Fühlen

Mein peinlichster Dating-Moment? "Ich habe gerade dein Klo verstopft"

15.02.2017, 17:00 · Aktualisiert: 15.02.2017, 18:21

Affären im Urlaub haben etwas Magisches. Wann sonst ist man so ausgelassen und offen für Abenteuer? Auf Reisen will ich neue Orte sehen, neue Eindrücke sammeln, neue Frauen kennenlernen. Entspannen kann man gut zu zweit. Miteinander. Aufeinander. Bei einem Urlaub in Kambodscha erlebte ich allerdings meinen erniedrigendsten Dating-Moment.

Warum ist Daten auf Reisen so schön einfach? Weil alle gut drauf sind. Und gerade beim Backpacken muss man sich schon sehr anstrengen, um nicht ständig neue Leute kennenzulernen. Das ständige Warten auf Busse und Bahnen macht mich locker, das überträgt sich auch aufs Daten. Am spannendsten finde ich, dass man beim Reisen Menschen aus den verschiedensten Ländern kennenlernt.

Im Alltag denkt man schnell:

  • Sie/er ist nett und sexy - aber ist das was für länger?
  • Ist mir der kurze Spaß den Aufwand wert, denjenigen bald vielleicht abwimmeln zu müssen?
  • Ist es nicht komisch, wenn wir uns danach im Büro oder Fitnessstudio ständig wiedersehen?
  • Was denken meine Freunde?

Beim Reisen fällt das alles weg. Keine Verbindlichkeiten. Nach einer Woche geht jeder seiner Wege. Wer kann da schon nein sagen?

Wer ist Hannes Isart?

Sex ist eine ernste Sache. Wegen all der Tabus und Unsicherheiten sind gerade die ersten intimen Momente ein großer Schritt (außer man hat drei Flaschen Wein gemeinsam getrunken). Unser Autor ist Mitte 30, Journalist und Comedian und hat mit der Zeit gelernt, im Bett zu lachen – und so Nähe zu schaffen.

Ich habe Daria in Sihanoukville kennengelernt, einem Strandort in Kambodscha. Benannt nach dem alten König Sihanouk. Ich sah die schöne Russin in einem Café und machte beim Vorbeigehen einen schlechten Witz: "Kannst du die Pizza hier in dem Laden empfehlen? Sonst würde ich ein Schnitzel nehmen." (In diesem asiatischen Laden gab es ganz offensichtlich nur Reisgerichte.)

Meine Gags haben üblicherweise eine Erfolgsquote von unter 20 Prozent, deswegen war ich über ihr Lachen beinahe überrascht. Als sie mir am Ende ihre Nummer gab, wurde mir ganz schwindelig von meinem Erfolg. Bei unserem ersten Treffen zog ich alle Register: Besuch einer Schmetterlingsfarm, Kerzenschein-Dinner, Nachtmarkt. Wir landeten in ihrem Hotelzimmer.

Ich habe gerade dein Klo verstopft.

Am nächsten Morgen hatten wir noch nicht genug voneinander, schöner kann man nicht geweckt werden. Aber ich musste noch schnell etwas erledigen. Ich entschuldigte mich und lief durch das fremde Apartment zum Bad. Die Zimmer waren extrem hellhörig.

Jetzt saß ich im Nebenraum auf der Toilette und merkte: Das wird wohl ein großes Geschäft. Ja, ganz natürlich und wichtig und so erleichternd. Jeder muss mal, Daria auch. Und trotzdem: Gibt es einen größeren Liebestöter?

Ich stellte also den Wasserhahn an und quetschte so leise wie möglich das erste Geschäft heraus. Dann stellte ich den Wasserhahn ab. Aber da war noch mehr. Also Wasserhahn wieder an. Zusätzlich spülte ich. Dann Klopapier, noch mal spülen. Geschafft.

Doch nicht: Die Toilette war verstopft.

Ich verharrte erst mal in einer Art Schockstarre. Was tun? Der Morgensex war jedenfalls gelaufen. Ich entschied mich für die direkte Herangehensweise, trat nackt zu Daria in den Türrahmen und sagte: "Ich habe gerade dein Klo verstopft."

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Sie zog sich an und ging zum Hausmeister, ich machte uns einen Tee. Die beiden kamen wieder. Dann erschien ein zweiter Arbeiter, fünf Minuten später ein Dritter – in der Hand eine neue Kloschüssel. Musste sie etwa komplett ausgewechselt werden?

Die Männer stöhnten und ächzten im Bad, ich spielte Daria meine Spotify-Playlist vor. Über meine Kopfhörer. Schlechter kann ein Kennenlernen wohl kaum laufen. Doch Daria lachte. Sie sagte, dass sie auch schon Probleme mit der Toilette hatte. Das neue Porzellan sei überfällig.

Dieses Abenteuer schweißte uns zusammen. Vielleicht halten gerade deswegen oft Freundschaften aus Schulzeiten so lange: Die vielen gemeinsamen Jahre lassen einen zusammenwachsen. Es kann Freundschaften – und Beziehungen – eben stärken, etwas gemeinsam durchzustehen. Nach unserem Toiletten-Abenteuer verbrachten Daria und ich jedenfalls die nächsten vier Wochen in Sihanoukville zusammen.

Aus diesem Urlaubsflirt entwickelte sich eine anderthalbjährige Fernbeziehung zwischen Moskau und Berlin. Das war oft nicht einfach, es galt so einige kulturelle Unterschiede zu überbrücken. Was mir bald klar werden sollte: Kulturelle Unterschiede gibt es auch beim Sex…

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15.02.2017, 16:00 · Aktualisiert: 16.02.2017, 11:34

Es gibt Leute, die bekommen gern alles fertig serviert. Wenn sie an der Supermarktkasse ihre Waren aufs Band legen, sieht das aus wie ein Stillleben namens "Des Menschen Faul- und Fettheit": Da häufen sich dann Fertigpizza, Fertiglasagne, Noodles zum Aufgießen, Currywurst aus dem Kühlregal, vorgeschälte Bananen (doch, das gibt es!), Tiramisu zum Löffeln, Backmischungen aus Mehl, Zucker und Backpulver, vorgekochte Kartoffeln…

So eine Ernährung ist nicht sonderlich gesund, und sie schmeckt auf Dauer auch nicht. Vor allem aber: Sie beraubt einen des unersetzlichen Vergnügens, sein eigenes Essen zuzubereiten. Bei aller Mühe, die das Kochen macht, kann es nämlich der schönste Teil an einer Mahlzeit sein: das komplizierte Einkaufen, das Ausprobieren von Rezepten, das Scheitern, das nicht mehr Scheitern, das Probieren, Servieren und Jubilieren.