Fühlen

Fasten: So erleben junge Muslime den Ramadan

04.06.2016, 17:32

Jeden Tag rund 18 Stunden nichts essen und nichts trinken: Der Fastenmonat für Muslime weltweit beginnt am Montag. Im Ramadan verzichten Muslime nicht nur auf Nahrung – für sie ist es ein spiritueller Monat. Wir haben junge Muslime gefragt, wieso sie fasten und was es mit ihnen macht.

Yassin ist 22 Jahre alt, studiert Wirtschaftsingenieurwesen in Darmstadt und wohnt in Mainz

Ich faste, seit ich zwölf Jahre alt bin. Damals habe ich es meinen Eltern nachgemacht. Heute faste ich, weil es Pflicht ist für die Muslime. Ich habe mit der Zeit aber auch gemerkt, dass das Fasten mir gut tut. Im Ramadan werde ich ruhiger und ich beginne mein Umfeld mehr zu beobachten. Außerdem fühle ich mit den Menschen mit, die nicht jeden Tag etwas zu essen und zu trinken haben.

Ich hatte einmal die Möglichkeit in Marokko zu fasten. Es ist natürlich etwas anderes, in einem Land zu fasten, wo fast alle fasten. Aber ich finde es trotzdem nicht schwieriger in Deutschland zu fasten – die Atmosphäre ist einfach anders. Wenn alle fasten, entsteht ein Gruppengefühl.

Einmal musste ich mich auch bei meiner Politiklehrerin rechtfertigen. Sie fand es sinnlos und belastend für die Jugendlichen, die sich durch das Fasten überfordert haben. Deswegen ist es wichtig, dass man für sich versteht, wieso man fastet.

Filiz, 21, Jura-Studentin aus Bielefeld

Als kleines Kind habe ich gelegentlich gefastet. Erst als ich älter wurde, habe ich durchgefastet. Es tut mir gut. Leute, die mich kennen, wissen, dass ich das Fasten sehr genieße. Während des Fastens kommt mein Körper zur Ruhe.

Außerdem ist der Ramadan ein sehr spiritueller Monat. Aber ehrlich gesagt, glaube ich, dass man das nur nachvollziehen kann, wenn man auch fastet und religiös ist. Fasten bedeutet nicht, dass man nur hungert. Es bedeutet auch, dass man sich von schlechten Einflüssen freihält.

Ich finde in Deutschland haben die älteren Menschen wenig Verständnis dafür, wenn man fastet. In der Schulzeit haben meine Lehrer mich immer bemitleidend angeguckt und ständig Fragen gestellt. Meine Mitstudenten zum Beispiel sind verständnisvoller. Klar, sind sie auch oft verwundert, aber sie kommen besser damit zurecht. Einmal hat meine deutsche Freundin mitgefastet.

Yunus, 18, Student der Publizistik und Politikwissenschaften aus Berlin

Seit sechs Jahren faste ich ungefähr durchgehend jeden Ramadan. Egal unter welchen Umständen – meine Familie hat das Fasten auch unter schwierigen Situationen nicht abgebrochen. In der türkischen Kultur bereiten Eltern ihre Kinder auf das Fasten vor, indem sie sie bis zum Mittag fasten lassen. In der achten Klasse habe ich mich stark genug gefühlt, das Fasten durchzuziehen.

Ich esse und trinke zwar weniger, aber ich fühle mich einfach besser. Er Ramadan ist für mich ein einmonatiges Festival geworden, auf das ich mich jedes Jahr freue. Ich versuche im Ramadan in mich zu gehen und mehr für meinen Glauben zu tun.

Durch das Fasten schränke ich meine Freizeitaktivitäten nicht ein, zum Beispiel mache ich trotzdem Sport. Meine nicht-muslimischen Freunde haben das Fasten immer respektiert und mich nicht mit Essen provoziert. Es ist in Deutschland schon sehr normal geworden.

Sati, 23, Medizin-Studentin, Münster

Eigentlich bin ich ein Mensch, der keine Diät durchhält – aber beim Fasten geht es. Ich werde im Ramadan dankbarer; zum Beispiel merke ich, wie gerne ich frühstücke. Im Sommer ist das Fasten etwas anstrengender, die Tage sind länger und es ist heiß. Dennoch schaffe ich es sehr gut.

Das Schöne am Fasten ist, dass es nicht ortsgebunden ist, da man nichts dafür braucht. Deswegen spielt es für mich keine Rolle, ob ich in Deutschland faste oder woanders. Ich werde immer noch auf das Fasten angesprochen, wie es funktioniert – teilweise von denselben Leuten. Ich werde aber nicht müde, es jedes Mal neu zu erklären. Einmal haben ein paar Kommilitonen mit mir gefastet. Wir haben dann am Abend gemeinsam gegessen und viel geredet. Das war wirklich sehr schön.

Muhammed, 20, wohnt in Hannover und studiert an der Leibniz Universität Rechtswissenschaften

Ich habe mit 13 Jahren mit dem Fasten angefangen. Meine Eltern haben damals schon nicht nur im Ramadan gefastet, sondern auch zu anderen Zeiten.

Im Ramadan bin ich geduldiger und etwas ruhiger. Ich versuche im Ramadan nicht nur zu fasten, sondern auch mehr zu beten und ein besserer Mensch zu sein. Ich stehe jeden Morgen dafür auf und frühstücke vor Sonnenaufgang, da es für mich eine segenvolle Mahlzeit ist.

Ich habe mal einen Ramadan lang in der Türkei gefastet, dort haben fast alle gefastet. Das war natürlich sehr schön. Aber in Deutschland habe ich trotzdem keine Probleme damit. Denn ich finde, Fasten ist etwas sehr persönliches. Es ist mir egal, ob meine Freunde und Familie fasten oder nicht fasten. Trotzdem kann es echt anstrengend sein, wenn immer wieder gefragt wird, ob es in Ordnung ist, wenn man vor mir isst: Es ist okay!

Semra, 19, studiert in Bielefeld Jura

Ich faste, seit ich in der Pubertät bin. Als ich noch jünger war, habe ich nur am Wochenende gefastet. Seit einigen Jahren faste ich den Monat durch. Ich habe durch meine Familie und durch meinen Freundeskreis mehr Interesse für meine Religion entwickelt und wollte somit meine Pflicht erfüllen. Im Ramadan werde ich dankbarer, weil ich weiß, dass ich nach dem Sonnenuntergang essen und trinken kann – aber im Hinterkopf habe ich die Menschen, die auch danach noch hungern müssen.

Mittlerweile leben in Deutschland sehr viele Muslime und es gibt viele Moscheen. Deswegen gibt es oft Ramadanfestivals, auf denen man gemeinsam das Fasten brechen kann. Dennoch ist es ein Unterschied, ob man in einem muslimisch geprägten Land fastet oder nicht. Allein der fünfmalige Gebetsruf gibt schon eine ganz andere Atmosphäre. Einige meiner Mitmenschen sind verwundert, dass Muslime so ein starkes Durchhaltevermögen haben.

Einmal haben ein paar Freunde von mir mitgefastet. Ich habe sie zu einem Fastenbrechen zu mir nach Hause eingeladen. Ich finde das bemerkenswert. Denn gerade in der Zeit von AfD und Pegida gibt es immer noch Deutsche, die sehr tolerant sind.

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04.06.2016, 17:08 · Aktualisiert: 05.10.2016, 15:57

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Mehr als zwei Monate habe ich hier über Sex geschrieben, wie es ist als dicke Person Sex zu haben, zum Beispiel. Über Sex mit Freund_innen und über Sextoys. Sexpositivität ist mir wichtig, genauso wie Begehren zu enttabuisieren und zum Slutty Lifestyle zu stehen. Mindestens genauso wichtig ist es für mich aber, über keinen Sex zu sprechen.

Ich bin umgeben von Leuten, für die Sexualität eine sehr große Rolle im Leben spielt. Wir sprechen miteinander offen über Begehren und unterschiedliche Praktiken wie BDSM oder sogar Sexarbeit, wir gehen gemeinsam auf Sexpartys, basteln Sextoys, schauen uns queere Pornos im Kino an und beraten uns gegenseitig in unseren meist polygamen Beziehungen.