01.07.2018, 13:16 · Aktualisiert: 13.07.2018, 14:50

Unsere Psychologin hilft.

Caro, 26, fragt:

Ich bin streng gläubig, dazu gehört für mich auch: kein Sex vor der Ehe. Ich wurde katholisch erzogen, gehe regelmäßig in die Kirche und engagiere mich dort.

Der Glaube an Gott hat mir immer Halt gegeben, ich stehe hinter den zehn Geboten, und ich weiß, wie uncool das rüberkommt – aber ich bin mir in dieser Sache eigentlich sicher.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Nur: Dass ich noch nie mit jemandem geschlafen habe, macht mich langsam fertig. Ich hatte schon öfter Beziehungen, die alle an meiner Einstellung scheiterten.

Ich verliebe mich dummerweise nie in jemanden mit denselben Werten, immer sind es Männer, die mit der Kirche nichts zu tun haben.

Mehr Notfälle? Hier:

Lennart Gäbel
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So langsam will ich Sex. Mich mehr ausprobieren. Nicht darüber nachdenken, ob ich das nächste Kleidungsstück nun wirklich ausziehen soll oder nicht.

Ich bin hin- und hergerissen. Meine Freundinnen sagen mir, ich muss wirklich bald damit beginnen, sexuelle Erfahrungen zu sammeln, um nicht als komische Christin zu enden, die nicht weiß, wie das im Bett so alles funktioniert.

Wie soll ich mit dieser Unsicherheit umgehen? Mit den ständigen Gewissensbissen? Neulich war ich nach einer Party ziemlich betrunken, ging mit einem alten Freund nach Hause, wir machten rum, schliefen nackt nebeneinander ein.

Ich wollte ihn so gern spüren in mir, doch vor meinem inneren Auge sah ich meine Mutter, meine Kindheit, die Erziehung. Ich werde unentspannter.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Caro,

deine Zerrissenheit ist in deinen Zeilen deutlich zu spüren. Da sind einerseits deine religiösen Werte und andererseits dein persönliches Bedürfnis nach sexuellen Erfahrungen. Du beschreibst deinen Glauben als Halt gebend und sehr wichtig für dich, doch gleichzeitig merkst du, wie er dich auch einschränkt.

Du musst dich an Regeln und Verbote halten, die für andere, zum Beispiel deine Freunde, nicht gelten.

Du musst dir klar machen, dass – so wertvoll deine Religiosität für dich ist – die damit verbundenen Gebote doch auch eine Form von Fremdbestimmung sind, da sie von außen auferlegt sind. Das ist an sich natürlich nicht schlimm.

Wir alle müssen uns ja tagtäglich an Regeln halten, um gut miteinander zu leben.
Kathrin Hoffmann

Da das "Kein-Sex-vor-der-Ehe-Verbot" aber dein persönliches Leben stark beeinflusst, musst du dich fragen, ob es für dich Sinn macht und du wirklich persönlich dahinterstehst oder ob du eben nur durch deine Erziehung und Prägung gesteuert bist.

Neben der Stimme deiner Mutter sind da auch noch deine Freunde auf der anderen Seite, die dich überzeugen wollen, dass es nun mal endlich an der Zeit ist, sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Auch hier findet womöglich eine Beeinflussung statt, wenn du nicht unterscheiden kannst, was dein eigener Wunsch ist und was andere von dir erwarten.

Du solltest auf gar keinen Fall Sex haben, nur damit du cooler bist! Und auch alkoholisierten, spontanen After-Party-Sex wirst du womöglich schnell bereuen.

Du musst herausfinden, was DU willst:

  • Fühlst du dich wirklich bereit für sexuelle Erfahrungen?
  • Wie stellst du dir dein erstes Mal vor? Wie gut möchtest du den Mann kennen, mit dem es passieren soll?
  • Worin siehst die Vor- und Nachteile bis zur Ehe zu warten?
  • Empfindest du diese Regel für dich persönlich als sinnvoll?
  • Welche Konsequenzen fürchtest du, wenn du dich davon frei machst?
  • Und welchen Preis müsstest du bezahlen, wenn du das Verbot weiter befolgst?
Soll ich – oder soll ich nicht?

Soll ich – oder soll ich nicht? (Bild: Unsplash)

Natürlich ist es eine Herausforderung, deinen eigenen Weg zu finden und dich gegen die Erwartungen des einen oder anderen zu verhalten.

Wenn du dich dafür entscheidest, Sex haben zu wollen, wirst du anfangs immer wieder dein schlechtes Gewissen aushalten müssen, da du diese Norm ja stark verinnerlicht hast.

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Wenn du dich dafür entscheidest, weiter enthaltsam zu leben, wirst du womöglich auf Unverständnis treffen und warten müssen, bis du einen Mann mit denselben Werten triffst bzw. einen, der dir zuliebe geduldig ist. Doch das Wichtigste ist doch, dass du dir selbst treu bist und hinter deinen Entscheidungen stehst!

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin


Today

Das steckt hinter der neuen AfD-nahen Stiftung

01.07.2018, 13:14 · Aktualisiert: 01.07.2018, 14:22

Warum sie nicht mehr wie ein Austauschprogramm heißen soll.

Die CDU hat die Konrad-Adenauer-Stiftung, die von der SPD ist nach Friedrich Ebert benannt. Und die AfD hat jetzt die Desiderius-Erasmus-Stiftung. Dafür haben am Samstag zwei Drittel der Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag in Augsburg gestimmt.

Aber was hat es mit dieser Stiftung auf sich? Und warum könnte sie schon bald einen neuen Namen haben? 6 Fragen, 6 Antworten.