Bild: Lana Petersen

Fühlen

Was ich über Schamhaare denke

04.11.2015, 16:08 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:22

Nea tut alles, um untenrum glatt rasiert zu sein. Muss das sein?

Ich habe in letzter Zeit recht viele Pornos gesehen. Also die guten, in denen Frauen und Männer gleichermaßen ungekünstelten Spaß an der Sache haben. Dabei musste ich feststellen, dass viele der oft Laiendarstellerinnen Schamhaar tragen. Kein Wildwuchs, soweit ich das beurteilen kann. An den Seiten meist etwas rasiert und in der Mitte recht ansehnlich getrimmt.

Ich dagegen trage, seit ich 16 Jahre alt war, untenrum Glatze. Totalen Kahlschlag. Intimfrisuren waren mir immer zu anstrengend, ich habe mich lieber für gar kein Haar entschieden. Seitdem mache ich mich regelmäßig mit Warmwachs und Rasierer über die Stoppeln her.

Doch ich frage mich immer, ob ich da vielleicht ein gänzlich falsches Bild habe, was in Sachen Schamhaare normal ist und was nicht so. Aber meine Umfragen im eigenen Freundeskreis und auch die Wissenschaft bestätigen mich und mein bisheriges Verhältnis zum Schamhaar. 

Darf's ein bisschen mehr sein?

Darf's ein bisschen mehr sein? (Bild: Flickr.com / Amherst College)

Die allermeisten Frauen zwischen 18 und 30 Jahren – laut einer Studie der Universität Leipzig von 2009 nämlich rund 80 Prozent –rasieren ihren Genitalbereich (mehr über die Studie). Und auch ein Großteil meiner Freundinnen macht es so. Von den Jungs in meinem Umfeld kam häufig, dass sie es bei ihren Partnerinnen auch lieber haarlos haben oder aber wenigstens kurz. Nur einer sagte mir ganz ehrlich, dass er es umso schöner findet, je mehr Haare da sind, aber leider sei ihm das nur ein Mal wirklich passiert.

Ich scheine also völlig im Schnitt meiner Generation zu liegen. Aber wieso eigentlich? An sich sind Schamhaare ja nicht hässlich. Zugegeben, manchmal etwas fusselig im Mund, aber wie oft habe ich mir nach Umarmungen schon Kopfhaare von Freunden von der Zunge gepult. Der Unterschied ist nicht so wahnsinnig groß. Und trotzdem finden wir Schamhaare oft abstoßend.

Wir finden Schamhaare oft abstoßend.
Ohne Schambehaarung soll's ja hygienischer sein. Das ist gut möglich. Aber wenn ich das als Grund für meinen Kahlschlag anführen wollte, müsste ich mich weitaus häufiger enthaaren. Denn – sein wir mal ehrlich – ich hole das Wachs nur raus, wenn ein Besuch von meinem Freund ansteht. Und habe es auch früher nur gemacht, wenn intimere Begegnungen zumindest möglich schienen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damit nicht alleine bin.

Vielleicht fühlt sich der Sex mit Haaren anders an, ohne Haare eventuell besser. Da fehlen mir bisher leider die Erfahrungswerte. Aber bis ich die gesammelt habe, fällt mir beim besten Willen kein wirklich guter Grund dafür ein, warum ich mir diesen Enthaarungsstress gebe und nicht einfach so entspannt bin wie die Frauen in den Pornos. 

Elmar Brähler, der Mann hinter der Leipziger Studie, vermutet, dass der Kahlschlag nur eine Mode ist, sich wie jede andere auch wieder ändern wird und wir vielleicht in ein paar Jahren schon wieder krauses Haar im Schritt tragen.

Die Gegenbewegung zum glattrasierten Frauenkörper gibt es schon eine ganze Weile. Meistens werden die Frauen mit den manchmal bunten Achselhaaren und dem flauschigem Intimbereichen aber als übertriebene Feministinnen verschrieen. Doch sollten wir wirklich für ein Schönheitsideal ein ständig juckendes, weil stoppelndes, Untenrum tragen? 

Das wäre Quatsch. Ich versuchs jetzt mal mit Haar. Und wenn Elmar Brähler recht behält, bin ich damit vielleicht bald Trendsetterin. 


Nea erzählt jede Woche auf bento von den großen und kleinen Eskapaden ihres Sexlebens. Und von ihrem Verhältnis zu sich selbst - das sich nach jeder Geschichte ein bisschen verändert.