Fühlen

Du weißt nicht, wie du all die Uni-Prüfungen schaffen sollst? Unsere Psychologin hilft

09.02.2017, 10:46 · Aktualisiert: 09.02.2017, 11:13

In unserer Serie "Über-Ich" beantwortet die Psychologin Kathrin Hoffmann eure Fragen.

Isa fragt:

Ich bin im 1. Semester, studiere also erst seit vier Monaten. Demnächst stehen die Prüfungen an und ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Ich bin sehr fleißig, aber komme mit dem Lernen nicht hinterher!

Meine beste Freundin habe ich seit Beginn des Studiums nur einmal gesehen, meinen Freund muss ich permanent vertrösten und meine Familie bekommt mich, obwohl ich noch zuhause wohne, so gut wie nie zu Gesicht. Das ist doch kein Leben!

Ich fühle mich depressiv und niedergeschlagen, finde nicht mehr die nötige Motivation, mich wieder und wieder an den Schreibtisch zu setzen und zu lernen. Ich zweifle jetzt schon daran, ob das Studium die richtige Wahl war und denke über einen Ausbildungsplatz für kommenden September nach. Aber dann war die bisherige Zeit vollkommen verschenkt.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Isa,

du stehst momentan unter starkem Druck und scheinst dich heillos überfordert zu fühlen. So sehr, dass du dich sogar schon als depressiv und niedergeschlagen beschreibst. Ein deutliches Zeichen dafür, dass du zu wenig Zeit hast, um dich zwischendurch von den Lernstrapazen zu regenerieren.

Und genau das ist dein Dilemma: Nur wenn du durchgehend lernst, hast du das Gefühl, das Pensum überhaupt bewältigen zu können. Andererseits geht dir auf diese Weise ziemlich schnell "die Puste" aus. Du befindest dich gerade in einer extremen Stresssituation und würdest verständlicherweise gerne aus der Situation fliehen.

Du stehst vor einer großen Entscheidung und hast im Prinzip entweder die Möglichkeit, dich den neuen Herausforderungen des Studiums zu stellen und an deinen Bewältigungsstrategien zu arbeiten oder einen anderen Weg zu wählen.

Zum Klicken: Diese Fragen hat unsere Psychologin schon beantwortet

Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
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Langfristig kannst du das Studium nur durchhalten, wenn du dir regelmäßige Pausen gönnst. Die Zeit mit Freunden und Familie fällt natürlich während Prüfungszeiten knapper aus, sie ist aber wichtig für dein seelisches Gleichgewicht. Selbst ein kurzes Beisammensein kann deine Stimmung verbessern, dich entspannen und für eine Weile auf andere Gedanken bringen. Dein Gehirn braucht diese Auszeiten! Auch mit einem Spaziergang, Musik hören, Film schauen, Sport machen, einem Sauna-Besuch oder Ähnlichem kannst du deinen Stresspegel deutlich senken und neue Kraft tanken.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist deine Lernstrategie: Kannst du hier noch etwas optimieren, zum Beispiel indem du dich einer Lerngruppe anschließt, dir einen Lernplan erstellst, Prioritäten setzt und auch mal Mut zur Lücke hast? Überdenke auch deine Ansprüche an dich selbst, vielleicht kannst du sie ein wenig runterschrauben und auch mal mit einer nicht ganz so guten Note zufrieden sein.

Zur Autorin

Kathrin Hoffmann, Jahrgang 1984, ist Diplom-Psychologin, Trainerin für Stressbewältigung und Autogenes Training. Sie macht derzeit eine Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin. Wenn sie nicht bei bento Fragen beantwortet, arbeitet sie in einer psychosomatischen Klinik.

Grundsätzlich stellen sich die Fragen:

  • Wie wichtig ist dir das Studium?
  • Strebst du einen bestimmten Beruf damit an, der dein Wunschberuf ist?
  • Oder hast du das Studium begonnen, weil du in dem Moment keine bessere Alternative gesehen hast?
  • Was wäre eine Alternative? Welche Ausbildung kommt in Frage?

Deine Bedenken bezüglich der verschwendeten Zeit, sind sehr nachvollziehbar. Psychologen nennen dieses Phänomen "sunk-costs effect", also der Effekt der versunkenen Kosten. Demnach neigen wir dazu, umso mehr an etwas festzuhalten, je mehr wir bereits investiert haben (Zeit, Geld, Engagement). Das kann jedoch dazu führen, dass man es nicht schafft, sich aus einer Situation zu lösen, obwohl sie einem schon lange nicht mehr guttut.

Es ist also besser, wenn du dich daran orientierst, was es für die Zukunft bedeutet, wenn du weiter studierst:

  • Ist es dir das Studium wert, die stressigen Prüfungsphasen durchzustehen?
  • Welche positiven Aspekte verbindest du mit dem Studium?
  • Oder graut es dir eher, wenn du daran denkst, noch jahrelang in die Uni zu gehen?
  • Wie stellst du dir dein Leben vor, wenn du eine Ausbildung machst?
  • Kennst du jemanden, der eine interessante Ausbildung macht? Frage denjenigen nach seinen Erfahrungen.

Erkundige dich, ob es an deiner Uni eine Beratungsstelle gibt. Dort kannst du deine Probleme mit einem Psychologen besprechen. Er kann auch einschätzen, ob du längerfristige psychologische Unterstützung brauchst. Oft werden auch Kurse oder Workshops zu verschiedenen Themen (zum Beispiel Entspannung, Lernstrategien, Zeitmanagement) angeboten.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin

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