Fühlen

Warum mich Sex mit meiner guten Freundin glücklich macht

13.11.2017, 17:26 · Aktualisiert: 13.11.2017, 18:12

Hazel kenne ich schon viele Jahre. Zu Schulzeiten waren wir Nachbarn, trotzdem hatten wir nie viel Kontakt. Sie hatte eisblaue Augen, eine Stimme wie geschmolzene Schokolade und in ihren engen Jeans und schwarzen Stiefeln sah sie ziemlich heiß aus. Wäre mein Leben ein amerikanischer Teeniefilm, hätte ich mich wahrscheinlich längst in das Mädchen von nebenan verliebt. So aber kannten wir uns flüchtig, mehr aber auch nicht.

Jahre später sahen wir uns wieder, zufällig, auf einer Hausparty, bei der die Leute Beerpong spielten und massenweise Alkohol aus großen roten Bechern kippten. Alle waren ziemlich betrunken, auch Hazel, die plötzlich die Idee hatte, mich mit ihrer besten Freundin zu verkuppeln.

Es wurde nichts Ernstes daraus. Zumindest nicht mit dieser Freundin.

Ich hatte schon immer ein bisschen auf Hazel gestanden, aber weil wir uns so lange kannten, befanden wir uns im Friendzone-Modus. Einige Monate vergingen, wir trafen uns wieder auf einer Party.

Das Verkuppeln hatte nicht geklappt, stellten wir fest, aber wir könnten uns ja mal treffen.

So saßen wir an einem Samstagabend bei mir, hörten meine Lieblingsplatten von Alt-J und Arcade Fire, tranken Rotwein und diskutierten über die Liebe und das Leben. Ich erzählte ihr von meiner Affäre mit Josephine, sie erzählte mir von ihrer letzten Beziehung, die relativ unglücklich verlief.

Was bisher bei Finn geschah:

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Am nächsten Tag verabredeten wir uns wieder. Wir gingen ins Kino, zogen um die Häuser. Als wir nach einer Kneipentour bei ihr ankamen, drehte sie sich in der Haustür um und küsste mich.

Wir taumelten in ihre Wohnung, ich zog sie langsam aus. Hazel sagte: "Wenn ich beim Sex lache, dann nicht über dich, sondern einfach, weil ich Sex lustig finde."

Meine Ex Anna hatte immer sofort tausend Gründe gewusst, um etwas nicht zu machen. Hazel sagte grundsätzlich erst mal Ja.

Wir haben in dieser Nacht noch viel gelacht und es fühlte sich großartig an. Großartig, weil wir uns so gut verstanden, großartig, weil ich sie so toll fand und großartig, weil der Sex gut und nicht fremd oder vorsichtig oder verkrampft war.

Von jetzt an sahen wir uns regelmäßig.

Ich mochte ihre Aufgeschlossenheit und lockere Art. Meine Ex Anna hatte immer sofort tausend Gründe gewusst, um etwas nicht zu machen. Hazel sagte grundsätzlich erst mal Ja. Sie hatte einfach so eine unaufgeregte, coole Art. Also schlug ich vor, spontan zusammen in den Urlaub zu fahren.

Eine Woche später ging es los, immer Richtung Norden bis nach Schweden. Wir lebten in den Tag hinein, suchten abends auf der Landkarte das Ziel für den nächsten Tag.

Hazel war für jedes Abenteuer zu haben.

In den stundenlangen Autofahrten erzählten wir uns Geschichten, zeigten uns unsere Lieblingsbands oder ich hörte einfach zu, wie Hazel Lieder im Radio mitsang, während wir in den Sonnenuntergang fuhren.

Wir hatten immer auf die gleichen Sachen Lust:

Den Nachmittag in einer Stockholmer Jazzkneipe verbringen, oder ein paar Tage mit dem Boot über einsame Flüsse und Seen fahren und abends am Lagerfeuer zelten. Hazel war für jedes Abenteuer zu haben. Wir waren ununterbrochen zusammen – und nie gingen uns die Gesprächsthemen aus.

Es fühlte sich an, als wäre ich mit meiner besten Freundin in den Urlaub gefahren, nur dass wir jede Gelegenheit für Sex nutzten: auf einer kleinen Blumenwiese am Ufer einer felsigen Insel zum Beispiel. Ein Platz, der nur für Sex gemacht sein musste, dachten wir beide sofort.

Das Gras war weich und wir genossen das atemberaubende Panorama beim Sex.

So fühlt sich Freiheit an.

Oder in unserem viel zu kleinen Auto. Die heißen Stunden in der Nacht bezahlten wir am nächsten Morgen mit blauen Flecken am ganzen Körper. Nachts kuschelten wir uns im Zelt aneinander, während draußen der Wind durch die Wildnis fegte.

Was ist das hier eigentlich, Freundschaft Plus, Fickbeziehung, Affäre?

Irgendwann nachmittags, als wir gerade Pause machten und Kaffee über dem Feuer kochten, fragte ich Hazel: "Was ist das hier eigentlich, Freundschaft Plus, Fickbeziehung, Affäre? Und was ist da eigentlich der Unterschied?"

Hazel sagte: "Ich glaube, das weiß niemand so genau, aber ist doch auch egal, wenn man glücklich ist."

So haben wir entschieden, dass wir nicht zusammen sind – auch weil wir beide schlechte Erfahrungen mit Beziehungen gemacht hatten. Hazel wäre wirklich die perfekte Freundin und passte viel besser zu mir als Anna jemals, trotzdem war das mit der Nicht-Beziehung absolut in Ordnung für mich.

Lange hatte ich mich nicht mehr so gut gefühlt – ich dachte kaum noch an Anna.

Mit ihr wäre so eine Reise nicht möglich gewesen. Sie hatte wenig für Spontanität, Reisen und Natur übrig.

Es klingt vielleicht komisch, aber dadurch, dass wir nicht zusammen sind, können wir die schönen Dinge einer Beziehung erst richtig genießen. In der Vergangenheit hatte das Beziehungsdenken viel kaputt gemacht.

Das Nicht-Zusammensein nimmt uns den Druck, dass alles perfekt sein muss.

Das Nicht-Zusammensein nimmt uns den Druck, dass alles perfekt sein muss. Wir genießen einfach das Hier und Jetzt und haben trotzdem jemanden, dem wir vertrauen.

Seit wir wieder zuhause sind, treffen wir uns immer öfter, gehen zusammen auf Partys, kochen oder schauen uns Serien an. Wir erzählen uns von unseren Problemen oder kuscheln auf der Couch. Und natürlich haben wir oft Sex.

Wie in einer Beziehung. Wenn wir zu sehr aufeinander hängen, lassen wir uns etwas Raum, schreiben ein paar Tage nicht und sehen uns dann wieder.

Die schlechten Seiten einer Beziehung haben wir einfach weggelassen.

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Warum ausgerechnet so viele junge Polen den Fremdenfeinden nachlaufen.

Was ist am Wochenende in Polen passiert?

Am Samstag sind in Polen rund 60.000 Rechtsradikale durch Warschau marschiert. Ihnen gegenüber standen gerade einmal Tausend linke Gegendemonstranten – vermutlich auch weil die Regierung den Protest gegen die Rechten verboten hatte. (Zeit Online)

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