Fühlen

"Ich tue mir selbst weh. Das macht mir Angst." Unsere Psychologin hilft

06.04.2017, 08:58 · Aktualisiert: 09.04.2017, 16:21

In unserer Serie "Über-Ich" beantwortet die Psychologin Kathrin Hoffmann eure Fragen.

Özlem schreibt:

Besonders in Stresssituationen leide ich unter Ängsten und Panikattacken, wenn ich Angst habe zu versagen zum Beispiel. Oder wenn ich mich ausgenutzt fühle. Ich weine, bekomme Magenkrämpfe, was noch schlimmer ist: Ich tue mir selbst weh. Ich kratze mich, schlage mich. Eine Stimme in mir macht mich dann selbst fertig. Hinterher habe ich blaue Flecken und Kopfschmerzen. Das macht mir Angst.

Ich leide nicht unter dauerhafter Einsamkeit oder Trauer. Ich habe einen festen Freundeskreis und bin sehr eng mit meiner Familie.

Momentan kann ich es kontrollieren. Aber ich frage mich: Sind das Anzeichen einer Depression oder schon einer Psychose?

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Özlem,

es ist sehr mutig von dir, dass du so offen über deine Beschwerden schreibst. Du berichtest von Ängsten, selbstverletzendem Verhalten und einer inneren Stimme, die dich runtermacht.

Die Ursache dafür kann in einem mangelnden Selbstwertgefühl beziehungsweise Selbstvertrauen liegen. Deshalb sind gerade Situationen, in denen du versagen könntest oder zurückgewiesen wirst, besonders schwierig für dich. Das führt zu einer hohen inneren Anspannung.

Zum Klicken: Diese Fragen hat unsere Psychologin schon beantwortet

Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
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Das selbstverletzende Verhalten - SVV - kann ein Versuch sein, deine Angst oder andere schmerzliche Gefühle zu regulieren. SVV kann ein Zeichen einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung sein, in deinem Fall möglicherweise einer Angsterkrankung. Eine genaue Diagnose kann jedoch nur im Gespräch mit einem Psychologen gestellt werden.

Häufig ist SVV eine Reaktion auf eine schwere psychische Belastung. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, ihre Gefühle auszudrücken und zu regulieren. Das SVV ist also eine Art Bewältigungsstrategie, wenn ein unangenehmer Gefühlszustand nicht anders kontrolliert werden kann. Kurzfristig tritt eine Entlastung und Entspannung ein. Langfristig ist das SVV natürlich keine hilfreiche Art, um mit schwierigen Gefühlen umzugehen.

Für dich ist es offenbar sehr schmerzhaft, Ablehnung zu erfahren, und du beschreibst, dass du dir dann selbst einredest, nichts wert zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass du unter einer Psychose leidest.

Der Fotograf Matteo Rigosa zeigt, wie sich Depressionen anfühlen (Hier erfährst du mehr über ihn):

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Bei einer Psychose können akustische Halluzinationen auftreten, also zum Beispiel Stimmen, die der Betroffene aber nicht als seine eigenen erkennt. Was du beschreibst, ist eine abwertende innere Stimme, eine Art innerer "Selbstanteil", der durch negative Erfahrungen in deiner Kindheit und Jugend entstanden ist. Jeder hat verschiedene Persönlichkeitsanteile, wovon manche eher hilfreich und stützend sind, andere eher destruktiv und belastend.

Ich würde dir in jedem Fall empfehlen, mit einem Psychologen über deine Beschwerden zu sprechen. Im Rahmen einer Therapie kannst du deine Persönlichkeitsanteile erkunden, lernen dich zu akzeptieren und wertzuschätzen, mit deinen Ängsten umzugehen, deine Gefühle zu regulieren und mit stressigen Situationen besser umzugehen.

Lass uns Freunde werden!

Als "Soforthilfemaßnahme", um deine innere Anspannung zu reduzieren, kannst du zum Beispiel Sport treiben, Eiswürfel in die Hand nehmen, auf ein Kissen einschlagen, laut singen, heiß oder kalt duschen, eine Freundin anrufen, Entspannungsübungen machen oder deine Gefühle über kreative Tätigkeiten (malen, töpfern, etc.) ausdrücken.

Ich wünsche dir alles Gute!

Deine Kathrin


Haha

Nur eine einzige Person wollte Shia LaBeoufs Film sehen – in ganz Großbritannien!

06.04.2017, 08:33

"Man Down" im Wortsinn.

Vergangene Woche feierte der Film "Man Down" von Shia LaBeouf in Großbritannien Premiere. Es ist ein Drama über einen Soldaten, der aus Afghanistan heimkehrt. Eigentlich ein Stoff, wie für's Kino gemacht.

Doch den Film wollte nur eine einzige Person sehen. Am kompletten Eröffnungswochenende. In ganz Großbritannien. Das berichtete "Variety" unter Berufung auf die britische Kinovereinigung. Demnach habe "Man Down" insgesamt 7,21 Pfund eingespielt, umgerechnet rund 8 Euro.