Bild: True Door

Fühlen

Diese Türen helfen Demenzkranken, sich zu erinnern

16.11.2016, 17:30 · Aktualisiert: 20.11.2016, 15:50

Wer an Demenz erkrankt, wird zum Suchenden. Er ist auf der Suche nach Erinnerungen, nach Vertrautem, nach den Dingen, die Orientierung versprechen. Manchmal kann dieses Stück Erinnerung schon eine Tür sein.

Die niederländische Firma "True Doors" arbeitet mit dieser Erinnerung – und macht so das Leben für Demenzkranke ein klein bisschen schöner. Weil sich Heimtüren alle ähneln – viele sind weiß, klinisch, plastisch – beklebt das Unternehmen die Front mit individuellen Türbildern. Die Fotos sind den Türen früherer Wohnungen nachempfunden, manche sind bekritzelt mit Graffiti, andere tragen Holzpatina.

Im Fotoslider – So sehen die "True Doors" aus:

True Door
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Die Türaufkleber, im Original "Opplakdeuren", waren ursprünglich ein Kunstprojekt. Marieke van Diepen hat sie 2007 als Abschlussarbeit an ihrer Amsterdamer Kunstschule entworfen. "Ich wohnte in einem Mietshaus mit vielen langweiligen, identischen Türen", sagt Marieke zu bento. "Also habe ich meine und die meiner Nachbarn neu gestaltet – die Stimmung wurde gleich viel besser."

Frau Eichhorn über ihre neue Tür: "Sie erinnert mich an Picasso."

Frau Eichhorn über ihre neue Tür: "Sie erinnert mich an Picasso."

Die heute 38-Jährige hatte die Klebetüren dann wieder aus den Augen verloren. Erst Ende 2014 entstand "True Doors", als erstes Projekt beklebte sie mit Freunden die Zimmertüren eines Altenheimes. 2015 kamen dann die Wohnprojekte Demenzkranker hinzu. Auf Facebook dokumentiert sie die Arbeit.

Bis heute hat sie mehr als 70 Heime mit Türen ausgestattet, insgesamt etwas 800 Türen.

Marieke erinnert sich an ihre erste Tür für einen Demenzkranken:

"Es war ein älterer Mann, der in seinem Heim einfach nicht ankam. Immer suchte er nach dem Ausgang, er wollte fliehen. Wir haben ihm eine einfache, alte Holztür aufgeklebt, die an sein früheres Wohnhaus erinnerte. Plötzlich blieb er stehen und sagte: 'Hey, das ist mein Zuhause.' Mir traten direkt Tränen in die Augen."

(Bild: True Door)

Marieke und ihr Team haben in den Niederlanden und Belgien bereits mehr als 1000 Türen fotografiert oder designt, etwa ein Viertel davon sind über einen Online-Shop verfügbar.

"Viele alte Häuser gibt es heute nicht mehr", sagt Marieke. Für Demenzkranke arbeite sie daher mit den Betreuern und der Familie zusammen, auf alten Fotoaufnahmen aus den 30ern und 40ern suchen sie nach den Wohnungstüren.

"Wir versuchen dann, eine möglichst originale Version zu entwerfen – wichtig ist, dass sie lebendig aussieht."

In den Türen von einst steckt dann Rost in den Scharnieren und das Holz splittert, die Sonne wirft sanfte Schatten im Türrahmen. Die Erinnerung an die Heimat werde dann im Heim wieder lebendig, die Bewohner würden mit Blick auf die Türen anfangen, sich an Geschichten von früher zu erinnern. "Für die Familie heißt das, ihren Verwandten noch mal ganz neu kennenzulernen."


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