15.04.2018, 16:31 · Aktualisiert: 15.04.2018, 17:37

Schluss machen per WhatsApp? Da sollte mehr drin sein.

Irgendwann muss die Sache mit dem Schluss machen doch leichter werden. Zumindest das Level der Grausamkeit sollte mit zunehmendem Alter sinken. Statt schnöder SMS wie mit 14 ("Sorry, ich glaube, ich will nicht mehr mit dir zusammen sein!") kann man ein anständiges Gespräch erwarten. Oder? Die Realität zeigt auch mit 20 oder 30 leider: So einige Beziehungen enden via WhatsApp. Das ist unfair – da sollte mehr drin sein.

Aber wie genau kann man sich denn trennen, ohne ein Arsch zu sein? Oder sollte man es doch eiskalt durchziehen, damit der andere einen hassen kann? Wir haben Dr. Yvonne Keßel, Diplom-Psychologin und Paartherapeutin, gefragt.

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt und Beziehungen auf das nächste Level gehoben. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also fragen wir Experten, wie wir unser Leben hacken – oder uns zumindest nicht mehr wie Idioten benehmen.

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Beides gibt es nicht - wir haben es geahnt. Aber grobe Daumenregeln gelten schon.

Zum Timing: "Wer eine Trennung will, sollte nicht lange warten", sagt Dr. Keßel. "Vielleicht muss es nicht einen Abend vor einer wichtigen Prüfung passieren, aber wenn ich aus Rücksicht auf einen Termin oder einen gebuchten Urlaub wochenlang warte, mache ich dem anderen nur etwas vor."

So viel zum wann – kommen wir zum wo: Tun wir es bei ihm, bei mir oder in einer Kneipe? "Ein neutraler Ort kann sehr unangenehm werden, manche Emotionen möchte man nicht in einem Café herauslassen", sagt die Psychologin. "Es hängt aber davon ab, mit welcher Reaktion man rechnet: Wenn ich Angst habe, bedroht zu werden, dann ist es besser, wenn es nicht meine Wohnung ist." In diesem Ausnahmefall ist eine öffentliche Location sinnvoll, an der ich zur Not um Hilfe rufen kann. Normalerweise gilt aber: Zuhause haben wir mehr Ruhe, alles zu klären. Und der Verlassene sollte die Möglichkeit haben, selbst abzuhauen – das wäre in meiner Wohnung am einfachsten. Wenn es bei ihm passiert (was auch okay ist): Besonders viel Taktgefühl dabei haben, den richtigen Abschiedszeitpunkt abpassen und es nicht endlos in die Länge ziehen.

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Nicht lange andeuten, sondern durchziehen

Wäre die Beziehung zu retten? Dann sollten wir offen über Probleme reden und gemeinsam herausfinden, ob wir noch eine Chance haben – oder? "Wenn ich mir noch darüber klar werden will, ob der Partner wirklich der Richtige ist oder ich überhaupt eine Beziehung will, dann macht es nicht unbedingt Sinn, ihn vorzuwarnen", rät die Psychologin. In diesem Fall also erstmal Klarheit gewinnen (bestenfalls so, dass der andere nicht wochenlang spürt, dass etwas los ist). Vielleicht fährt man eh mal ein Wochenende zu den Eltern oder mit Freunden weg – und kann den Abstand nutzen? Hier hilft es jedenfalls nicht, den Noch-Partner in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Er kann eh nichts tun. Und leidet schon, bevor es überhaupt so weit ist.

3

Ehrlich sein – aber nicht zerstören

Den Klassiker "Es liegt nicht an dir, es liegt an mir“ glaubt natürlich niemand. Aber soll ich eiskalt hinknallen, dass mich die Eifersucht wahnsinnig gemacht hat, ich keinen Bock mehr auf seine Dreckssocken habe und seine Familie noch nie leiden konnte? "Mein Rat: So ehrlich, aber gleichzeitig so wenig verletzend wie möglich sein", sagt Dr. Keßel. "Ein ehrliches Feedback macht es dem Verlassenen leichter, loszulassen und abzuschließen. Wenn er merkt, dass ich ihn anlüge, dann wird er immer überlegen, woran es wirklich lag." Also schon vorher herausfinden, was die wirklichen Gründe sind, welche man dem anderen nennen will – und wie man sie verpackt. Möglichst schonend, aber nicht zu sehr geschönt. Vielleicht hilft’s dem anderen auch für die Zukunft, wenn er lernt, dass mit seiner ständigen Überwachung niemand leben kann?

Es ist raus. Und jetzt? Das kommt auf die Reaktion an.

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Tränen trocknen und raus da

Der erste Reflex: umarmen und trösten. Aber sollten wir das wirklich tun? "Im ersten Moment kann man versuchen, den anderen aufzufangen", sagt die Psychologin. Aber: "Es ist immer schwierig, wenn derjenige, der einen verletzt, auch gleichzeitig trösten will.“ So schwer es fällt: Irgendwann muss man aufstehen und gehen. Wenn wir uns wirklich Sorgen machen: Die Freunde, Familie oder irgendwen informieren und fragen: "Kannst du nach ihm sehen?“

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Safety first

"Häufig kann man ungefähr abschätzen, wie der Partner reagiert", sagt Dr. Keßel. Wenn wir schon vorher Angst haben, dass die Sache eskaliert, wir sogar selbst bedroht werden, dann sollten wir Vorsichtsmaßnahmen ergreifen: Am besten jemanden informieren, der draußen wartet oder zu einer abgesprochenen Zeit nach uns sieht. Wenn wir wirklich, wirklich Angst haben, darf es im Ausnahmefall auch eine Trennung per Telefon oder Nachricht sein. Aber dafür muss die Lage extrem sein – im Normalfall geht das natürlich gar nicht.

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Klare Botschaften gegen Verdrängungsexperten einsetzen

"Das meinst du nicht so, das geht nicht, lass uns morgen noch mal reden, du brauchst nur Zeit..."

Wenn der Mensch gegenüber solche Sätze stammelt, helfen nur harte Wahrheiten: "Wenn der andere auf nichts eingeht und mich überreden will, bei ihm zu bleiben, dann ist die beste Antwort: Ich liebe dich nicht mehr, meine Gefühle haben sich so verändert, dass es nicht mehr geht." Wer will da noch verhandeln?

Es ist extrem schwierig, wenn jemand sagt: Morgen bin ich weg, ich habe etwas Neues.
Dr. Yvonne Keßel
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Nicht erpressen lassen

"Wenn du das wirklich tust, dann bringe ich mich um." Ja, der andere ist verzweifelt und am Boden – aber eine solche Drohung (und Erpressung) geht gar nicht. "Das ist natürlich kein Grund, sich nicht zu trennen – im Gegenteil", sagt Dr. Keßel. "Das wäre das Schlimmste, was man machen kann. Die Taktik des anderen würde funktionieren und das Beenden der Beziehung immer schwieriger." Also: Gehen und abschätzen, wie ernst die Situation ist. Wenn eine echte Gefahr besteht, dann schicken wir Freunde, um nach ihm zu sehen. Oder wir sagen: "Wenn du das wirklich denkst, bringe ich dich in eine Klinik."

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Gemeinsame Sachen = noch mal sprechen

Wer sich trennt, spielt die Möglichkeiten durch: Will man bleiben oder dem Ex alles überlassen? Kann einer alleine die Miete bezahlen? "Man kann schon vorher überlegen, was man sich wünschen würde – darf den anderen aber auch nicht vor vollendete Tatsachen stellen", sagt die Paartherapeutin. "Es ist extrem schwierig, wenn jemand sagt: Morgen bin ich weg, ich habe etwas Neues." Am besten: Erst mal Distanz schaffen, selbst für ein oder zwei Wochen zu Freunden oder Eltern ziehen und dann besprechen, wie es weitergeht.

Das ist auch ohne gemeinsame Wohnung ein guter Plan: Erst mal Funkstille, dann ein Treffen, um über alles zu sprechen und die Sachen auszutauschen, die man vom anderen hat. Vielleicht hätte der Ex die Shirts gerne wieder, die noch in unserem Schrank liegen. Trotz allem.

Man macht es dem Ex nicht leichter, wenn man die Beziehungen zu Freunden oder Familie sehr intensiv weiter pflegt.
Dr. Yvonne Keßel
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"Freunde bleiben" – frühestens in sechs Monaten

"Im Einzelfall mag das funktionieren, aber in der Regel endet das nie gut", sagt die Psychologin. Wenn sich beide trennen wollen und es ohne Streit läuft: anderes Thema. Aber meistens ist einer der Verlassene – und für den macht es die angebliche Freundschaft nur schwerer. "Eigentlich ist das eine Verlängerung der Trennung und kann wirklich zur Qual werden." Auf jeden Fall sollte man erst mal auf Abstand gehen, Keßel empfiehlt sogar sechs Monate oder ein ganzes Jahr. "Dann ist meist das Schlimmste verarbeitet und man kann versuchen, eine Freundschaft aufzubauen." Bis auf einer Seite ein Neuer kommt…

Und was, wenn ich seine Mama so gerne mag? "Natürlich muss man nicht alle Kontakte zur Familie oder Freunden des Ex-Partners abrupt abbrechen", sagt Dr. Keßel. Aber auch hier ist etwas Abstand ratsam – schließlich müssen alle mit der neuen Situation klarkommen. Und: "Man macht es dem Ex nicht unbedingt leichter, wenn man die Beziehungen zu Freunden oder Familie sehr intensiv weiter pflegt." Also: Abwägen, wie wichtig regelmäßige Telefonate mit der Ex-Schwiegermutter wirklich sind – und dann vielleicht einen Mittelweg finden.

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Next Challenge: sauberes Social Media Game

Einfach auf Distanz gehen – das ging in den 90ern. Jetzt sehen wir bei Snapchat, wie der Ex feiern geht und verfolgen bei Instagram, wo er Burger isst. Hilft nur die große Social-Media-Blockade? "Für die Verlassenen ist es oft ein Schlag ins Gesicht, wenn sie zusätzlich zur Trennung noch blockiert werden", sagt Keßel. "Man fragt sich: Womit habe ich das jetzt noch verdient, was habe ich getan?" Deshalb auf Videos und Fotos zu verzichten, ist aber keine Lösung: "Es ist natürlich schmerzhaft, alles zu sehen, aber es kann auch heilsam sein. Als derjenige, der sich trennt, kann ich dem anderen nur bedingt beim Loslassen helfen", sagt die Psychologin. "Letztlich muss der Verlassene selbst lernen, damit umzugehen." Heißt: Wenn du dich getrennt hast und das halbwegs okay verlief, lass den anderen entscheiden, wann er sich auch virtuell von dir verabschiedet.


Haha

Das sind die besten Memes zu Kollegahs Echo-Rede

15.04.2018, 16:22

Es musste so kommen.

Kollegahs Auftritt beim Echo 2018 war schon Grund für Diskussionen, bevor er überhaupt stattgefunden hatte. Denn manche Menschen wollten, dass er nicht mal eingeladen wird – wegen Antisemitismus-Vorwürfen. Schließlich fragt man sich schon, ob man jemandem einen Preis verleihen muss, der folgende Zeile rappt: