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Fühlen

Wie es ist, zwei Jahre keinen Sex zu haben

30.12.2015, 14:47 · Aktualisiert: 05.10.2016, 16:01

Vor Kurzem sagte ein Freund zu mir, er habe das Gefühl, dass Männer immer geiler werden, je länger sie keinen Sex haben. Bei Frauen hingegen, scheine die Lust nachzulassen, bis sie irgendwann ganz erloschen sei.

Ich dachte sofort: Das kann doch bei Frauen nicht anders sein als bei Männern. Ich zumindest hatte in meiner Zeit als Single mal zwei Jahre keinen Sex, am Ende hatte ich es krass nötig.

Was ich mir jedoch erst Tage nach dem Gespräch eingestand: Das Verlangen nach Sex war damals gar nicht wirklich aus meiner unteren Körperhälfte gekommen. Ich hatte irgendwann einfach beschlossen, dass ich wieder Sex haben sollte.

Dabei waren die zwei Jahre wirklich nicht so furchtbar, wie es sich anhört. Mir ging es gut. Ich war nur für mich und mein eigenes Wohl verantwortlich und tatsächlich ziemlich ausgeglichen. Und irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich kaum noch einen Gedanken an Sex verschwendete und nur noch selten masturbierte.

Ich kam an einen Punkt, an dem ich kaum noch an Sex dachte.

Als ich das erste Mal wieder mit einem Mann schlief, machte ich es nicht, weil ich besonders große Lust darauf hatte. Ich fühlte kein Verlangen nach Sex, sah deswegen auch keinen Sinn darin, auf andere sexy oder anziehend zu wirken. Statt zu flirten, spaßte ich mit Typen herum. Statt auf Konzerten Blicke zu tauschen, sang ich lieber lauthals mit.

Für Männer machte mich das wohl eher zum Kumpel, aber nicht zur Angebeteten. Ich musste mich aktiv zum Sex “zwingen”, um meinen Sexualität wieder zu finden und damit auch, so glaubte ich, meine Chancen bei den Männern zu erhöhen. Denn ich dachte, wenn ich wieder Sex hätte, würde ich vielleicht merken, dass er fehlt. Dann würde ich automatisch wieder mehr wie jemand wirken, der Lust hat und sexy ist. Würde ich so vielleicht auch schneller wieder einen Freund finden?

Nach außen hin jammerte ich in dieser Zeit viel: Obwohl ich keinen Sex gebraucht hätte, erzählte ich Leuten, dass ich ihn vermisse. Dass ich knutschen will. In Wirklichkeit habe ich aber nicht Sex vermisst, sondern Zuneigung, Liebe. Es fiel mir schwer, das zuzugeben.

Wenn ich sage, dass ich Sex brauche, dann klingt meine eigene Welt der Lust intakt, dachte ich. Es kam mir so vor, als würde es den gesellschaftlichen Erwartungen widersprechen, wenn ich zugebe, dass ich ohne Sex total gut kann. Heute empfinde ich das als wenig emanzipiert.

Für Männer machte mich das zum Kumpel, aber nicht zur Angebeteten.

Mein Körper hätte wahrscheinlich noch länger ohne Sex ausgehalten. Doch als ich wieder damit anfing, merkte ich, dass auch die Lust zurückkam. Ich würde das so ein bisschen wie Chipsessen beschreiben: Wenn keine da sind, vermisse ich sie nicht, aber wenn eine Schale auf dem Tisch steht, möchte ich gern immer wieder hinein fassen.

Heute würde ich sagen: Ich habe vielleicht nicht aus den richtigen Gründen wieder angefangen, trotzdem war es gut, wieder Sex zu haben. Denn auch wenn das Leben ohne Sex okay ist: Mit ist es doch irgendwie spannender.

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