Fühlen

Warum auch dicke Menschen guten Sex haben

13.04.2016, 17:42 · Aktualisiert: 05.10.2016, 15:57

Zwischen dicken Oberschenkeln könnte ich Ewigkeiten verbringen.

Ich habe in meinem Leben viele Veränderungen durchgemacht, ich war Emo, Hippie, heute bin ich queer. Nur eins blieb immer gleich: Ich war und bin dick. Ich wiege knapp 90 Kilo und bin 1,60 Meter groß. Früher wollte ich das nicht akzeptieren. Ich machte viele Diäten und hatte über mehrere Jahre eine Essstörung. In der Schule zog ich mich für den Sportunterricht selten bei den anderen Mädchen um, sondern verzog mich aufs Klo.

Dort konnte niemand mein Fleisch und die hässlichen von meiner Mutter gekauften Unterhosen sehen. Die Schlüppis transportierten ziemlich akkurat das Bild, das meine Mutter damals von mir hatte: In ihren Augen war ich ein dickes Kind, das bloß nicht schön aussehen sollte.

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Vor allem deswegen fühlte ich mich lange unattraktiv und kam mir unbeholfen vor. Ich fand mich so unsexy, dass ich nicht einmal masturbierte.

Mir fiel es schwer, mir Sex mit Menschen vorzustellen, weil mein erster Gedanke meine vermeintlich überschüssigen Kilos waren. Würde eine andere Person meinen Speck anfassen wollen? Was würde sie dabei empfinden? Ekel?

Über unsere Sex-Kolumnistin Gul

Gul ist Mittzwanzigerin, Großstädterin und gender/queer. Das heißt: Gul steht auf Frauen, Lesben, Femmes, Bois, Butches, Femmebois, Agenders und andere Personen, die spielerisch mit ihrem Gender umgehen.

Und kann ich mich überhaupt entspannen, wenn mich jemand die ganze Zeit mustert?

Mittlerweile fühle ich mich etwas wohler mit meiner Figur. Vorbei ist die Kindheit in der Kleinstadt, in der mich alle auf mein Gewicht reduzierten.

Nehme ich heute zu, fühle ich mich nicht mehr gestresst. Nehme ich ab, fühle ich mich auch nicht mehr erleichtert. Ich gehe bei all meinen Einkaufs- und Lifestyle-Entscheidungen nicht immer danach, ob ich nicht doch irgendwann schlank werde. Außerdem umgeben mich die fiesen Mädels aus meiner Schulzeit nicht mehr – sondern ich selbst suche mir aus, mit wem ich abhänge. Ich habe gelernt, mich selbst mehr zu lieben.

Nehme ich heute zu, fühle ich mich nicht mehr gestresst.

Besonders in Unterwäsche: Mal trage ich Boybriefs, bunt, eng und unisex, mal seidige High-Waisted-Unterhosen. Dazu schwarze Spitzen-BHs.

Und trotzdem: Manchmal werde ich noch immer anders behandelt als andere Personen. Wenn sich auf Partys alle aufeinander stürzen, nur nicht auf mich, spüre ich mein Dicksein. Wenn in queeren Fotografien mit Porno-Ästhetik ausschließlich schlanke Personen zu sehen sind. Wenn ich mit irgendwelchen Promis verglichen werde, die dick sind.

Obwohl ich meinen Körper nach der Pubertät mehr und mehr akzeptierte, entwickelte ich ein ungesundes Verhältnis zu meiner Sexualität: Seitdem ich mit Leuten schlief, und es waren meistens schlanke Leute, dachte ich, ich müsste mit jeder Person, die an mir Interesse bekundet, auch etwas anfangen.

Denn wer weiß, fragte ich mich, wann es das nächste Mal vorkommt, dass jemand mit mir knutschen oder sogar Sex haben will?

Wenn die Person nicht völlig abstoßend war, nutzte ich jede Gelegenheit zum Sex, die ich bekommen konnte. Hohe Ansprüche wollte ich mir nicht leisten, so waren meine Freundinnen und Affären nicht selten Leute, die mich nicht respektvoll behandelten.

Hohe Ansprüche wollte ich mir nicht leisten.

Ich hörte zunächst selten auf meine eigenen Grenzen. Sachen, die ich eigentlich dickenfeindlich fand, ließ ich durchgehen: Sei es das ach so lustige Kneifen an meinem Bauch, das Beißen in meine dicken Oberarme oder Bewertungen meines Körpers, die mir kein gutes Gefühl gaben. Manchmal sprach ich diese Übergriffigkeit an, oft aber auch nicht.

Ich lerne nur sehr langsam, mich nicht nur selbst zu lieben, sondern auch beim Sex mit Schlanken selbstbewusster zu sein.

Und: Ich stelle immer wieder fest, wie gut es tut, auch mal mit dicken Personen zu schlafen. Ich spüre dann eine besondere Verbundenheit: mehr Respekt füreinander, mehr Vorsicht.

Dass meine Vulva dicker ist, ist nichts Ungewöhnliches für andere Dicke. Auch für hängende Brüste muss weder mein Gegenüber, noch ich mich schämen. Und zwischen dicken Oberschenkeln könnte ich Ewigkeiten verbringen – so schön finde ich sie.

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Haha

Egal, wie blöd du dich bei der Arbeit anstellst, es gibt immer ein paar Blödere

13.04.2016, 17:41 · Aktualisiert: 13.04.2016, 18:14

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Einfach grossartig schrecklich!