Bild: Lana Petersen

Fühlen

Wie es war, mit einem Vibrator zu schlafen

28.10.2015, 13:07 · Aktualisiert: 05.10.2016, 15:57

Nea will sich selbst zum Orgasmus bringen und kauft sich dafür einen elektronischen Helfer. Um zu kommen, hat sie etwa 50 Versuche.
Manchmal ärgere ich mich darüber, eine Frau zu sein. Nicht, weil ich das Gefühl habe, von der Gesellschaft benachteiligt zu werden, sondern von der Natur. Die wenigsten Männer werden sich schon einmal gefragt haben, wie sie zum Orgasmus kommen können. Ich dagegen beschäftige mich schon seit Wochen intensiv damit, ob und wie ich einen vaginalen Orgasmus* haben kann.

*Vaginaler Orgasmus, der: Orgasmus, der allein durch Penetration erreicht wird - ohne die Klitoris zu stimulieren.

Nur etwa vier Prozent der Frauen sind laut Sexualforscher Edward Laumann schon mal in den Genuss eines rein vaginalen Orgasmus gekommen. Ich gehöre nicht dazu – die meisten meiner Freundinnen auch nicht. Und ich finde, dass ich noch zu jung bin, um mich damit abzufinden, nur einen Orgasmus zu haben, wenn ich brav die Perle rubbele.

Ich möchte Herrn Laumann nicht glauben und halte mich deshalb lieber an die vielen Orgasmusanleitungen im Internet. Die meisten davon identifizieren den G-Punkt als Schlüssel zum Erfolg, deswegen bestelle ich mir einen viel zu teuren G-Punkt-Vibrator und hoffe, dass der mein Problem lösen wird.

Nicht lange fackeln, Schalter umlegen.

Nicht lange fackeln, Schalter umlegen. (Bild: Flickr.com / James Cridland (cc-by))

Während ich auf das Paket warte, belese ich mich für meinen ersten Anlauf zum vaginalen Orgasmus. Ich lerne:

  • Meine Vagina steht nicht auf Reibung, sondern auf Vibration, Druck und Dehnung.
  • Der G-Punkt ist eine Zone an meiner vorderen Scheideninnenwand. Er ist ähnlich beschaffen wie mein Gaumen. Wenn ich ihn gefunden habe, fühlt es sich wahrscheinlich zuerst so an, als müsste ich pinkeln. Das liegt daran, dass die Nervenenden dort erst noch trainiert und quasi neu programmiert werden müssen.
  • Das lustvolle Erleben vaginaler Stimulation muss also gelernt werden. Es müssen neue Verbindungen im Kopf geschaffen werden.
  • Das braucht ungefähr 2000 bis 10.000 Berührungswiederholungen und, wenn man von bis zu 400 Berührungen pro Versuch ausgeht, etwa 50 Versuche.
Der Postbote war da!

Der Postbote war da!

Als Gigi – ja, mein Vibrator heißt Gigi und ich habe beschlossen, er ist eine sie – endlich ankommt, wagen wir am Abend direkt den ersten Probelauf.

Es hat natürlich nicht geklappt.

Erstes Problem ist, dass Gigi so seltsam geformt ist, und ich so unentspannt bin, dass das Ding anfangs gar nicht so richtig passen will. Dabei habe ich bis dahin alles nach Anleitung gemacht: Erst wie immer masturbiert und dann schön viel Gleitgel verteilt und sexy Gedanken gemacht.

Irgendwann bekomme ich Gigi dann doch in mich rein und kann endlich testen, wie sie sich so anfühlt. Ich rühre ein bisschen in mir herum und stelle fest, dass es zwar nicht unangenehm ist - leider aber auch nicht geil.

Ich finde meinen G-Punkt. Doch die Euphorie über die Entdeckung hält nicht lange vor, denn auch nach 15 Minuten drücken, vibrieren, massieren und dehnen passiert nicht mehr als Harndrang. Ich ziehe Gigi wieder heraus und gehe aufs Klo.

Das kann ja wohl nicht so schwer sein.

Das kann ja wohl nicht so schwer sein. (Bild: Flickr.com / Brandon Baunach (cc-by))

Da sitze ich nun und bin enttäuscht. Es hätte doch wenigstens ein bisschen erregend sein können.

Aber ich gebe nicht auf. Ich habe schließlich noch 49 Versuche vor mir.

Nea erzählt jede Woche auf bento von den großen und kleinen Eskapaden ihres Sexlebens. Und von ihrem Verhältnis zu sich selbst - das sich nach jeder Geschichte ein bisschen verändert.

Zur Info: Ursprünglich stand in dem Text, dass 1000 bis 2000 Berührungswiederholungen nötig sind, um vaginales Lustempfinden zu lernen. Es braucht allerdings 2000 bis 10.000 Wiederholungen. Wir haben das korrigiert.

Zur Info #2: "Bis zu 400 Berührungswiederholungen" meint, dass pro individuellem Versuch auch weniger Wiederholungen stattfinden können. Das bedeutet, dass auch weniger oder mehr Versuche zum Orgasmus führen können – es müssen nicht zwingend 50 sein. Wenn man 10.000 durch 400 teilt, kommt man zwar nur auf 25 Versuche, aber nicht bei jedem Versuch gibt es unbedingt 400 Berührungen.