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Fühlen

Meine "Schwiegereltern" mögen mich nicht – was kann ich tun?

19.02.2016, 10:24 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

In unserer Serie "Über-Ich" beantwortet die Psychologin Kathrin Hoffmann eure Fragen.

Paul schreibt:

Ich habe Stress mit meiner Freundin, weil ich nicht zum Familientreffen ihrer Schwester sowie ihren Eltern gehen möchte. Ihre Eltern lehnen mich - seitdem ich mit meiner Freundin zusammen bin (fast zehn Jahre) - aus mir nicht bekannten Gründen ab. Ich fühle mich deswegen sehr unwohl in deren Nähe. Ein klärendes Gespräch ist mit ihren Eltern offensichtlich nicht möglich. 



Muss ich mich verbiegen und dort hinfahren, auch wegen unseres Kindes? Meine Freundin sagt, sie stehe zwischen den Stühlen. Ich meine jedoch, dass sie meine Gefühle respektieren müsste.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Lieber Paul,

offensichtlich steckst du in einem moralischen Konflikt – einerseits möchtest du dich nicht "verbiegen" und deinem Bauchgefühl gehorchen, anderseits möchtest du den Familienfrieden deiner Freundin und deinen Kindern zuliebe wahren.

Ich könnte mir vorstellen, du erhoffst dir von deiner Anfrage eine Unterstützung im Sinne von: "Hör auf dein Gefühl und setz dich gegenüber deiner Freundin durch, sie muss das respektieren". Doch ganz so einfach ist es leider nicht.

Selbstverständlich ist es wichtig, deine Gefühle ernst zu nehmen und dazu zu stehen, doch würden wir in unserem Alltag immer nur nach unseren eigenen Bedürfnissen leben, wären wir schnell ziemlich einsam. Tagtäglich kollidieren unsere eigenen Bedürfnisse mit denen anderer und so sind wir ständig gefragt, Kompromisse auszuhandeln. Also Vereinbarungen, die für uns selbst und für unser soziales Umfeld akzeptabel sind.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Das bedeutet in deinem Fall, zu überlegen, inwieweit du bereit bist, einen Schritt deiner Familie zuliebe zu tun und zum Beispiel zumindest ab und an auf ein Familienfest mitzukommen. Gleichzeitig solltet ihr klären, welche Zugeständnisse deine Freundin an dich machen kann: Zum Beispiel könnte sie respektieren, wenn dir wirklich nicht nach Familientreffen zumute ist. Ihr solltet also aushandeln, wozu ihr jeweils bereit seid, wozu nicht.

Vielleicht kannst du auch überlegen, wie sich das Familienfest so gestalten ließe, dass du dich etwas wohler fühlst. Könntest du dich an diesem Abend noch mehr mit deinem Kind beschäftigen, mehr mit ihm spielen? Und: Gab es schon mal ein Treffen, an dem es etwas leichter für dich war? Was war bei diesem Mal anders?

Frage dich auch, welche innere Einstellung du bräuchtest, um die Situation besser zu bewältigen. Gehst du schon mit den Gedanken zu der Feier: "Das wird bestimmt wieder ein furchtbarer Abend"? Oder: "Die können mich doch eh nicht leiden"? Wie hilfreich sind diese Gedanken? Zu welchem Gefühl und welchem Verhalten tragen sie bei? Welche Einstellung wäre hilfreicher? Ist es nicht das Wichtigste, dass deine Freundin dich liebt und sie seit zehn Jahren zu dir steht? Gib den Schwiegereltern nicht zu viel Macht über dich und eure Beziehung!

Nur wenn ihr beide offen und zugewandt bleibt und nicht dicht macht, könnt ihr Verständnis füreinander entwickeln und eine für beide zufriedenstellende Lösung finden.

Alles Gute für dich und deine Familie!

Deine Kathrin Hoffmann

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