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31.12.2017, 17:30 · Aktualisiert: 31.12.2017, 17:34

Ab Mitte November fangen nicht nur alle an, fieberhaft nach Weihnachtsgeschenken zu suchen, sondern auch ihre Silvesternacht zu planen. Ganz ehrlich:

Da gehöre ich dazu.

Wenn Anfang Dezember noch kein grober Plan steht, wie ich das alte Jahr verabschiede und das neue Jahr beginne, werde ich unruhig. Ehrlich gesagt mache ich mir um meine guten Vorsätze weniger Gedanken, als um die paar Stunden, in denen ich das Jahr Revue passieren lasse und ausgelassen auf den Beginn eines neuen anstoße. Was das über mich als Person aussagt, will ich gar nicht wissen.

Doch egal, ob ich in den letzten Jahren am 15. November wusste, was ich am 31. Januar nun mache, oder nicht: Nie war es, wie ich mir mein Silvester in dem jeweiligen Jahr vorgestellt hatte. Ich will damit nicht sagen, dass ich enttäuscht wurde. Vielmehr fühlten sich die letzten Silvester-"Partys" nicht richtig an, nicht nach mir.

Deshalb habe ich beschlossen, dieses Jahr bei meinen Eltern zu feiern.

Ich weiß, dass das für viele in meinem Alter nach dem wohl langweiligsten Silvester der Welt klingt. Schlimm genug, dass man eine Woche vorher von einem Familienessen zum nächsten tingelt und ständig danach gefragt wird, wann man denn mit dem Studium fertig sei und ob einem in letzter Zeit Beziehungsmaterial über den Weg gelaufen sei, oder?

Klar, können einem die eigenen Eltern und sonstigen Verwandten irgendwann auf die Nerven gehen.

Auf der anderen Seite waren meine Eltern gerade 2017 immer für mich da. Ob bei Liebeskummer oder Stress in der Klausurenphase: Sie haben mir immer noch zugehört, wenn meine Freunde schon längst genervt waren. Ich weiß, dass, egal was passiert, mir die Tür zuhause immer offen steht. Und obwohl ich vor mehreren Jahren ausgezogen bin, ist das mein Anker.

Als ich Mitte November meiner Mutter am Telefon gesagt habe, dass ich bei Ihnen feiern will, reagierte auch sie eher verhalten. "Du weißt, dass wir keine Party machen, oder?", fragte sie. Das finde ich ja gerade gut: Keine Party, kein Erwartungsdruck.

Das hatte schon die letzten Jahre nicht funktioniert: Silvester bei den alten Schulfreunden, die man seit einem Jahr nicht gesehen hat? Keine gute Idee. Silvester in der Dorfheimat des damaligen Partners zusammen mit seiner "Crew", die mich nicht leiden konnte und die ich kaum kannte? Auch nicht. Silvester in kleiner, aber angespannter Runde mit anschließendem Clubbesuch? Eher so mittelmäßig.

Ja, vielleicht bin ich wählerisch und perfektionistisch. Aber manchmal will ich, dass an einem Tag einfach mal alles passt.

Silvester war für mich schon immer ein bedeutsamer Tag. Als Kind haben wir mit meinen Eltern immer lange auf das endende Jahr zurückgeblickt: In welchem Moment waren wir so glücklich, dass wir alles andere vergessen haben? Was war das Trivialste, was uns zum Weinen gebracht hat? Und was unsere schwerste Aufgabe? Dinner for One, Bleigießen, ein paar Raketen. Um 12 wurde angestoßen und drinnen machte Mama "Happy New Year" von Abba an.

Klar, ich romantisiere das auch. Aber sobald ich ausgezogen war, war Silvester einfach nicht dasselbe. Was nützt einem eine große Party, wenn der DJ nur Schrott auflegt? Wie viel Sekt muss man trinken, um den zehnten Smalltalk führen zu können, aber trotzdem nur angeschickert zu wirken?

Was bringt einem der schönste letzte Abend im Jahr, wenn man ihn nicht mit den Menschen teilt, die einen das Jahr über begleitet haben?

Außerdem weiß ich ja, dass der ganze Druck vor Silvester eigentlich mein Problem ist. Wer hat denn bestimmte Erwartungen, die wahrscheinlich sogar extrem hoch sind? Wer ist beleidigt, dass der Tag anderen nicht so viel bedeutet, wie einem selbst? Ich.

Ich selbst habe mir all die Jahre Druck gemacht, dass der Silvesterabend besonders toll werden muss. Die Party des Jahres mit perfektem Glitzerkleid, ideal gekühltem Sekt und vor allem ganz viel Herzlichkeit. Den Abend mit Menschen verbringen, die diesem Jahr für mich Bedeutung verliehen haben.

Hätte ich das in Leipzig (meinem Wohnort) machen wollen, wäre ich spätestens um ein Uhr nachts an meinem Zeitplan gescheitert. Denn meine Freunde feiern über zig WGs und Partys in der Stadt verteilt. Um sie alle an diesem einen Abend im Jahr um mich zu haben, hätte ich das Angebot an Nachtbussen vollends ausnutzen oder selbst eine Party schmeißen müssen. Letzteres wäre schon aufgrund meines oben genannten Perfektionismus eine mittelschwere Katastrophe geworden. Ich musste einsehen:

Das klappt nicht. Und eigentlich will ich das auch nicht.

Vor ein paar Jahre hätte ich mir nicht vorstellen können, wieder in der Heimat mit meinen Eltern zu feiern. Müsste ich jetzt nicht einen top-organisierten Freundeskreis haben, der gemeinsam eine grandiose Feier auf die Beine stellt? Schließlich bin ich erwachsen, unabhängig, vernetzt, habe mir ein eigenes Leben über 400 Kilometer von zuhause aufgebaut.

Doch die Verlockung ist eine ganz andere: Hier kann nichts schiefgehen.

Obwohl ich sonst sehr eigenständig bin, sind mir viele in den letzten Wochen mit Unverständnis begegnet. Ist es nicht kindisch, bei den Eltern zu feiern? Ich finde nicht. Es ist eigentlich eine sehr erwachsene Entscheidung, sich vom "Wer war auf der besten Party?"-Druck zu befreien. Und den habe nicht nur ich, wie mir einige meiner Freunde bestätigt haben.


Ich werde also zuhause mit meinen Eltern feiern. Ganz ohne Erwartungen, aber dafür mit dem Abba-Song um Mitternacht. Ohne Party, aber dafür mit meiner eigenen Playlist. Ohne meine Freunde, dafür mit den Menschen, die ich und die mich über alles auf der Welt lieben. Für die anderen habe ich ja das Telefon.

Kommt gut ins neue Jahr!


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Döner for One – das sind die besten Parodien des Sketches

31.12.2017, 16:14 · Aktualisiert: 31.12.2017, 18:35

Er geht, er geht, er geht, er....STOLPERT. Über den Tiger. Und irgendwie muss man lachen. Denn "Dinner for One" gucken ist ungefähr so, wie neben jemandem zu sitzen, der einen kitzelt. Immer wieder. Bis man aufgibt. 

Klare Sache, dass dieser Film seit über 40 Jahren für viele Menschen zum festen Silvester-Programm gehört. Der englischsprachige Sketch ist einer der am häufigsten wiederholten Sendungen des deutschen Fernsehens. In England allerdings kennt kaum jemand den Klassiker. 

Kein Wunder: Die Sendung wurde vom NDR aufgezeichnet. Die schrillen Lacher im Hintergrund kommen von Hamburger Theaterbesuchern, die im Jahr 1963 bei der Fernsehaufzeichnung dabei waren. Doch das blieb natürlich nicht die einzige Version des Sketches – mittlerweile gibt es etliche Parodien. 

Das sind die besten Parodien vom 90. Geburtstag der Miss Sophie: