Fühlen

Das kennt jeder, der die Allerheiligenkirmes in Soest liebt

09.11.2017, 14:53 · Aktualisiert: 09.11.2017, 14:54

Der Duft nach Lakritz und Zuckerwatte. Die erste Kälte, die in die optimistische Übergangsjacke kriecht, irgendwo dröhnt eine Sirene, Menschen drängeln, schubsen sich beiseite, bleiben im Weg stehen. All das ist Kirmes.

Wenn in Soest Allerheiligenkirmes ist, ist Herbst, November. Und November bedeutet bei mir auch Geburtstag. Dass der mit der Kirmes zusammenfällt, ist jedes Mal das Highlight meines Jahres.

Ich komme aus der Region, meine Freunde kommen für diesen Termin nach Hause – fast immer kommen noch mehr Leute in die Heimat als an Weihnachten.

Auf der Kirmes feier ich rein und raus, meistens darf ich sogar umsonst Karussell fahren, zumindest die zweite und dritte Runde. Um mich herum leuchten die Lichter, Menschen lachen, kreischen, sind glücklich.

Es ist ein Wochenende, das aus Dingen besteht, die nur Menschen verstehen, die die Allerheiligenkirmes genauso lieben wie ich.

Das Bullenauge

Es hat nichts mit einer Kuh zu tun. Es ist ein Kaffeeschnaps, DER Kirmesschnaps in Soest. Ins typische, wie ein Mini-Martiniglas aussehende, gefüllte Pinneken, kommt am Ende noch ein Tropfen Sahne rein. Wenn der sich entfaltet, sieht das zwar aus wie Gehirn, schmeckt aber großartig. Bullenaugen gibt es an fast jedem Stand – und an fast jedem wird getrunken!

Die Kajüte

Piraten auf einer Kirmes? Nein, die Kajüte ist nicht auf einem Schiff, niemand entert, aber manche kentern. Die Kajüte ist ein riesiges Partyzelt, berühmt für seine Cocktails.

Die, die besonders viele getrunken haben, erkennt man am roten Kajüte-Strohhut. Aus den Boxen singen die Spice Girls, Helene und Ed Sheeran. Muss eigentlich nicht sein, aber irgendwie doch mindestens einmal pro Kirmes – jedenfalls, wenn dich der Türsteher noch rein lässt.

Überfüllte Sonderbusse

(Bild: bento / Lena Seiferlin)

Soest ist umgeben von Land. Feld, Wald, Wiese, Dörfer. Und aus denen strömen die Menschen zur Allerheiligenkirmes, fünf Tage lang, von morgens bis mitten in der Nacht.

Da reichen die paar Linienbusse, die es an normalen Tagen gibt, nicht aus. Es fahren Sonderbusse im Halbe-Stunde-Takt – nur leider sind auch die hoffnungslos überfüllt. Dafür kennt auf einmal jeder jeden.

Doch das Schlimmste ist, wenn man mal muss. Im Bus fließt Sambuca, irgendwann musst du aufs Klo. Meistens mitten auf der Strecke. Dann kannst du Pech haben und bist im letzten von drei Sonderbussen.

Oder Glück: Ich war vor ein paar Jahren in dem ersten von dreien, und als er kurz anhielt, stürmte ich irgendwo zwischen Bergede und Müllingsen in die Felder. Als ich fertig war, sprang ich in den letzten Sonderbus, der gerade vorbeifuhr und Halt machte.

Alles knallt – auf diesen Bildern von der Allerheiligenkirmes in Soest:

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Das Buskarussell im Kreisverkehr

Es ist wirklich so passiert – und mittlerweile kennt die legendäre Geschichte jeder: In einem der überfüllten Busse saß mal ein Journalist von "1Live".

Der Moderator wollte eine Live-Übertragung machen: "Mit dem Linienbus besoffen nach Hause". Weil der Busfahrer besonders viel Spaß an seinen volltrunkenen Gästen hatte, fuhr er im neuen Kreisverkehr am "City Center" Runde um Runde. Es ging immer wieder rum, minutenlang! Mit einem Ziehharmonikabus! Und alle hörten's im Radio – oder waren live im Bus dabei.

Der Pferdemarkt

(Bild: bento / Lena Seiferlin)

Am Kirmesdonnerstag ist Pferdemarkt. Früher gab's hier Pferde, jetzt nur noch Bier. Gut, ein einziges Pferd steht hier noch, man kann sein Gewicht schätzen und was gewinnen. Geld wahrscheinlich – fürs nächste Bier.

Beim Pferdemarkt frühstückst du morgens Sekt mit deinen Freunden, dann setzt ihr euch in einen überfüllten Sonderbus (siehe oben), trinkt weiter, steigt in Soest aus, trinkt weiter, trefft Freunde, trinkt weiter.

Einige halten selbst an diesem Tag bis tief in die Nacht durch. Gängiges Gespräch: "Wann kommt der letzte Bus?" – "Um 3 Uhr." – "Scheiße. Is' fünf vor 3 Uhr!!!"

Die weiche Welle

Auf und nieder, immer wieder. Jeder, der die Soester Allerheiligenkirmes kennt, kennt auch das "Big Monster". Eine Krake mit heiß umkämpften Kabinen an den Enden ihrer Krakenarme.

Eigentlich kein wildes Karussell, aber Kult. Es geht – in den allseits bekannten "weichen Wellen" – immer wieder auf und nieder. Deswegen sagt der Karussell-Ansager auch nichts anderes. Nur: "Weiche Wellen!"

Astérix-Aufkleber

Die gibt’s auch beim "Big Monster". Weshalb da ein Astérix drauf ist? Keine Ahnung. Sicher ist: Wer 16 und cool ist, klebt sich mit den Stickern voll. Bei einigen Besuchern ist nur noch das Gesicht frei. Man weiß dann aber auch sofort: Die sollten kein Bier mehr bekommen.

Ponyreiten am Teich

War, ist, bleibt: furchtbar. Soest ist vermutlich eine der letzten Städte, die das noch erlauben. Jedes Jahr gibt's darum mindestens einmal Tumult – und manch einer trägt einen Platzverweis davon.

Wer mal einen Blick auf die Füße der Kinder wirft, die den Ponys in die Flanken schlagen, wer sieht, wie sie am Zügel reißen, dem wird ganz anders.

Die Pferde leben hier in engen Boxen, sind darauf trainiert, gemächlich im Kreis zu trotten. Nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Mal keilt das vordere aus, mal beißt das hintere.

Wer sich Hals und Hinterteil anschaut, kann Wunden erkennen. Ein Mann in der Mitte knallt mit der Peitsche, Umstehende grölen, in der Nähe heulen Sirenen. Die Tiere stehen unter permanentem Stress. Sie tragen harte Gebisse, ihre Mäuler schäumen. Und ich frage mich: Wann endlich endet für diese Pferde das Leid?

Mittelaltermarkt

Apropos Mittelalter: Wer abschalten will vom Karussell-Lärm und "Gewinne, Gewinne, Gewinne!", der geht auf den Mittelaltermarkt. Gleich am Eingang duftet es nach gegrilltem Speck. Auf der Bühne dudelt entweder ein Dudelsackspieler oder jemand tanzt mit Feuer. Wer sich traut, schießt mit einem Bogen oder wirft Eier kaputt. Nicht besonders ökologisch, aber Mittelalter.

Amelunxen

Spricht man, wie man's schreibt. Der Amelunxen ist besser bekannt als "Honigmann". Er steht jedes Jahr an derselben Stelle, verkauft Honig, scherzt dabei herum und singt "Drei weiße Tauben". Seine Fanbase trinkt mehr Honigschnaps als Honig zu kaufen, aber das ist egal.

Die Ampel

(Bild: bento / Lena Seiferlin)

Die Ampel besteht aus drei Fruchtschnäpsen, kostet ein halbes Vermögen, ist aber das köstlichste, was du in Soest zu dieser Zeit trinken kannst. Rot ist der Panica-Schnaps, ein Soester Eigengewächs, gelb heißt Capri, grün Jungle.


Today

Polizei-Praktikantin verschickt Dienstgeheimnisse per WhatsApp

09.11.2017, 14:32 · Aktualisiert: 09.11.2017, 14:32

Es gibt schon wieder Probleme bei der Berliner Polizei.

Eine 20-jährige Studentin bewirbt sich bei der Berliner Polizei um ein Praktikum. Sie bekommt es und sucht heimlich interne Unterlagen heraus. Dann fotografiert sie diese – und verschickt alles in einer WhatsApp-Gruppe. 

Das ist so wirklich passiert, wie die Berliner Polizei nun bekannt gab (SPIEGEL ONLINE). Bei den Fotos handelt es sich demnach um Fahndungsfotos, die im Intranet veröffentlicht waren, sowie um einen bundesweiten polizeiinternen Warnhinweis.

Es soll sich um Fahndungsfotos zu einer arabischen Großfamilie handeln. Das Besondere: Die Studentin hat selbst einen arabischen Hintergrund.