Fühlen

Wie es ist, am 29. Februar Geburtstag zu haben

29.02.2016, 10:20 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Alles Gute, Schaltjahrkinder!

Es war finster, ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo wir waren und die Menschen um mich herum verstanden kein Wort Englisch. Es war der 27. Februar 2015 und ich saß in einem Nachtbus irgendwo in Myanmar. Kurz nachdem die roten Ziffern der Digitaluhr über der Windschutzscheibe auf Mitternacht umschalteten war sie wieder da: Die Geburtstags-Melancholie.

Mein Nicht-Geburtstag hatte begonnen.

Ich bin ein Schaltjahrkind und damit eine von fünf Millionen Menschen auf der Welt, die an einem 29. Februar geboren sind. Weil bei genauem Hinschauen jedes Jahr ein bisschen länger dauert als nur 365 Tage, hat einst Julius Cäsar beschlossen an jedes vierte Jahr einen vollen Tag dranzuhängen. Im Jahr 1988 wurde ich an einem dieser Tage geboren.

Myanmar

Myanmar (Bild: Getty Images / Lam Yik Fei Fr)

"Wann feierst du denn dann?" ist die wohl häufigste Frage, die mir zu meinem Schaltjahr-Schicksal gestellt wird. Von Sprechstundenhilfen, Bankberatern und neuen Freunden. Facebook entscheidet sich für den 1. März, meine Mutter beharrt darauf, ich sei ein Februar-Kind. Ich feiere, wie es eben fällt und wie es mir und meinen Freunden am besten passt.

Das empfinde ich allerdings wie das Teilen von zwei Desserts: Am Ende kommt man zwar auf eine ganze Portion, aber trotzdem ist zwei Mal nach der Hälfte Schluss. An seinem Geburtstag will man morgens aus dem Haus gehen und wissen, dass man heute das Geburtstagskind ist. Schließlich ist der Geburtstag der Tag im Jahr, an dem man sich besonders fühlt, an dem so viele Menschen an einen denken wie an keinem anderen.

Ich ging schon so manches Mal an einem 28. Februar aus dem Haus und es passierte bis auf den verlässlichen Anruf meiner Eltern gar nichts. Eine meiner besten Freundinnen schickt mir deshalb jedes Jahr dankenswerterweise eine Warn-Nachricht: "Ich melde mich morgen. Zu früh gratulieren bringt Unglück." Irgendwie habe ich mich daran gewöhnt.

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Auch in meinem Nachtbus passierte natürlich nichts. Ich lebte zum damaligen Zeitpunkt erst seit zwei Wochen in Myanmar. Die beiden Jungs, mit denen ich einen Trekkingtrip unternahm, waren so verunsichert, dass sie mir fast leid taten: Um nichts falsch zu machen, gratulierten sie mir zwei Tage lang bei jeder Gelegenheit. Unser burmesischer Guide, für den ein Kalender sowieso eine eher nachgeordnete Rolle spielt, war vollends verwirrt und ignorierte die Angelegenheit einfach grundsätzlich. Zwei Geburtstage und Freunde in zwei Zeitzonen: So lange wie im vergangenen Jahr dauerte mein Geburtstag noch nie.

Geburtstagskuchen

Geburtstagskuchen (Bild: Flickr / Will Clayton/cc by)

Seit ich klein bin, glaube ich, dass mein Geburtstag etwas ganz Besonderes ist – und das glaube ich wirklich, bis heute. Meine Eltern haben mir das eingebläut, um mich gegen die anderen Kinder zu verteidigen, die naturgemäß alles niedermachen, was nicht normal ist. Ein Nicht-Geburtstag gehört eindeutig dazu.

Sonst würde ich mich wohl kaum an Praktikumszeugnisse erinnern können, die noch extra mit einem Notizzettel des Erstaunens über mein Geburtsdatum versehen waren. Oder an eine verlorene französische Bankkarte, deren Sperrung misslang, weil der Computer den 29. Februar als Datum verweigerte.

Alle vier Jahre wenn es dann so wie jetzt wieder soweit ist, gerate ich in besondere Hektik. Die Erwartungen sind groß ("Das gibt ne fette Party, oder?"), der Druck auch ("Verdammt, beim nächsten Mal bin ich dann schon 32").

Meinen ersten verwirrten Glückwunsch habe ich übrigens auch dieses Mal schon am 28. Februar bekommen. Es ist und bleibt eben der längste Geburtstag der Welt.

Alles Gute, Schaltjahrkinder!

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