlich manchmal wirklich sehr anstrengend: Rechnungen bezahlen, Steuer machen, Miete überweisen, arbeiten gehen. Das nervt ziemlich oft und ich möchte mich sehr gerne regelmäßig wie ein Kind im Supermarkt auf den Boden werfen und schreien, dass ich auf die ganze Scheiße keinen Bock mehr habe, ich bleib jetzt hier liegen und stehe erst wieder auf, wenn ich die verdammte Schokolade kriege.

An meinem achtzehnten Geburtstag sagte der Vater eines Freundes zu mir: Ich würde dir gerne gratulieren, aber eigentlich fängt jetzt erst der schlimme Teil an. Seitdem ist viel passiert. Ich habe in vier verschiedenen Großstädten gelebt, Beziehungen angefangen und beendet. Ich habe Entscheidungen getroffen, die oft größer als ich selber waren. Und bin daran gewachsen. Ich habe Verträge unterschrieben und vergessen, sie zu kündigen. Ich habe viele dumme Dinge getan und zum Glück noch mehr ganz okay schlaue.


"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Ich hatte großartige Jobs und ein paar, die ich gehasst habe. Ich bin zwischendurch erwachsen geworden, das ist einfach so passiert.

Und je älter ich geworden bin, desto weniger habe ich verstanden, was daran toll sein soll, immer Kind zu bleiben.

Denn Erwachsensein ist eigentlich ziemlich großartig: Ich kann entscheiden, ob ich ins Ausland gehe oder meinen Dorfladen aufmachen will. Ich kann heiraten, das Studium schmeißen oder meinen zweiten Master machen. Ich kann ein Haus kaufen oder für immer in einer WG leben. Ich kann entscheiden, was ich einkaufe, wofür ich mein Geld ausgebe und wo ich wie leben will.

Und je älter ich geworden bin, desto weniger habe ich verstanden, was daran toll sein soll, immer Kind zu bleiben.

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Erwachsensein ist keine Falle. Erwachsensein bedeutet nämlich nicht, dass der Spaß vorbei ist. Sondern dass er eigentlich erst so richtig anfängt. Vielleicht ist das Schwierige genau das: All diese Entscheidungen zu treffen, obwohl einem niemand beigebracht hat, wie man einen Großteil davon angeht. Keiner kann einen darauf vorbereiten, eine langjährige Beziehung zu beenden, weil man doch noch mal was anderes erleben will. Keiner kann einem helfen, stark genug zu sein für all die Millionen neuen und schweren Momente, die nur Erwachsene durchleben müssen: gekündigt werden, verlassen werden, eine Wohnung in Hamburg finden, Steuern nachzahlen, Waschmaschine kaputt, Kinder kriegen, etwas wahnsinnig bereuen.

Die Entscheidungen sind größer und sie sind weitreichender. Und keiner kommt am Ende, streichelt dir über den Kopf und sagt, dass er das für dich hinbiegt. Meistens jedenfalls nicht. Deine Eltern haften nicht mehr für dich und du bist für deine größten Siege und dein schlimmstes Scheitern selber verantwortlich. Nur du allein.

Und genau das ist ziemlich großartig. Denn das ist alles deins: dein Leben, deine Verantwortung, deine Ziele, deine Träume, deine Ängste, deine Entscheidung. Manchmal ist das beängstigend und oft ziemlich hart. Aber für immer Peter Pan bleiben würde auch bedeuten, all diese großartigen Erfahrungen nicht zu machen. Und den Moment zu verpassen, an dem du sehr stolz sagen kannst, dass du das ganz alleine geregelt hast. Was auch immer "das" ist.

Also: Grow up, it´s not a trap. Am Ende hatte der Vater meines Freundes nämlich Unrecht: Mit meinem achtzehnten Geburtstag hat sich das Leben nicht komplett geändert. Manchmal mache ich immer noch Dinge, die kindisch sind oder dumm. Aber dafür auch ziemlich viele großartige Sachen, die ich nur machen kann, weil ich erwachsen bin. Und weil ich das Kind in mir trotzdem so sehr mag wie den Erwachsenen. Vielleicht ist alles nicht mehr so leicht wie mit Zehn.

Aber vielleicht ist das auch gar nicht schlimm, weil zum Erwachsensein auch gehört, zu wissen, wann man sich wie ein irres Kind aufführen kann und wann nicht. Und kalte Pizza zum Frühstück, die ganze Nacht aufbleiben und ausgehen, Schokolade essen, wann man will, sich den Job suchen, den man mag und das Leben, das man führen will – nichts daran ist "der schlimme Teil" – ganz im Gegenteil.


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Das ist die neue, blutige Serie vom "Game of Thrones"-Erfinder

21.03.2018, 10:10 · Aktualisiert: 21.03.2018, 12:13

Der erste Trailer zu "Nightflyers".

Fans von "Game of Thrones" warten immer noch sehnsüchtig auf das nächste Buch von Autor George R. R. Martin. Oder wenigstens auf den Beginn der finalen Staffel der Serie. 

Aber Martin selbst hat erst mal Anderes im Sinn – nämlich die Verfilmung seines Science-Fiction-Horrors "Nightflyers". Das Buch hat Martin in den Achtzigern geschrieben, nun wird es vom US-Sender Syfy verfilmt.

Der erste Blick zeigt: "Nightflyers" wird so blutig wie "Game of Thrones" – nur im Weltraum.