Bild: Marta Giaccone / Anzenberger

Fühlen

Stell dir vor, du bist unter 18 und Mutter. Wie sieht das Leben dann aus?

19.07.2016, 10:36 · Aktualisiert: 17.03.2017, 12:31

Marta Giaccone macht Fotos von sehr jungen Frauen, die ein Baby bekommen haben.

Das Leben geht weiter. Auch, nachdem es kurz angehalten hat, Pause. Und plötzlich wächst da ein Kind im Bauch. Die Zeit vergeht auch dann: während des Schocks, der Schwangerschaft, den Schmerzen bei der Geburt, dem Klarkommen danach – und beim Liebgewinnen.

Die Fotografin Marta Giaccone, 28, hat für ihre Serie "Be Still, My Heart" sehr junge Frauen kennengelernt, die genau das hinter sich haben: Sie haben ein Baby bekommen, obwohl sie eigentlich gar keins wollten, zumindest war das anfangs so. Fast alle sind minderjährig, hatten mit einem kaputten Kondom oder ganz ohne Verhütung Sex. Sie wollten vieles vom Leben in diesem Moment, nur nicht schwanger werden.

Minderjährig und Mutter – die Fotostrecke:

Marta Giaccone / Anzenberger
Marta Giaccone / Anzenberger
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Marta Giaccone / Anzenberger
Marta Giaccone / Anzenberger
Marta Giaccone / Anzenberger
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Für ihr Uni-Projekt in Wales, Großbritannien, arbeitete Giaccone mit 20 Müttern. "Mir fiel auf, dass auf den Straßen in Wales immer mehr junge Frauen herumlaufen, die einen Kinderwagen vor sich herschieben", sagt Giaccone.

Dabei sinken die Schwangerschaften bei Minderjährigen in Großbritannien seit Jahren. Von 65 Millionen Einwohnern wurden 2014 rund 22.600 Frauen unter 18 Jahren schwanger – 2013 waren es hingegen noch rund 24.300, berichtet das Nationale Amt für Statistik in Großbritannien.

(Bild: Marta Giaccone / Anzenberger)

Doch weil sie sich schon immer für besondere Biografien interessierte, konnte Giaccone nicht anders, als mehr und mehr auf diese Frauen zu achten, sie schließlich einfach anzusprechen. "Hallo. Darf ich fragen, wie es dir geht?"

Manche sagten Nein. Manche sagten gar nichts, sondern drehten sich um. Mit manchen kam Giaccone ins Gespräch. Sie redeten so lange, bis sie Giaccone mit nach Hause nahmen. "Die Frauen lehrten mich, was es bedeutet, auf einmal ein Kind zu haben", sagt die Fotografin.

(Bild: Marta Giaccone / Anzenberger)

Giaccone hielt fest: So sehen die aus, die jetzt Brei anrühren und Spucke wegwischen, anstatt feiern zu gehen. Die, die vielleicht ohnehin aus einem schwierigen Umfeld kommen, jetzt doppelt stark sein müssen – und es auch sind. Obwohl vielleicht der Rückhalt aus der Familie fehlt, niemand Aufklärung leistete oder nicht genug Geld da ist.

"Sie sind zwischen Nagellack und Schulabschluss Mutter geworden. Und obwohl sich vorher auch schon kaum jemand für sie interessierte, tut es jetzt so gut wie niemand mehr", sagt Giaccone.

(Bild: Marta Giaccone / Anzenberger)

Die Bilder zeigen die Leere abseits von szenigen Vierteln und Konsumtempeln der Großstadt. Hier lässt sich die Langeweile in einem Alltag betrachten, in der es keinen Job gibt. Das Chaos in einer Wohnung, mit der man vielleicht überfordert ist. Ein Leben, in dem nach Enttäuschungen und Verunsicherungen nur noch eines hilft und heilt: sich lieben.

(Bild: Marta Giaccone / Anzenberger)

"Ich wollte, dass sich diese Frauen mal wichtig fühlen", sagt Giaccone. "Sie waren sehr geschmeichelt." Gleichzeitig sei sie als Künstlerin fasziniert gewesen von der Parallelwelt, die sich ihr öffnete. Obwohl alle Frauen zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten erfahren hätten, dass sie schwanger seien: Jetzt würden sie ihre Kinder behalten wollen und lieben.

"Denen waren die Risiken und all die Angst, die kommen könnte, egal. Sie erfuhren von der Schwangerschaft – und dann machten sie eben einfach weiter."

Näher dran

Marta Giaccone wurde in Italien geboren und wuchs auch dort auf. Sie studierte Englisch und Lateinamerikanische Literatur in Mailand, dann ging sie nach Wales und begann einen Master in Fotografie. Folge ihr auf Instagram oder besuche sie auf ihrer Webseite.


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Angriff bei Würzburg: Ermittler vermuten politisches Motiv – IS-Video soll den Täter zeigen

19.07.2016, 08:11 · Aktualisiert: 19.07.2016, 18:41

Was wir über die Attacke wissen.

Was ist passiert?

Ein junger Mann hat am Montagabend in einem Regionalzug in der Nähe von Würzburg mit einer Axt und einem Messer Menschen attackiert. Er verletzte fünf Menschen, vier davon schwer. Zwei Personen schweben in akuter Lebensgefahr, teilte die Polizei mit.

Laut Polizeieingaben erschoss ein Sondereinsatzkommando, das sich in der Nähe aufhielt, den 17-Jährigen nach seiner Tat. Er hatte nach dem Stop des Zuges im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld zunächst in den Ort fliehen können. Auf seiner Flucht attackierte er eine weitere Frau mit der Axt. (SPIEGEL ONLINE / Main Post)