Fühlen

​Warum wir mehr über Masturbation sprechen sollten

21.12.2016, 14:37

Eine Holzbank am Teich unserer Kleinstadt: Hier haben Nadja und ich früher immer über das gesprochen, was uns beschäftigte, vor allem über Jungs also. Schließlich waren wir damals erst 15. An jenem Tag erzählte ich von meinem ersten Handjob, den ich meinem Freund gegeben hatte. Meine Schulfreundin wollte auch vorbereitet sein, deswegen berichtete ich. Wir kicherten viel.

Es gab aber noch etwas anderes, was ich mit Nadja besprechen wollte – wie das ganze bei uns selbst geht. Aber sie wehrte ab: "Darüber muss man nicht reden. Da weiß man ja, wie es für einen funktioniert."

Nee, wusste ich leider nicht. Aber ich verstand, dass das Thema für sie tabu war.

Über die Jahre bekam ich den Dreh raus – und probiere auch heute noch Neues aus, um meinen Körper weiter zu entdecken. Wer guten Sex mit sich selbst hat, schafft damit die beste Voraussetzung, auch guten Sex mit anderen zu haben.

Schade, dass man kaum darüber redet. Ich wage mal den Anfang.

1. Lube = love

Die Masturbationsanleitung in der "Bravo" brachte mich früher nicht viel weiter. "Streichle deine Klitoris" war die Kernaussage. Mir tat das aber weh – viel zu sensibel! Bis ich das Gel alleine ausprobierte, das mein damaliger Freund und ich manchmal beim Sex benutzten.

Wer ist Livia?

Livia Augustin, Mitte 20. Kaffee, Wein und Worte sind ihr Elixier. In der bento-Sexkolumne resümiert sie Schlüsselmomente, durch die sie lernte, was sie (nicht) will – im Bett und im Leben.

2. Finde dein Toy

Eine Studie beziffert die Anzahl der Frauen, die ein Toy zur Masturbation nutzen, auf 37 Prozent, die der Männer auf lediglich vier Prozent ("Amica"). Eine andere Umfrage (YouGov) kommt auf niedrigere Zahlen: Laut ihr besitzen 25 Prozent der Deutschen Sexspielzeug; von ihnen nutzen 42 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer ihr Toy (auch) für sich alleine.

Das wirft eine weitere Frage auf: Ist die Benutzung von Sextoys bei Männern stärker stigmatisiert? (Stichwort "Taschenmuschi")? Und wenn ja: Warum eigentlich?

Nun braucht man Toys nicht unbedingt, um zum Orgasmus zu kommen; auch ich habe manchmal mehr Lust auf klitorale Stimulation mit der Hand. Trotzdem: Mindestens ein Lieblings-Spielzeug sollte sich jede gönnen, finde ich. Allein wegen der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten: Ein Vibrator kann auch von außen aufgelegt werden (ein klassisches Modell oder ein Auflegevibrator); man kann sich an ihm reiben; und die Vibration fühlt sich nicht nur in der Intimzone köstlich an.


Doch wie findet man sein perfektes Toy?

  • Beschaffenheit und Aussehen: Mit 18 bestellte ich mir meinen ersten Vibrator. "Realistisches Aussehen", das klang für mich sexy. Doch das gelieferte Objekt wirkte eher wie ein Fake-Leichenteil aus der "Bravo"-Foto-Lovestory. Während die Optik Geschmackssache ist, ist man beim Material mit Silikon auf der sicheren Seite. Angenehmer Geruch, keine Weichmacher. Sieht schön aus, fühlt sich schön an.
  • Größe: Mein zweiter Versuch war ein violetter Silikonvibrator. Hübsch sah er aus, doch der Durchmesser von 4,5 Zentimeter überforderte mich etwas. Einen Blick auf den Durchmesser sollte man vor dem Kauf also haben. Lieben gelernt habe ich auch speziell geformte G-Punkt-Vibratoren. Die können von mir aus mini sein – der Reiz liegt in der Biegung

Alle Sexkolumnen von Livia:

Lana Petersen
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3. Keep trying!

Als ich zum ersten Mal in einer sexuell befriedigenden Beziehung war, masturbierte ich kaum mehr. Nach ein paar Monaten tat ich es doch mal – und fand es richtig schön, mir selbst Genuss zu verschaffen. Es kann nicht schaden, sich immer mal wieder alleine zu entdecken – und die Erkenntnisse später ins Sexleben mit Partner oder Partnerin einzubringen.

Und auch, wenn du weißt, wie du dir deinen Orgasmus garantierst: Probier verschiedene Varianten aus! Masturbation sollte bzw. muss nicht rein zweckorientiert sein, sondern auch mal spielerisch. Eine andere Handbewegung, ein neues Toy, eine Verlagerung des Gewichts, ein leichtes Bewegen der Beine... durch kleine Varianten fand ich nach und nach heraus, wie ich auch beim Sex zu zweit (oder zu dritt...) den perfekten Winkel, Geschwindigkeit und Körperspannung für den Höhepunkt finde.

4. Verabschiedet euch von Mythen – miteinander!

Mit 21 fiel mein damaliger Freund fast vom Hocker, als ich ihm erzählte, wie lächerlich für mich kommerzielle Pornos wirkten, in denen Frauen "masturbieren" – mit unzähligen (kameratauglichen) Stellungswechseln und gelegentlichem Dippen des Dildos in die Vagina. Bei ihm war durch jene Filme die Idee eines komplexen choreografischen Vorgangs entstanden.

Ladies, je besser wir uns selbst kennen lernen, desto weniger mystisch erscheint unser Körper – für uns und für Männer. Deswegen: Redet darüber, mit Freunden und Freundinnen, mit Partnern und Partnerinnen. Oder lasst statt Worten Taten sprechen, indem ihr es mit euren Geliebten voreinander macht. Das ist nicht nur sexy, sondern auch lehrreich.

Bei all der Entdeckung des Körpers darf man jedoch nicht vergessen: Das größte Sexualorgan ist das Gehirn, weiß Sexologin Ann-Marlene Henning. Meine nächste Folge widme ich deshalb allem, was meine Fantasie auf Touren bringt: alternative Pornos, Literatur abseits von "50 Shades of Grey" und Spielereien im Alltag.

Du brauchst noch ein bisschen Inspiration? Dann mach unser Quiz, welche Sexstellung zu dir passt:


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"Dab, dab, dab, dab": Wenn ein Vater das Schmink-Tutorial seiner Tochter moderiert

21.12.2016, 14:22 · Aktualisiert: 21.12.2016, 14:37

Eltern verstehen meist nicht, was ihre Kinder den ganzen Tag treiben, besonders nicht in diesem Internet. So geht es auch dem Vater der 14-jährigen Megan Michell aus Kalifornien: Als "meggs and bacon" betreibt sie seit Juli ihren YouTube-Kanal. Dort stellt sie vor allem ihre regelmäßige "Make-up-Routine" vor. Der Account hat gut 13.000 Abonnenten.

Das mit Abstand erfolgreichste Video hat sie jetzt ihrem Vater zu verdanken: Denn er hat eines ihrer Schmink-Tutorials kommentiert.

Dabei interpretiert er die einzelnen Schmink-Schritte auf seine ganz eigene Weise:

"Dieses hier nenne ich Pocahontas-Gel. Damit lege ich noch meine Kriegsbemalung auf: drei Linien für Gesundheit, Reichtum und Glück".