Bild: Lana Petersen

Fühlen

Missionar, 69, Doggy: Lasst uns über Sexstellungen reden

29.11.2015, 17:55 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:23

Samstag plädierte unsere Sexkolumnistin Nea Nyström dafür, dass wir alle mehr über Sex reden. Diesen Rat nehmen wir ernst: Hier verraten wir, was wir von verschiedenen Sexstellungen halten. Tatsächlich bleibt am Ende nur die Frage: Warum gibt es manche Positionen überhaupt?

(Sex ist für jeden anders. So auch Sexstellungen. Hier schildern wir unsere persönliche Wahrnehmung der Sexpositionen – diese können von anderen Menschen natürlich auch ganz anders empfunden werden.)

Am Ende des Textes findest du eine Abstimmung: Welche Sexposition findet ihr am Besten?

(Bild: Lana Petersen)

Missionar

Sie sagt: So sehr diese Stellung als “langweilig” verschrieen ist: Ich finde sie gerade für den Anfang sehr angenehm. Weil das Eindringen leicht geht, weil man sich in die Augen blicken kann, weil man erst mal einen gemeinsamen Rhythmus finden kann.

Er sagt: Dem Missionar hängt der Ruf der einfallslosen Wenns-denn-sein-muss-Vögelei an. Völlig unfair. Man muss sich nicht verrenken, man kann sich eng umschlungen in die Augen schauen und küssen: Die Missionarsstellung hat unbestreitbare Vorteile. Sie ist bestimmt nicht die ausgefallenste Wahl, aber auch mehr als ein solider Standard.

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Spoon

Sie sagt: Wenn der Penis des Partners wirklich lang ist, kann das gut sein. Aber da reden wir schon von deutlich überdurchschnittlich. Ansonsten kommt meist wenig Gefühl bei mir an. Um das zu vermeiden, muss eigentlich das obenliegende Bein der Frau in der Luft gehalten werden – wobei wir uns über Unterstützung freuen.

Er sagt: Guter Winkel, gleichzeitig inniger als Doggystyle. Auf Dauer aber etwas ermüdend für den Mann, weil die Schwerkraft nicht mithilft.

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Doggy

Sie sagt: Toll ist, dass in dieser Position beide Partner mitsteuern können. Dadurch habe ich immer das Gefühl, dass mein Bettgefährte und ich einen gemeinsamen Rhythmus finden – was ein wundervolles Gefühl ist. Minuspunkt ist natürlich, dass sich die Frau umdrehen muss, wenn sie den Partner mal sehen möchte.

Er sagt: Der Name lässt Bilder von hemmunglos räudigem Geficke entstehen. Was nicht völlig falsch ist. Als Mann liebe ich an Doggy die Bewegungsfreiheit. Wenn man es auch wegen des mangelnden Augen- und Körperkontakts liebt, sollte man sich Gedanken über seine Beziehung zu dieser Person machen.

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Cowgirl

Sie sagt: Großartig. Unbedingt machen. Gern jedes Mal. Nicht die ganze Zeit, klar – es wäre für euch Männer ja auch sehr anstrengend, wenn ihr immer oben sein müsstet. Aber das macht einfach Spaß.

Er sagt: Mal abgesehen davon, dass es schön ist, dazuliegen und zu genießen – man kann den Körper seiner Freundin selten so schön betrachten.

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Rodeo

Sie sagt: Klingt so ähnlich wie andersrum, oder? Ist aber nicht so. Erstens guckt die Frau dann ständig auf die Füße des Partners – und da steht die Mehrheit, inklusive mir, ja eher nicht drauf. Und zweitens wird der G-Punkt überhaupt nicht penetriert, weil der ja vorne sitzt, und der Penis in dieser Position nicht in die richtige Richtung stößt.

Er sagt: Macht vom Gefühl für die Frau wohl mehr Unterschied als für mich.

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Im Stehen

Sie sagt: Die Idee klingt gut, die Praxis ist meistens einfach nur enttäuschend: Er rutscht ständig raus, und sie fühlt sich unsexy.

Er sagt: Objektiv betrachtet: Wenig gemütlich, schlechter Winkel und bei unterschiedlich großen Partnern nur mit nicht einstudierter Hebefigur möglich. Tatsächlich ist Stehsex trotzdem toll, wegen der Umstände. Wenn man nicht mal die Zeit hat, sich einen Ort zum Liegen zu suchen, muss es ja eigentlich geil werden.

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Die Wiener Auster

Sie sagt: Sehr sehr gute Stellung. Wirklich. Der G-Punkt wird sehr intensiv penetriert, und die Partner sind sich sehr nah. Das fühlt sich doppelt gut an. Besonders gut wird es dann, wenn sich die Frau hinter ihrem Kopf an etwas festhalten kann (zum Beispiel dem Kopfteil des Bettes) und dadurch “gegen stoßen” kann.

Er sagt: Seit ich mit zwölf „American Beauty“ gesehen habe, hatte diese Stellung in meinem Kopf immer etwas Verruchtes, Verbotenes für mich. Hat seitdem nichts von dem Charme verloren.

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Lotus

Sie sagt: Irgendwie ist dieses Hochgehüpfe schon immer ein bisschen merkwürdig, und der Penis rutscht oft raus. Schön hingegen ist, dass der Busen in dieser Position Beachtung bekommt. (Hinweis: Liebe Männer, hört auf, beim Sex in die Brustwarzen zu beißen, das fühlt sich nicht gut an. Auch kein Knabbern. Außer eure Partnerin bittet darum.)

Er sagt: Die Opel-Corsa-Stellung. Rein physikalisch eine Herausforderung, seine Erektion aufrechtzuerhalten und wegen des Platzmangels keine Krämpfe in diversen Gliedmaßen zu bekommen. Nüchtern betrachtet spricht nicht so viel für Sex im Sitzen. Nüchtern betrachtet.

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Speedbump

Sie sagt: Kann richtig schön sein zwischendurch – gerade weil sehr viel Körperkontakt bei dieser Stellung entsteht, und der Mann sehr tief eindringen kann.

Er sagt: Noch eine hübsche Alternative zu Doggy. Mehr Nähe, mehr Berührung.

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69

Sie sagt: Von Oralsex halte ich sehr viel, 69 hingegen fand ich schon immer eher unangenehm. Wenn es richtig gut für mich ist, werde ich – als logische Folge von Erregung – unkonzentriert, und dadurch wird es für ihn schlechter. Und andersherum.

Er sagt: 69 ist wohl aus der irrigen Annahme entstanden, dass der Partner jede sexuelle Gefälligkeit zurückgeben muss – am besten im gleichen Moment. Werden Cunnilingus und Blowjob denn besser, wenn der andere gerade total abgelenkt ist? Ich finde, das macht man besser nacheinander.

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Gemeinsame Masturbation

Sie sagt: Ich brauche am Anfang immer ein bisschen, bis ich mich an einen neuen Partner gewöhnt habe und aufhöre zu fremdeln. Aber dann kann miteinander masturbieren wirklich toll sein. Schön ist auch, wenn man sich gegenseitig beim Masturbieren unterstützt. Er leckt ihre Brust oder sie seinen Hoden.

Er sagt: Hm. Es gibt Momente, da geht nicht viel mehr - Kondom vergessen, keine Lust auf Blowjob. Sonst eher Kategorie „Verpasste Gelegenheiten“.

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Sex in der Badewanne

Sie sagt: In der Theorie total toll – in der Praxis absoluter Mist. Das Wasser stört, weil es sich so träge bewegt, dadurch ist alles total langsam. Ist das Wasser warm, spürt man die Berührungen viel weniger – ist es kalt, ist es halt kalt. Alles in allem ein Totalreinfall.

Er sagt: Zusammen baden kann romantisch sein. Bleibt man für den Sex danach in der Wanne, bleiben von einem bis dahin schönen Abend nur blaue Flecken, Wasserflecken und Erinnerungen, die man lieber nicht hätte.

Seht ihr das auch so? Oder ganz anders? Lasst uns im Voting wissen, was ihr von den Positionen haltet.

Zum Thema Kommunikation im Bett


Liebe Männer, bitte sagt etwas.

Ihr seid teilweise so still beim Sex, dass ich überhaupt keinen Schimmer habe, ob euch das gefällt, was gerade passiert. Natürlich sollt ihr mir keinen Roman an die Backe erzählen, aber ein “Oh ja” hat noch niemanden gestört. Wenn ihr den Mund währenddessen nicht aufkriegt, aus Gewohnheit oder Verlegenheit oder warum auch immer, dann sagt es mir danach – dann wird es nächstes Mal noch besser.

Stellungswechsel sollten im Übrigen auch kommuniziert werden. Dabei ist natürlich immer die Frage, wer der “dominante” Part im Bett ist. Wenn es der Mann ist, muss er eben auch die Führung übernehmen und klar machen, was als nächstes passiert. Das geht mündlich oder durch körperliche Signale. Und keine bange: Wenn mir dein Plan nicht passt, werde ich es schon zeigen.


Liebe Frauen, sprecht mit uns!

Sagt uns, was gut war und was scheiße. Zwingt uns nicht zu der idiotischen Frage „Ist irgendwas?“, nur um zu erfahren, warum ihr euch wortlos umdreht und das Licht ausmacht.

Ich war in meinem Sexleben mit selbstbewussten Frauen gesegnet, die mir non-verbal, verbal und auch mal überdeutlich klargemacht haben, was ihnen gefällt und was nicht. Als ich versuchte, meine erste Freundin zu befriedigen, nahm sie mich schließlich so eng an die Hand, dass eine Art Fremdmasturbation daraus wurde. Ich lag daneben und staunte. Und lernte.

Ich weiß, wir reden auch viel zu selten über unsere Wünsche, aber so kommen wir ja auch nicht weiter. Zu akzeptieren, dass ein Partner dauerhaft mehr Spaß am Sex hat, begünstigt ja nicht nur die rape culture. Sie macht unser aller Sex schlechter.