Fühlen

Wie ich meine Affären fragte, ob sie meine Spirale mitbezahlen

10.09.2017, 10:37 · Aktualisiert: 11.09.2017, 17:49

Matteo drückt mich an die Wand, seine Hand wandert unter mein Shirt. "Kommst du mit zu mir?"

Ich sage ja, bevor er die Frage beenden kann. Wir kennen uns vage aus einem Arbeitskontext, waren Bier trinken und schicker essen, als ich es gewöhnt bin, aber ich weiß wenig über ihn – er noch weniger über mich. In seiner Hamburger Altbauwohnung schmeißt er mich auf sein Bett. Mein Herz setzt aus, ich kann kaum noch atmen. 

Wer hat jetzt noch Lust, an Verhütung zu denken?

Als er kurz davor ist, in mich einzudringen, lege ich meine Hand auf seine Brust, halte ihn zurück: "Ich nehme nicht die Pille." Er starrt mich ungläubig an. "Aber ich werde gerade nicht schwanger und ich mache regelmäßig HIV-Tests", sage ich. "Ich habe kein Aids", ist seine empörte Antwort. 

Fair wäre es, die Kosten zu teilen. Aber was, wenn man nicht fest zu zweit zusammen ist?

Es ist ziemlich klar, dass er nicht gewöhnt ist, über Verhütung nachzudenken. Zumindest nicht, wenn er gerade seine Finger in einer Vagina hat. In meiner in diesem Fall.

Auch bei den selbsternannten Feministen unserer Generation bin es meistens ich, die irgendwann nach dem Kondom greift. Viele Männer gehen selbstverständlich davon aus, dass die Frau die Pille nimmt. 

Verhütung ist Frauensache – fast immer. Und sie ist teuer. 

Fair wäre es, die Kosten zu teilen. Und viele Paare machen das ja auch. Aber was, wenn man nicht fest zu zweit zusammen ist? Ich bin Single. Natürlich habe ich trotzdem Sex. Gerade gibt es in meinem Leben drei Männer, mit denen ich regelmäßig schlafe.

Männerperspektive – hier findest du die Erlebnisse von unserem Kolumnisten Hannes Isart:

Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
1/12

Die Gespräche über HIV-Syphillis-etc-Tests haben wir erfolgreich geführt und wir schlafen ohne Kondome miteinander – natürlich nur, wenn ich gerade nicht schwanger werden kann. 

Aber ich bin diejenige, die mitdenken muss: 

Brauchen wir ein Kondom? Wie zuverlässig ist mein Zyklus?

Ich berechne meinen Zyklus seit zehn Jahren erfolgreich und habe mich immer gut damit gefühlt. Allerdings war ich sieben Jahre lang in einer festen Beziehung. Seit ich Single bin und mit Männern schlafe, mit denen ich mir nicht vorstellen kann, Kinder zu bekommen, fühle ich mich nicht mehr so gut damit

Wie machen das Frauen mit geringem Einkommen? Warum übernehmen eigentlich die Krankenkassen nicht die Kosten für Verhütung?​

Nach einem Jahr prekär verhütetem Sex als Single, will ich etwas ändern und entscheide mich für eine neue Spirale mit sehr gering dosierten Hormonen

Kostenpunkt 400 Euro. Echt? 

Ich verhüte seit meiner Schulzeit nicht mehr hormonell. Mir war nicht klar, wie teuer das ist. Die Spirale hält fünf Jahre, kostet also auf lange Sicht so viel wie die Durchschnittspille.

Wie machen das Frauen mit geringem Einkommen? Warum übernehmen eigentlich die Krankenkassen nicht die Kosten für Verhütung?

Ein Sparschwein neben mein Bett? Fühlt sich irgendwie blöd an, Geld und so direkt ans Vögeln zu koppeln. A

Ich kann mir die 400 Euro leisten, aber mich nervt trotzdem, dass ich das alleine zahlen soll. Klar, das Teil kommt in meinen Körper, aber von sicherem Sex profitieren ja immer mindestens zwei. 

Ich finde, meine Affären sollten mitzahlen. 

Fifty-fifty, ich 200, sie zusammen 200. Nur wie?

Ein Sparschwein neben mein Bett? Fühlt sich irgendwie blöd an, Geld und so direkt ans Vögeln zu koppeln. Also besser eine Pauschale

Aber allein die Idee macht plötzlich ein neues Fass auf: Zukunft. Wo sonst nur der Moment zählt, müssen wir plötzlich klären, wie viel kostet wie lange sicherer Sex? Nicht mit jedem schlafe ich gleich häufig, nicht jede Affäre geht gleich lange.

Ich merke, gerecht wird es nicht. Aber irgendwie muss ich ja mal anfangen.

Als erstes frage ich Felix. 

Ihn kenne ich am längsten und meistens ist er derjenige, der beim Vorspiel innehält und fragt, ob wir Kondome brauchen. Wir hatten gerade Sex, ich liege neben ihm auf dem Boden und erzähle von der Spirale. "400 Euro kostet die," sage ich. Pause. Er sagt nix.    

(Bild: Unsplash/Toa Heftiba)

Mein Herz klopft und ich ärgere mich, dass mir das nicht leichter über die Lippen geht: "Ich will die Männer, mit denen ich regelmäßig schlafe, daran beteiligen." Er hebt die Augenbrauen: "Ist das ein Verkaufsgespräch?" Ich muss lachen und finde den Kommentar trotzdem scheiße. 

Das ist ja genau das, was ich nicht wollte: Geld für Sex bekommen.

"Ich dachte, du könntest vielleicht 30 Euro zahlen." (Eigentlich wollte ich 50 sagen. Ich Feigling.) Felix reißt die Augen auf. "30 Euro? Mit wie vielen Männern schläfst du denn?" Shit. Das wollte ich natürlich nicht suggerieren. "Naja, die hält ja ein paar Jahre und wenn wir nächstes Jahr immer noch Sex haben, könnest du ja noch mal zahlen," sage ich.

"Das ist ja wie Netflix."

Seine Antworten bleiben flapsig. Er schnallt nicht, was das für mich bedeutet. Irgendwann sagt er: "Das scheint ja ein Prinzipien-Ding zu sein. Wenn dir das wichtig ist, beteilige ich mich gerne." Klar geht es ums Prinzip. Aber irgendwie geht’s auch um die 400-Euro-Rechnung von meinem Frauenarzt. 

Der nächste ist Malte. Mit ihm schlafe ich erst seit ein paar Monaten. Bisher immer mit Kondom. Malte hat vor kurzem Samen gespendet, da ist er getestet worden. Um HIV mache ich mir also keine Sorgen und lasse es heute mal drauf ankommen. Kurz bevor er kommt, zieht er seinen Penis raus und spritzt auf meinen Bauch. Yeah. Das nenn ich mal verantwortungsvolle Verhütung – nicht. 

Immerhin ein guter Einstieg in mein Spiralen-Gespräch. Wieder ende ich mit: "400 Euro kostet die." Er sagt nix. Auch ich schweige. Mein Kopf hat sich die Worte zurechtgelegt, aber ich traue mich nicht

Auch wenn wir uns klar auf ein lockeres Sex-Ding ohne Erwartungen geeinigt haben, ich will ihm nicht sagen, dass noch andere Männer für meine Spirale zahlen. Und ohne die anderen Mitzahler fühlt sich die Frage zu sehr nach Commitment an.

(Bild: Unsplash/ian dooley)

Was Verhütung angeht, ist Josh der Unzuverlässigste unter meinen Affären. Vielleicht hat er deswegen das größte Interesse daran, dass ich mir die Spirale hole. "400 Euro kostet die", sage ich wieder. Und er so: "Wäre eigentlich cool, wenn du deine Affären daran beteiligen würdest." Yeah.

Als ich mit dem Rezept in der Apotheke stehe, mache ich Kassensturz: Von den 400 Euro zahle ich 320. Das sind zwar noch 120 Euro mehr als die Hälfte, aber die Spirale hält ja auch fünf Jahre. Da werden noch einige Männer kommen, die mitzahlen können.

Trotzdem nervt mich immer noch, dass ich mich um alles kümmern muss. 

Und dass die Verhütung in meinen Körper eingreift. Ich habe die Schmerzen beim Einsetzen, ich trage die Risiken und Nebenwirkungen. Da ist es ja wohl das Mindeste, dass die Typen mitzahlen.


Streaming

Bist du der J.D. zu unserem Turk – das ultimative "Scrubs"-Quiz!

09.09.2017, 19:18 · Aktualisiert: 10.09.2017, 11:17

"Sie glauben, mein Name sei Turk Turkleton?"

Scrubs ist magisch. 

Für viele Jahrzehnte bestanden die meisten Comedy-Shows aus platten Dialogen, die am Ende durch ein eingespieltes Lachen andeuten, wo sich der Witz versteckt. Und dann kam "Scrubs". 

In einer Folge passieren hier mehr verrückte Dinge als in allen Staffeln von "Big Bang Theory" zusammen, wenn auch meist nur in J.D.s Kopf. Und trotz der fantastischen Tagträume und skurrilen Charaktere schreckt die Serie nie vor ernsten Themen zurück: Der Tod ist für die Ärzte ein ständiger Begleiter. Und gerade dadurch wird die Comedy so ehrlich – weil sie im Kontrast steht, nicht im leeren Raum.