Bild: Netflix

20.09.2017, 12:17 · Aktualisiert: 22.09.2017, 09:36

Maya* (26) ist seit fast zwei Jahren mit ihrer Freundin Emma* (25) zusammen. Sie hatten sich vor einem Club kennengelernt, im Sommer 2015, am Einlass, wo sie beide warten mussten. Sie liefen sich wieder und wieder über den Weg und ziemlich bald wussten beide: Da stimmt was, zwischen uns beiden, das fühlt sich richtig an. Es folgte das klassische Programm: Romantische Abende zu zweit, gemeinsame Studentenpartys und lange Gespräche in diversen Küchen.

Nur, dass Emma damals noch Lukas hieß.

Wenn ein Mensch sein Geschlecht ändert, dann ist das für ihn ein großer Schritt – und auch für die Menschen um ihn herum. Deshalb haben wir mit Maya darüber gesprochen, wie sich der Prozess für sie anfühlt.

Wann wurde dir klar, dass dein Freund vielleicht deine Freundin ist?

Nach einigen Monaten wurden Emmas Zweifel an ihrer Geschlechtsidentität immer mehr zum Thema. Sie hat sich dann häufiger geschminkt. Es war erst Mal komisch, "meinen Freund“ geschminkt zu sehen.

Als wir zum ersten Mal Sex hatten, während sie geschminkt war, war ich völlig verwirrt.

Durch die Schminke habe ich sie als Frau gelesen. Das hat meine Wahrnehmung von ihr so verändert, dass sie mir erstmal ziemlich fremd vorkam. So, als ob wir zum ersten Mal was miteinander hätten. Ich habe dann schnell gemerkt, dass sie trotzdem noch dieselbe Person ist.

Konntest du die Veränderungen direkt akzeptieren?

Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, was das alles bedeuten würde. Aber vor allem ging es viel um Emma. Sie war in der Zeit sehr belastet. Ich habe sie darin unterstützt die Therapie anzufangen, die man, braucht, um später eine Hormonbehandlung machen zu können. Erst später, als wirklich klar war, dass sie ihr Geschlecht anpassen wird, habe ich stark an der Beziehung gezweifelt.

Einige Zahlen und Fakten zu Trans*gender und Transseuxualität gibt es hier:

1/12

Aber du bist mit ihr zusammen geblieben.

Stimmt. Ganz einfach, weil die Beziehung richtig gut lief. Alle meine Ängste bezogen sich nur auf die Zukunft. Irgendwann habe ich verstanden, dass ich mich nicht jetzt sofort entscheiden muss, ob ich den ganzen Weg mitgehen möchte oder nicht.

Wovor hattest du Angst?

Ich hatte Angst vor den ganzen Veränderungen in der Beziehung. Die Hormonbehandlung kann starke Nebenwirkungen haben. Ich wusste überhaupt nicht, was da auf uns zukommt. Und habe mir den ganzen Prozess extrem schwierig vorgestellt. Emma meinte da schon, dass sie glaubt, dass es mehr Entlastung, als Belastung sein werde. Aber auch Angst vor Homophobie und Diskriminierung haben eine Rolle gespielt.

Was hat dir geholfen, deine Ängste zu überwinden?

Gelöst haben sie sich als ich zu einer Beratungsstelle gegangen bin. Dort habe ich gemerkt, dass ich viele Ängste einfach unterdrückt habe. Mir wurde klar, dass sie auch ihren Platz brauchen – dass ich auch zweifeln darf und unsicher sein. Das auszusprechen und mich nicht schuldig dafür zu fühlen, hat mir sehr geholfen.

Aber Emma hat Recht behalten, und der Prozess war dann eher entlastend…

Auf jeden Fall! Es ist enorm, wie viel Belastung von ihr abgefallen ist. Und immer noch von ihr abfällt. Sie ist jetzt seit ungefähr einem halben Jahr in hormoneller Behandlung, hat sich geoutet, ihren Namen geändert, einen neuen Pass beantragt und wartet gerade auf einen Termin für die OP.

Das Outing war ungefähr ein Jahr nachdem ihr zusammengekommen seid.

Genau. Sie hat allen Bescheid gesagt, dass sie jetzt Emma heißt. Sie hat sich neue Klamotten gekauft und ist geschminkt auf die Straße gegangen.

Ich musste mich erstmal daran gewöhnen, einen neuen Namen zu benutzen.

Die Zeit nach dem Outing war insgesamt sehr schön. Zu sehen wie sich Emma immer mehr traut, wie viel Last von ihr abfällt und sie selbstbewusster wird – das hat richtig Spaß gemacht!

Aber Schwierigkeiten gibt es schon auch?

Klar! Anstrengend ist vor allem die ganze Bürokratie. Zum Beispiel muss man für den neuen Personalausweis nachweisen, dass man drei Jahre unter dem Zwang lebt, sein Geschlecht anpassen zu wollen.

Der ganze Prozess zieht sich durch die vielen unsinnigen Bestimmungen sehr in die Länge. Immer wieder Geduld dafür aufzubringen, und dabei mit den Belastungen weiterleben zu müssen, ist für Emma sehr hart. Jedes Mal, wenn sie ein Paket bei der Post abholt, feiern geht oder das Semesterticket in der Bahn kontrolliert wird, ist das sehr unangenehm für sie. Weil da Lukas drin steht und es trotzdem der Ausweis einer Frau ist.

Ihr tretet jetzt auch in der Öffentlichkeit als homosexuelles Paar auf. Was hat sich dadurch verändert?

Homophobie spielt jetzt eine Rolle - das ist neu. Man wird angestarrt, uns wird hinterhergepfiffen und allgemein haben sich die Blicke und Reaktionen veränder – das ist halt ätzend. Besonders schwierig ist, dass in Konflikten Emmas Stimme tief wird. Dann sind wir nicht einfach ein homosexuelles Pärchen, sondern dann wird deutlich, dass Emma trans* ist. Und Gewalt und Ausgrenzung gegen Trans*personen sind weit verbreitet.

Wie haben denn deine Familie und Freunde reagiert?

Viele kannten bisher keine Trans*person, aber es hat trotzdem niemand abweisend reagiert.

Alle waren sehr offen und neugierig.

Das konnte dann fast schon ein bisschen nerven, immer die gleichen Fragen zu beantworten, aber es ist natürlich voll schön, dass so viele Fragen gestellt werden!

Meinst du, du wirst Lukas irgendwie vermissen?

Nö – ich bin ja immer noch mit der gleichen Person zusammen. Traditionelle Geschlechterrollen haben wir in unserer Beziehung noch nie gelebt, da wird sich kaum etwas ändern.

An die körperlichen Veränderungen müssen wir uns natürlich gewöhnen – und im Bett einiges neu ausprobieren.

Hat sich mit Emmas Geschlechtsangleichung auch deine Sexualität verändert?

Verändert hat sie sich dadurch nicht. Ich hatte schon vorher überlegt, ob ich vielleicht bisexuell bin. Im Laufe der Beziehung ist das Thema natürlich nochmal aufgekommen.

Mittlerweile würde ich sagen, dass es mir egal ist, welchem Geschlecht sich jemand zuordnet. Ich habe mich in eine Person verliebt, und auch wenn sich viel verändert hat, liebe ich immer noch denselben Menschen.

Sie ist nur ein bisschen mehr sie selbst geworden.

* Die Namen beider Protagonisten wurden zu ihrem Schutz geändert.


Gerechtigkeit

Das hat Sahra Wagenknecht auf die Fragen der Jodel-Nutzer geantwortet

20.09.2017, 11:19 · Aktualisiert: 21.09.2017, 12:17

Eine Mietpreisbremse "mit Biss", höhere Löhne und höherer Mindestlohn, bezahlt von den Reichen: Sahra Wagenknecht, die Spitzenkandidatin der Linken, hat Fragen der Jodel-Nutzer beantwortet.

Mindestens so interessant wie die Antworten: Die Reihenfolge der Fragen. Denn die Nutzer der App haben über die Wichtigkeit der Fragen abgestimmt.

Hier sind die wichtigsten Fragen und Sahra Wagenknechts Antworten: