Bild: bento / Nike Laurenz

Fühlen

"Mein Tattoo gibt mir Hoffnung"

12.12.2015, 10:05 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

Jeder zehnte 18- bis 30-Jährige ist tätowiert, zeigt unsere Umfrage.

Ein tiefschwarzes Herz hinter dem Ohrläppchen. Eine rote Rose auf dem Schulterblatt, ein brüllender Löwe auf der Wade. Ein minimalistisches Dreieck im Nacken.

Offenbar wollen nur wenige junge Menschen Tattoos haben: 89 Prozent der 18- bis 30-Jährigen in Deutschland tragen kein Bild auf dem Körper.

Das zeigt die Umfrage, die bento bei der Agentur EARSandEYES in Auftrag gegeben hat, 1000 Menschen zwischen 18 und 30 Jahren nahmen an der Online-Befragung teil.

(Bild: bildbauer.de)

Sechs Prozent der Befragten gaben an, eine einzige Tätowierung am Körper zu tragen. Fünf Prozent sagten, sie hätten mehrere Tattoos.

Und wo?

Von den 114 Befragten, die ein Bild auf der Haut tragen...

  • ...ziert es bei den meisten, nämlich bei 31 Prozent, den Rücken.
  • ...haben 33 Personen das Tattoo auf dem rechten oder linken Oberarm.
  • ...haben 4 Menschen ein Tattoo auf dem Po.
  • ...hat eine einzige Person ein Tattoo im Gesicht.
  • Unbeliebt scheint auch die Intimregion: Nur drei der 114 Tätowierten gaben an, ihr Bild auf der Haut an dieser Stelle zu tragen.

Wir haben mit Menschen über ihre Tattoos gesprochen: Was bedeutet das Bild für dich?

Alina

Alina (Bild: bento / Nike Laurenz)

(Bild: bento / Nike Laurenz)

Alina, 20

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich Depressionen. Ich war 13 oder 14 und weiß bis heute nicht, woher das kam. Meine Eltern waren in dieser Zeit für mich da, haben mir total viel Halt gegeben. Sie haben mir einen Therapieplatz organisiert.

Im Kinderkrankenhaus sollte ich einer Therapeutin dann etwas beantworten. Sie fragte mich: "Wenn du ein Tier wärst, welches wäre das?"

Mir fiel der Löwe ein. Sofort. Ich wäre der Löwe. Er ist ein Rudeltier. Er lebt zusammen mit anderen Löwen.

Seit dieser Zeit in meiner Jugend weiß ich, dass ich auch nicht ohne mein Rudel kann, nicht ohne meine Familie. Ich brauche meine Eltern. Ich sehe das Tattoo auf meinem Oberschenkel jeden Tag. Nicht nur dann, sondern auch in jeder schwierigen Situation im Alltag sage ich mir: Alina, du bist ein Löwe.

Janina

Janina (Bild: bento / Nike Laurenz)

(Bild: bento / Nike Laurenz)

Janina, 21

Ein Baum, eine Pfauenfeder, der Refrain von Alanis Morissettes "Ironic". Dieses Tattoo wird mich immer daran erinnern, wie es war, als meine Mutter vor vier Jahren schwer krank wurde und eine neue Niere brauchte. In dieser Zeit lernte ich, wie ironisch das Leben sein kann. Es ist nicht immer alles toll, sondern es kann auch manchmal ziemlich schwer sein.

"Ironic" war sowieso schon immer mein Lieblingslied, ich höre das in jeder Down-Phase. Der Baum ohne Blätter soll daran erinnern, dass man dem Tod ständig sehr nah kommen kann. Und die Federn stehen für die Glückseligkeit, die es natürlich auch immer mal wieder gibt.

Als meine Mutter krank wurde, war ich gerade 18, hatte meine Ausbildung angefangen. Und ich hatte kaum Zeit, mich um sie zu kümmern. Das alles musste ich ganz schnell verarbeiten. Das Tattoo soll mich immer daran erinnern, wie schnell sich die Dinge ändern können.

Marten

Marten (Bild: bento / Nike Laurenz)

(Bild: bento / Nike Laurenz)

Marten, 21

Es passierte auf Mallorca. Ich war vergangenes Jahr mit ein paar Jungs dort und hatte total Bock auf ein Tattoo. An einer Straßenecke sah ich dann ein kleines Studio, der Tätowierer sah seriös aus. Irgendwie habe ich dann in einer Kurzschlussredaktion entschieden: Ich lass mir Schwalben auf die Brust stechen. Und nein, ich war nicht betrunken. Das war bewusst.

Ich beschäftige mich schon länger mit Tattoos, lese Fachzeitschriften. Die Schwalben strahlen eine Leichtigkeit aus und erinnern mich an einen tollen Urlaub. Und daran, dass es wichtig ist, auch mal Freizeit zu haben. Ich bin Marinesoldat bei der Bundeswehr und habe kaum Zeit für mich. Dass ich mir die manchmal einfach nehmen sollte, merke ich immer wieder aus Neue, wenn ich meine Schwalben sehe.

Nia

Nia (Bild: bento / Nike Laurenz)

(Bild: bento / Nike Laurenz)

Nia, 26

Es gibt einen Film, der mich einfach nicht mehr loslässt: "Die Geisha". Die Frau auf meinem Unterarm ist die Hauptdarstellerin dieses Films. Ich finde sie so schön, sie strahlt Grazie aus. Diese Ruhe, diese Gelassenheit. Und dieses Feminine. Das gefällt mir. Ich habe schon mit zehn Jahren angefangen, Mangas zu lesen und mich sehr für die japanische Kultur interessiert.

Die Geisha soll mich daran erinnern, nicht so schnell in Panik zu geraten. Das passiert mir schon mal. Als ich angefangen habe, im Tattoostudio Hamburg City Ink zu arbeiten, hat mich anfangs oft der Mut verlassen. Ich hatte mir den Umgang mit der Tattoomaschine ganz anders vorgestellt, das kann schon kompliziert sein manchmal. Ich habe die Geisha seit zwei Jahren. Und immer, wenn ich unsicher bin, schaue ich sie an.

Diogo

Diogo (Bild: bento / Franz Krekeler)

(Bild: bento / Franz Krekeler)

Diogo, 22

Mein Tattoo gibt mir Hoffnung. Ich habe es mir in der Zeit vor dem Abi stechen lassen, als ich keinen Plan hatte, was mal aus mir werden soll. Mich hat dieses Wort irgendwie gestärkt: Es hat mir gezeigt, dass ich mir Ziele setzen muss und dass ich dabei nicht verzweifeln darf. Mittlerweile studiere ich Logistik und Mobilität, habe also was für mich gefunden. Ich habe keine persönliche Krise – aber wenn der Alltag mal scheiße läuft, in der Uni oder in der Beziehung nicht alles klar ist: Dann besinne ich mich schon auf die Bedeutung meines Tattoos.

Auf das andere Schulterblatt soll bald noch der Schriftzug "Dream" tätowiert werden. Was ich hoffe, ist sehr nah: das Studium schaffen zum Beispiel. Aber ich habe auch Träume, dass mit meinen Jungs alles so bleibt, wie es ist. Und dass ich immer ein glückliches Leben führe.

Lena

Lena (Bild: bento / Nike Laurenz)

(Bild: bento / Nike Laurenz)

Lena, 26

Ganz ehrlich: Ich finde meine frisch gestochene Seerose einfach nur schön. Es gibt keinen echten Sinn hinter diesem Tattoo. Ich saß neulich vor dem Laptop, habe durch Facebook gescrollt und die Aquarell-Zeichnung zu diesem Tattoo gesehen. Ich wusste nach zwei Minuten: Ich will das.

Ich habe noch mehrere Pflanzen auf dem Körper: Am Fuß trage ich Kirschblüten, auf der Schulter eine Amaryllis. Pflanzen stehen für das Leben, und meine sind besonders: Sie verwelken nicht.

Die bento-Umfrage

An unserer Studie haben 1000 in Deutschland lebende Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren teilgenommen. Die Schwankungsbreite beträgt für die gesamte Stichprobe 1,9 Prozent. Die Online-Befragung wurde von dem Institut für Markt- und Trendforschung EARSandEYES im Auftrag von bento im Mai 2015 durchgeführt.

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