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Fühlen

Warum wollen auf einmal alle "sapiosexuell" sein? Das ist doch Quatsch!

29.07.2017, 15:04 · Aktualisiert: 22.09.2017, 15:01

S

apiosexuell. Wenn du nicht weißt, was das bedeutet, dann bist du es nicht.

Das ist der Leitsatz einer besonderen Gruppe Menschen.

Für Sapiosexuelle ist, nach eigener Aussage, nicht das Aussehen eines potenziellen Partners entscheidend für romantische Anziehung – sondern dessen Intelligenz.

Wenn du dir jetzt nicht sicher bist, ob du schon mal jemanden getroffen hast, der sapiosexuell ist, hier eine kleine Hilfestellung: Das Mengendiagramm von Menschen, die dir auf einer WG-Party ungefragt erzählen, dass sie keinen Fernseher besitzen, und Menschen, die sich selbst als sapiosexuell bezeichnen, ist genau ein Kreis.

Das zeigt sich schon an der Wortneuschöpfung, Verzeihung, am Neologismus "Sapiosexuell", der das lateinische Wort "sapere" (was so viel wie "wissen" bedeutet) zu einer sexuellen Orientierung umdeutet. Allerdings ist das Wort leider kein Insiderbegriff für Soziologiedoktoranden geblieben:

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OkCupid, eine der größten Datingwebsites der Welt, führt "Sapiosexual" neben Gay, Bisexual, Queer und anderen seit einiger Zeit als sexuelle Orientierung. Selbst eine spezielle Dating App (Sapio) gibt es.

Wo ist das Problem dabei?

In einer Zeit, in der beständig sexuelle Orientierungen abseits der Heterosexualität Akzeptanz finden, sollte man doch gegenüber einer Orientierung wie Sapiosexualität tolerant sein, oder?

Der Knackpunkt: Sapiosexualität klingt wie eine sexuelle Orientierung, ist aber keine. Sie ist eine Präferenz. Sapiosexuelle Menschen suchen doch eigentlich nach einem bestimmten Persönlichkeitstyp. Man ist Hetero-, Bi-, Homo-, oder sogar Pan-sexuell – und dazu dann auch noch sapiosexuell.

Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
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Ein Faible für Intelligenz ist aber eben einfach nur eine Vorliebe, mehr nicht. Denn, sorry, romantisches Interesse an Bücherwürmern ist keine sexuelle Orientierung, egal wie sehr Brille, Laborkittel und dicker Messkolben das Blut in Wallung bringen.

Und das sollte auch nicht unbedingt ein Gefühl der Überlegenheit hervorrufen, denn es ist auch nicht besser, als wenn man exklusiv auf Leute mit dicken Muskeln oder großen Brüsten steht.

Außerdem sind ein vielfältiger Wortschatz oder eine große Allgemeinbildung für viele Menschen attraktiv. Der Begriff sapiosexuell ist nicht mehr oder weniger als ein Werkzeug der Abgrenzung gegen diejenigen, die man selbst als dümmer einschätzt.

Die Realität zeigt aber, dass ein hoher IQ oder eine Promotion kein tatsächliches Wissen oder sogar Weisheit garantieren.

Akademisch gebildet zu sein, ist nur ein Hinweis auf eine sehr spezifische Form von Intelligenz, die auch heute noch mit vielfältigen Privilegien einhergeht. Es geht bei Sapiosexualität also auch um soziale Abgrenzung, die in Zeiten einer schwindenden Mittelschicht und der omnipräsenten Angst vor dem sozialen Abstieg immer weiter zunimmt.

Wer sich als sapiosexuell bezeichnet, will uns also eigentlich eher etwas über sich selbst mitteilen.

Jetzt ist es trotz Internet und Algorithmen nicht unbedingt einfacher geworden, sich zu verlieben. Wenn man also auf der Partnersuche wenigstens formulieren kann, was man nicht sucht, dann ist das vielleicht hilfreich.

Annika Krause
Annika Eliane Krause
Annika Eliane Krause
Annika Eliane Krause
Annika Eliane Krause
Annika Eliane Krause
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Aber wenn Menschen, die nicht über klassisch-akademische Intelligenz und Bildung verfügen, systematisch als Partner ausgegrenzt werden, ist das definitiv bedenklich.

Genau deshalb ist es vielleicht trotzdem besser, wenn man den Sapiosexuellen ihr Label lässt. So weiß man wenigstens, um wen man als intelligenter Mensch einen Bogen machen sollte.

Wenn du trotzdem beweisen willst, wie schlau du bist, schau doch mal, ob du klüger bist als ein Grundschüler – in unserem Mathe-Quiz:


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