Bild: Unsplash/Christian Newman

27.01.2018, 11:30 · Aktualisiert: 27.01.2018, 10:03

Gespräch mit einer Expertin

Depression, Essstörungen, Drogensucht: Für Ingeborg Kraus ist das Alltag. Die Psychotherapeutin behandelt in ihrer Praxis vor allem jene Frauen, die als Prostituierte arbeiten und darunter leiden. Kraus ist eine klare Gegnerin der Sexarbeit und fordert ein Sexkaufverbot in Deutschland. Wir haben mit ihr über mögliche Folgen der Prostitution gesprochen:

"Es macht mir Spaß, als Prostituierte zu arbeiten. Diesen Job soll mir niemand wegnehmen." Was sagen Sie zu so einem Satz?

Das erscheint zuerst einmal plausibel. Guckt man aber genauer hin, stellt man fest: Viele dieser Frauen, die so etwas sagen, gehören entweder selbst zu den Zuhälter-Strukturen des Systems Prostitution oder betreiben Domina-Studios mit körperlicher Distanz zu den Kunden.

Sie meinen, sie prostituieren sich freiwillig – dabei verleugnen sie sich selbst.
Ingeborg Kraus

Ich habe auch Frauen in therapeutischer Behandlung gehabt, die sagten, sie täten es liebend gerne. Sie sind aber nur eine minimale Spitze des Eisbergs. Aber auch sie blenden aus, was mit ihnen wirklich dort passiert. Sie haben gelernt abzuschalten, weil schwere Dinge in ihrem Leben passiert sind, und sie diese nicht aufgearbeitet haben. Sie meinen, sie prostituieren sich freiwillig – dabei verleugnen sie sich selbst.

(Bild: Unsplash/Sydney Sims)

Sie meinen also: Frauen die ihren Körper "freiwillig" für Geld verkaufen, laufen vor ihren eigenen Problemen davon?

Ja. Viele Frauen haben mir zu Beginn der Therapie gesagt: "Dieser Beruf ist kein Problem, was will man mir da wegnehmen?" Nach einer Weile tauchen aber tiefe Verletzungen in den Biografien auf, erst später wird den Frauen klar, was sie mit sich haben machen lassen.

Viele Menschen gehen ungern zur Arbeit – sie tun oft Dinge nur deswegen, weil sie Geld dafür bekommen. Ein Koch zum Beispiel arbeitet auch unter körperlich harten Bedingungen für das Wohlergehen anderer Menschen.

In der Prostitution geht es nicht um das Wohlergehen anderer Menschen, es dreht sich alles nur um den Mann.

Es ist Ausdruck sexualisierter Macht und spiegelt ein Frau-Mann-Verhältnis wider, das so nicht mehr akzeptiert ist. Und gesellschaftlich betrachtet ist Prostitution eine Entwürdigung aller Frauen, mit anderen Worten: Es ist in Ordnung, den Körper einer Frau zu kaufen und zu benutzen.

Welche Folgen kann das für Frauen haben?

Je schwerer das Trauma, je jünger die Frauen, desto schwerwiegender die Auswirkungen. Wenn die Persönlichkeit noch nicht gefestigt ist, hat es fast immer schlimme Folgen. Deswegen kann ich nicht verstehen, warum die Regierung die Forderung abgelehnt hat, das Einstiegsalter in die Prostitution auf 21 Jahre zu setzen. Mit 18 Jahren hat man noch keine gefestigte Persönlichkeit aufgebaut. Prostitution in diesem Alter macht alles kaputt.

Ich hatte schon Fälle, bei denen Eltern ihr eigenes Kind verkauft haben. Diese Kinder sehen auch als Erwachsene Prostitution als ganz normal an – weil sie es nicht anders kennen.

Zur Person

Ingeborg Kraus kämpft gegen Prostitution: So hat sie ein Appell der Trauma-Therapeuten gegen Prostitution initiiert. Zudem hat sie die internationale Petition zum Abbau der Prostitution in Deutschland lanciert.

Die Psychotherapeutin mit eigener Praxis ist Mitglied der deutschen Gesellschaft für Psychotraumatologie und der deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation. Sie hält weltweit Vorträge über den Zusammenhang von Trauma und Prostitution und veröffentlichte zahlreiche Texte zu diesem Thema.

Viele Prostituierte haben oft mehrere Störungen gleichzeitig. Suchterkrankungen, Angst- und depressive Störungen sind häufig. Aber nicht nur. Ich habe auch Frauen mit Essstörung und Zwänge, als Folge der Prostitution behandelt. Schlafstörungen sind fast immer vorhanden. Ich habe eine Patientin gehabt, die in der Nacht kaum mehr schlafen konnte, immer wieder mal kurz für zehn Minuten. Die Nacht machte ihr Angst. Ihr Alarmsystem konnte nicht zur Ruhe kommen.

Schlafstörungen seine oft Folge der Prostitution, sagt Kraus

Schlafstörungen seine oft Folge der Prostitution, sagt Kraus (Bild: Unsplash/Annie Spratt)

Was ist ihr Eindruck: Ist den Freiern bewusst, dass sie diese Frauen für ihre Befriedigung missbrauchen?

Nein. Schuldgefühle tauchen erst gar nicht auf, weil Sexkäufer denken, ein Recht auf Sex zu haben und dafür Frauen benutzen zu dürfen. Die Frau wird in ein sozial konstruiertes Bild eingesperrt, und zwar in das Bild "einer unersättlichen Sexbestie". Andere Bedürfnisse werden ihr abgesprochen.

Die Gewalt wird verleugnet, die Realität ausgeblendet.
Ingeborg Kraus

Sie wird entmenschlicht, sie ist nur noch das: ein Körper ohne Seele. Das erlaubt dem Sexkäufer jegliche Form von Skrupellosigkeit, ihr Mitgefühl ist blockiert, an seine Stelle tritt Gleichgültigkeit.

Hatten Sie schon mal einen Freier in Behandlung, der seine Taten bereut?

Nein, durch Verdrängungsmechanismen und gedankliche Tricks mogelt sich der Freier aus der Verantwortung heraus. Die Gewalt wird verleugnet, die Realität ausgeblendet.

Es geht ihnen also nicht um den Wunsch nach Nähe?

Nein. Die meisten sind nicht einsam. Der Mythos, es seien arme Kerle, stimmt übrigens nicht. Die meisten sind in einer Beziehung und haben Kinder.

Was schlagen Sie vor?

Wir brauchen das nordische Modell. Das heißt: ein Sexkaufverbot. Frauen sind keine Ware. Man kann sie nicht für Sex kaufen, das ist doch wie Organhandel.

Aber auch wenn Prostitution offiziell verboten wäre, würde es doch weiterhin Männer geben, die sich Sex kaufen – nur ließe es sich dann noch weniger kontrollieren.

Ich sage doch auch nicht: Wir dürfen Diebstahl nicht mehr verbieten, weil es sonst in den illegalen Bereichen der Gesellschaft stattfindet. Wer so argumentiert, nimmt sexuelle Gewalt einfach nicht ernst. Die Vagina einer Frau ist kein Spielzeug für die sexuelle Lust der Männer, sondern ein hochsensibles Organ.

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