Fühlen

Wer warten kann, ist erfolgreicher – und glücklicher

17.05.2017, 17:02 · Aktualisiert: 17.05.2017, 17:18

Vier Monate hat es gedauert, bis ich begriffen habe, dass diese eine Mail nicht kommen würde. In der Zwischenzeit habe ich gearbeitet, Urlaub gemacht, wieder mit dem Laufen angefangen, Nagellack aussortiert – was man eben so macht, wenn das Wartegefühl nicht zu viel Platz im Leben bekommen soll. Trotzdem dachte ich täglich an diese eine Mail und wurde beinahe wahnsinnig.

Auch nach vielen Wochen der Ungeduld kam sie nicht, es gab kein Vorstellungsgespräch – und damit auch keinen Job. Zurück blieb ein Gefühl: Ich bin nicht gut im Warten.

Während der Wartezeit ging es mir schlechter als sonst. Und das ärgerte mich. Wenn ich geduldiger gewesen wäre, hätte ich mich in dieser Phase nicht besser entspannen können? Konnte denn nicht irgendwas auch sinnvoll sein an der Warterei? Ich suchte nach Antworten auf diese Fragen.

Was ich herausfand, überraschte mich. Denn zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Wer warten kann, dem geht es besser.

1. Wer warten kann, ist erfolgreicher.

Klingt nach Mutti, kommt aber aus der Wissenschaft, vom Marshmallow-Test von Walter Mischel. Der US-Psychologe hat in den Sechzigerjahren kleine Kinder einzeln in einen Raum gesetzt.

Hier waren sie für einige Zeit allein – allein mit einem Marshmallow, das vor ihnen lag. Die Kinder sollten ein wenig warten, dann würden sie ein weiteres bekommen, versprach Mischel ihnen. Aber nur, wenn sie das erste Marshmallow bis dahin nicht essen würden.

Versteckt beobachtete Mischel die Kinder, sah, wie sie das Marshmallow betrachteten.

(Bild: Giphy)

Manche knabberten es heimlich an, andere hielten es nicht aus und steckten es sich in den Mund.

Jahre später fragte Mischel noch einmal bei seinen Probanden nach. Er sah sich auch die Ergebnisse ihrer Aufnahmeprüfungen fürs College an und ließ die Eltern das Verhalten der jungen Frauen und Männer einschätzen.

So fand er heraus: Wer es seinerzeit geschafft hatte, auf die zweite Süßigkeit zu warten, war im Leben zielstrebiger und erfolgreicher, hatte stabilere Beziehungen und war besser in der Lage, mit Rückschlägen zurecht zu kommen.

Mhh, Süßes. Kennst du diese Süßigkeiten aus deiner Kindheit noch?

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2. Wer warten kann, kann besser für sich sorgen und fällt anderen seltener zur Last.

Zu diesem Schluss kommt Matthias Sutter, Wirtschaftsforscher aus Österreich. Er setzt sich seit Jahren mit der menschlichen Geduld auseinander, auch in eigenen Studien.

Sie ähneln den Marshmallow-Tests von Walter Mischel. Meist sollen sich Menschen entscheiden, ob sie etwas lieber sofort oder stattdessen in der Zukunft mehr davon haben wollen. Ihre Antworten werden dann zum Beispiel mit den Schulleistungen oder dem Lebensstil abgeglichen.

Wer geduldig ist, bekommt dadurch vielleicht besser an einen Job

In seinem Buch "Die Entdeckung der Geduld – Ausdauer schlägt Talent" beschreibt Sutter, was er und andere Verhaltensforscher zeigen konnten: Wer geduldig ist, macht eine längere Ausbildung und bekommt dadurch vielleicht besser einen Job, in dem er gut verdient, er verschuldet sich weniger und sorgt eher fürs Alter vor.

Schön für diese Menschen – aber auch gut für uns alle. Geduldige, so Matthias Sutter, belasten die Gesellschaft weniger.

Hat das noch Zeit, oder...?!

Hat das noch Zeit, oder...?! (Bild: Sophia Schirmer)

3. Wer warten kann, ist fröhlicher.

Warten ist wie ein Geschmacksverstärker, sagt Andreas Göttlich von der Uni Konstanz. Das heißt: Je länger wir auf etwas warten müssen, desto mehr Lust haben wir darauf.

Göttlich erforscht, wie Menschen in Deutschland, Argentinien und Japan an verschiedenen Orten warten. An Flughäfen hat er zum Beispiel beobachtet, dass Reisende die Wartezeit dort mitunter nicht anstrengend oder nervig, sondern ganz natürlich, als Übergangsphase, empfinden.

Vom Alltag kommend stimmen sie sich beim Warten auf den Urlaub ein – und entwickeln dabei Vorfreude. "Manche kommen sogar bewusst früher und warten freiwillig, damit sie rechtzeitig am Gate sind", sagt Göttlich.

Warten wir also auf etwas Schönes, sollten wir uns das auch vor Augen halten und das Warten genießen, anstatt genervt zu sein. Das hebt die Laune, macht fröhlicher.

4. Wer warten kann, hat mehr Kontrolle.

Wir können uns auch ganz bewusst entscheiden, auf jemanden oder etwas zu warten. Wer sich zum Beispiel mit seinem Freund oder einem Kollegen gestritten hat, der muss sich nicht immer direkt entschuldigen: "Kommt die Entschuldigung zu früh, wird sie möglicherweise als unseriös wahrgenommen", sagt Andreas Göttlich.

"Der andere könnte denken, sein Gegenüber entschuldigt sich nur um der Entschuldigung willen. Wenn ich damit also etwas warte, wird der andere sie vielleicht eher annehmen, weil er davon ausgehen kann, dass ich es mir gut überlegt habe."

Wir sind der Warterei also nicht immer ausgesetzt – manchmal können wir sie auch für uns nutzen, um eine Situation zu verändern oder sogar zu verbessern.

Nicht gleich ärgern!

Nicht gleich ärgern! (Bild: Giphy)

5. Wer warten kann, ist kreativer.

Sitzt der Berliner Philosoph Stefan Gosepath in einem Zug, der plötzlich mitten in einem Tunnel hält, schaut er sich gern seine Mitreisenden an: "Wenn es länger keinen Netzempfang gibt, werden die Leute unruhig", sagt er.

Wir kennen das: Sobald wir gezwungen sind zu warten, greifen viele von uns zum Smartphone – Ablenkung, sofort! Doch wehe, wenn das nicht geht.

Ablenkung, sofort!

Stefan Gosepath meint: Lieber nicht ärgern. "Warten bedeutet nicht automatisch, ineffektiv zu sein. In einem solchen Moment des Wartens können wir unseren Kopf freimachen, um kreativ zu sein. Ich kann tagträumen oder mich fragen: Was mache ich hier eigentlich? Das kann bis hin zur Frage führen: Was ist mir wichtig im Leben?"

Wenn wir also ohnehin nichts daran ändern können, dass wir warten müssen, bringt uns das vielleicht dazu, dass wir aus dem täglichen Hamsterrad herausklettern. Wir sehen uns um, horchen in uns hinein – und möglicherweise ändern wir sogar unser Leben.


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