Bild: Lana Petersen

Fühlen

Meine erste Sex-Party: ​Und es hat Boom gemacht

22.07.2016, 17:31 · Aktualisiert: 04.08.2016, 18:15

Ich bin mir noch nicht sicher, wohin dieses Experiment meinen Verlobten und mich führt.

Ich halte mich an meinem dritten Gin Tonic fest. Mein Vorsatz, heute Abend nüchtern zu bleiben, habe ich bereits zehn Minuten nach unserer Ankunft verworfen. Schon leicht beschickert kann ich mich nicht mehr erinnern, wohin die ersten beiden Drinks so schnell gewandert sind, egal. Wir sind schließlich hier, um Spaß zu haben und ich spüre meine Anspannung mit zunehmender Gin-Zahl schwinden.

Mein Verlobter und ich wollen in eine offene Beziehung starten. Gerade feiern wir unsere erste Party mit Gleichgesinnten: Junge Menschen, die mehr als nur Sex mit dem eigenen Partner wollen. Zwar hatte der Titel der Party – "Sex and the City" – verlockend geklungen, bisher erinnert sie mich aber eher wie ein Besuch im Menschen-Zoo: Alle gaffen sich an. Gelegentlich werden Getränke und Snacks gereicht.

Rund fünfzig Leute sind an diesem Abend gekommen, Paare und Singles, alle zwischen Mitte 20 bis Mitte 30. Das Loft hält, was es versprach: große Betten, viele Sitzgelegenheiten, ein riesiges Bad mit Badewanne. Das Badezimmer hat keine Wände, nur bodenlange Fenster, damit jeder vom Wohnzimmer aus sehen konnte, wer sich in der Wanne vergnügte. Gerade eine einzelne Dame mit Schwamm.

Wer ist Anna Klausner?

Es gibt sie wirklich, sie heißt aber anders. Geboren in den Achtzigern, ehemaliges Landei, fühlt sich überall und nirgends zu Hause. Ist notorisch neugierig und meint, man müsse alles einmal probieren, bevor man es doof finden darf. So auch eine offene Beziehung, das Thema ihrer bento-Kolumne.

Um kurz vor Mitternacht verknoten sich bereits die ersten Gäste miteinander. Die Kinder seien bei den Großeltern, hatte eine der Frauen verschwörerisch verkündet. Auf der einen Seite gefällt es mir, diesem Treiben zuzusehen. Auf der anderen Seite bin ich mir noch nicht sicher, ob ich gerne so angestarrt werden will, wie ich es gerade selbst tat. Bei Tageslicht und unter anderem Umständen wäre ich irgendwas zwischen unhöflich bis Psychopath.

Hier auf der Party aber gilt nur die Frage: Zusehen oder zusehen lassen?


Während mein Verlobter Leo sich mit seinem Couchnachbarn über die örtlichen Bundesliga-Vereine unterhält, versuche ich, endlich nette Worte für das Pärchen zu finden, das neben mir sitzt. Vergebens. "Wollen wir uns noch was zu trinken holen?", fragt mich dann zum Glück der einzige Singlemann in unserer Sitzrunde und zeigt auf mein leeres Glas. Wie ist das wieder passiert, denke ich und nicke bloß. Ich habe wirklich zu lang nicht mehr geflirtet.

Eigentlich wollte ich heute eine Frau klarmachen, mal herausfinden, wie viel "bi" in mir steckt. Leider haut mich keine der Anwesenden vom Hocker; der Typ, mit dem ich jetzt zur extra aufgebauten Bar gehe, überraschenderweise schon. Er sah aus wie die kleine Version von "Big Dick Richie" aus dem Stripper-Film "Magic Mike": schwarze Haare, dunkle Augen und mindestens 1,90 Meter groß. Noch bevor es zum nächsten Gin kommt, packt er mich plötzlich und presst mich an die Wand.

Ich bin mir noch nicht sicher, wohin uns dieses Experiment als Paar führt.

BOOM! Da ist es wieder. Das Prickeln des ersten Kusses, diese Aufregung, wenn etwas Neues geschieht. Meine Hände wühlen durch seine Haare, während er das Ende meiner halterlosen Strümpfe erreicht. Ich werfe einen kurzen Blick zu Leo, der mich halb amüsiert, halb überrascht anschaut. Er rührt sich nicht, sondern beobachtet nur lächelnd, wie seine Bald-Frau von einem anderen Mann gevögelt wird. Ich merke, wie sein Blick weiter auf mir ruht, als ich mich wieder meinem Spielgefährten widme.

Als wir miteinander fertig sind, überkommt mich ein Gefühl der Schuld.

Ich tigere zurück zu Leo, krieche auf seinen Schoß und küsse den vertrauten Mund. "Ich will dich jetzt sofort", flüstert Leo mir ins Ohr. "Du bist nicht böse, weil du leer ausgehst?", frage ich. "Quatsch. Das ist doch kein Wettbewerb, wir führen keine Strichliste. Und außerdem darf ich doch die Schönste von allen mit nach Hause nehmen."

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Ich lächle. Ist man bereits einige Jahre zusammen, hat man diesen gemeinsamen Groove, diese Vertrautheit. Die offene Beziehung wirft uns jedoch in unbekannte Sphären, hier müssen wir erst wieder unseren gemeinsamen Rhythmus finden. Ich bin mir noch nicht sicher, wohin uns dieses Experiment als Paar führt, als wir uns von der Party verabschieden.

Das Bedürfnis, den anderen zu spüren, und zwar nur ihn, treibt unserer beider Schritt an. Statt uns über den Abend auszutauschen, knutschen wir in der S-Bahn wie Frischverliebte und schaffen es gerade noch durch die Wohnungstür, bevor wir übereinander herfallen.

Welcher Song zu deinem Sexleben passt, verrät dir unser Quiz:

Lass uns Freunde werden!

Retro

Kinderfilme, die uns früher das Fürchten gelehrt haben

22.07.2016, 17:29

Es muss gar nicht immer so eine höllische Verwechslung wie im ZDF-Morgenprogramm sein, das neulich "Coco, der lustige Affe" mit "Halloween" vertauschte. Denn auch ganz normale Kinderfilme können ganz schön gruselig sein. Jeder von uns hat die Erinnerung an mindestens ein traumatisches Kindheitserlebnis, bei dem man im Dunkeln den falschen Film schaute, sich unter der Decke versteckte und bei jedem Knarren panisch zusammenzuckte.

Die bento-Redaktion hat ihre "Kinder-Horror-Filme" gesammelt: