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Bild: Lana Petersen

Fühlen

Woran ich denke, wenn ich mich selbst befriedige

14.10.2015, 13:50 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:21

Meine erste Masturbation war ziemlich glibschig. Und deine?

Bei mir ging es mit der Selbstbefriedigung erst spät los. Mit 20 hab ich es mir das erste Mal gemacht. Ich hatte mich gerade von meinem Freund getrennt und ein paar unbefriedigende Bettgeschichten hinter mir.

Ich fand die erste Masturbation primär glibschig.

Ohne Frage, war schön und alles, und so ein garantierter Orgasmus hat ja auch was. Aber ein bisschen eklig war's schon. In der ersten Zeit hatte ich immer ein feuchtes Tuch in Griffweite oder bin danach aufs Klo gerannt, um mir die Hände zu waschen. Weil man sich aber an alles gewöhnt, tun es mittlerweile auch der Schlüpper oder die Bettdecke zum Fingerabwischen. 

Ich weiß nach einigen erheiternden Sextalks von so ziemlich allen meinen Freunden, dass sie masturbieren und von manchen sogar, wie sie es tun. Was ich aber nicht weiß: Woran denken sie dabei?

Wenn ich diese Frage in die Runde stelle, bekomme ich in den meisten Fällen nur Rumdrucksen als Antwort. Da heißt es dann: „Ich denke halt an Sex mit Leuten“ oder „Ich gucke Pornos“. Aber ich will doch eigentlich hören, was sich vor ihrem inneren Auge abspielt, wenn sie mit der Hand zwischen den Beinen entspannen. Warum ich das wissen will? Um ehrlich zu sein, es gibt keine rationalen Gründe dafür. 

Vielleicht ist es ja so, dass man beim Reden über Selbstbefriedigung was über sich und die Vorlieben seines Partners lernt. Vielleicht wird das Sexleben dadurch fantasievoller und spannender. Aber im Prinzip ist es einfach nur interessant: herausfinden, woran der andere denkt, wenn er sich selbstbefriedigt. 

Sag mal, was machst du da?

Sag mal, was machst du da? (Bild: Flickr.com / Chiara Cremaschi (cc-by-nd))

Was mich betrifft: Meine Fantasien sind ganz schön pragmatisch geworden.

Während ich nämlich mit 20 Jahren noch eine komplette Story um einen unbekannten Schönen in einem WG-Badezimmer gebastelt habe, fehlen meinem imaginären Partner heute Gesicht, Arme und Beine. Einzig sein Oberkörper und Penis sind übrig geblieben. Manchmal ist es sogar nur noch der Penis und wenn es dann richtig drauf ankommt, gehe ich in die noch nähere Nahaufnahme.

Andere - das hat mir das Internet verraten, weil meine Freunde lieber das Thema wechseln - sind da etwas kreativer. Ihre Fantasien haben Gesichter. Sie reichen von Sex mit Bekannten, mit mehreren oder mit dem Chef bis hin zu Vergewaltigungsszenen und Schüler-Lehrer-Geschichten. Klingt verrückt, ist ja aber nicht gleich pervers. Die Vorstellung, dominiert zu werden, macht sie vielleicht an. 

Solange keiner seinen Namen nennen muss, lässt sich übers Masturbieren also ganz gut quatschen. Warum aber reden wir, die wir doch so aufgeklärt sind, denn nie offen über Selbstbefriedigungsfantsasien? Es tut nicht weh und ist im schlimmsten Falle nutzlos.

Es hat ein paar Glas Wein gebraucht, bis ich dann doch ein paar Freundinnen erweichen konnte, über ihre Fantasien zu reden. Das Ergebnis? Nichts Neues. Alle denken an Penisse, Scheiden, Umarmungen, innige Küsse. Ich habe bei dem Gespräch absolut gar nichts gelernt, aber ich hatte wahnsinnig Spaß - und von ihnen läuft bestimmt keiner mehr rosa an, wenn's ums Masturbieren geht. Das Tabu hätten wir geknackt.

Ab jetzt erzählt Nea jede Woche auf bento von den großen und kleinen Eskapaden ihres Sexlebens. Es wird um vaginale Orgasmen gehen, um Anal-Spiele, um Vibratoren. Und um Neas Verhältnis zu sich selbst - das sich nach jeder Geschichte ein bisschen verändert. 

Illustration: Lana Petersen

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