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14.02.2018, 14:07 · Aktualisiert: 15.02.2018, 15:44

Ich möchte mal wieder nachts nicht schlafen können. Ich will glücklich auf mein Handy starren. Ich möchte am Wochenende zusammen ans Meer fahren und spazieren gehen und dabei über die anderen Paare lästern, die exakt so sind wie wir.

Die meisten Menschen um mich herum reagieren darauf mit Unverständnis.

Verlieben ist ja ganz schön, aber irgendwie uncool geworden:

Heute sollte man seine "Freiheit" genießen und sich selber finden. Vielleicht mal wieder zum Yoga. Oder ne Woche Detox. Kleiner Trip durch Thailand. Dazwischen mit dem Therapeuten der Wahl am Ego arbeiten. Denn die Liebe findet man nicht, die findet dich.

Ich höre mir das alles an und denke: Ich glaube, ich habe mich jetzt 32 Jahre lang kennengelernt. Ich weiß, wie ich ticke und ich weiß, was ich brauche, um glücklich zu sein. Yoga kotzt mich an und Detox ist Quatsch.

Das mit dem Verlieben habe ich dagegen lange vor mir hergeschoben.

Ich wollte es nicht sein. Zumindest schon sehr lange nicht mehr.

Früher war ich ziemlich oft verliebt – manchmal unglücklich und ein paar Mal sehr, sehr glücklich. Ich hatte tolle Beziehungen mit tollen Männern. Und mit ein paar nicht so tollen. Ich habe Herzen gebrochen und mir wurde das Herz gebrochen. Und irgendwann, ich weiß nicht, wann genau, habe ich davor Angst bekommen.

Seit fast fünf Jahren gehe ich zu Dates und lasse mich halbherzig auf lauwarme Affären ein. Ich haue ab, wenn es ernst wird. Ich behaupte, wie jeder emotional instabile Mensch, dass das an den Anderen liegt: zu klammrig, zu nervig, zu laut, zu still, zu viel oder zu wenig. Mir fällt immer irgendein Grund ein, warum das nicht klappen kann.

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Wenn Freundinnen mir in dieser Zeit erzählten, wie verliebt sie gerade sind, dachte ich daran, wie schlimm das enden wird. Weil es ja immer irgendwie endet.

Ich dachte an den ersten Streit und an den hundertsten, an Vorwürfe, Eifersucht und Diskussionen über einfach alles: welche Serie man schaut, wer das Klo putzt, wer sich mal wieder beschissen benommen hat, wer zu viel arbeitet und wer zu wenig für die Beziehung macht.

Dann habe ich freundlich gelächelt und gesagt, wie sehr ich mich freue. Gemeint habe ich: Wie sehr ich mich freue, dass mir die ganze Scheiße nicht bevorsteht. Ich Glückliche, dachte ich, ich kann gucken, was und wann ich will, im Bett essen, schlafen mit wem ich will und am Ende in meine schöne, kleine Wohnung gehen und machen, was ich will.

Toll, so ein Leben als menschliche Schildkröte.

Dass mir was fehlen könnte, habe ich nur selten gefühlt. Gedacht habe ich es manchmal, aber das Herz hat dann nur hysterisch gelacht. Denn was ist besser als Verlieben? Kein gebrochenes Herz haben.

Dachte ich.

Ich würde jetzt gerne von dem "life-changing moment" erzählen, in dem mir klar wurde, dass Verlieben doch super ist. Aber den gab es nicht. Viel mehr passierte etwas in mir, das offensichtlich viele Jahre gebraucht hat: Ich habe mich von alten Lasten getrennt und mein Liebesleben aufgeräumt. Ich habe meine Schmerzensmänner nach und nach losgelassen.

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Jetzt habe ich alles unter Kontrolle, ich bin so erwachsen wie nötig und so infantil wie es gerade noch geht.

Ich gehe jeden Tag zu einer Arbeit, die mich glücklich macht, ich mag meine Freunde und meine WG und sowieso mag ich die meiste Zeit das meiste um mich herum.

Eventuell wäre das ein guter Zeitpunkt, um sich zurücklehnen und endlich mal Proust zu lesen. Oder Mandalas auszumalen. Stattdessen glaube ich, dass das hier der absolut richtige Zeitpunkt ist, um sich endlich mal wieder zu verlieben.

Sich zu trauen, verletzbar zu sein und vielleicht zu scheitern. Zu daten und es ernst zu meinen. Zu sagen: Ich möchte etwas Festes und ich bin bereit, auch dazu zu stehen. Das erfordert sehr viel Mut und es ist ziemlich schwer geworden in einer Welt, in der fast alles monatlich kündbar ist.

Aber ich habe gelernt, dass es hilft, zu dem zu stehen, was man will und was man braucht. Und ich möchte Playlists bei Spotify machen und sie verschicken, ich möchte grinsend Nachrichten schreiben und fünfmal Sex am Tag.

Ich möchte ein übervolles Herz und ich möchte Händchenhalten und romantisch auf irgendein Gewässer gucken. Ich möchte kopflos sein und bescheuert naiv, ich möchte verletzlich sein und offen und lächerlich glücklich.

Ich möchte mich zeigen und ich möchte ansehen und anfassen und ein ganzes Universum, das jemand anderes ist, verstehen. Ich möchte furchtlos sein und frei und abenteuerlich.

Scheiß auf monatliche Kündigungsfristen: Liebe ist kein Prepaid-Handy.


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In den Niederlanden wird jetzt jeder automatisch Organspender

14.02.2018, 12:25

In den Niederlanden ist bald jeder Bürger, der älter als 18 Jahre ist, automatisch ein Organspender. Das hat das Parlament in Den Haag am Dienstag beschlossen.

Wer seine Organe nicht spenden möchte, muss Einspruch erheben.