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#MyPillStory: Welche Nebenwirkungen hat die Pille wirklich?

08.04.2016, 11:20 · Aktualisiert: 24.05.2017, 12:10

Wir haben einen Frauenarzt gefragt.

Migräne, Depression, Müdigkeit, Krebs. Seit gut einer Woche teilen Frauen auf Twitter ihre Erfahrungen mit der Antibabypille, versehen mit dem Hashtag #MyPillStory. Der Großteil der Tweets handelt von schlechten Erfahrungen, von Nebenwirkungen, die das Leben der twitternden Frauen zum Teil erheblich beeinflussen.

Allein in Deutschland nehmen sechs bis sieben Millionen Frauen die Pille. Das geht aus dem Pillenreport der Techniker Krankenkasse hervor. Damit ist die Antibabypille die am häufigsten verwendete Verhütungsmethode. Das Problem: Die Pille enthält Hormone, manchmal nur ein Gestagen, meist aber eine Kombination aus Östrogenen und Gestagenen – und die können den weiblichen Körper erheblich beeinflussen. Das gilt übrigens für alle Formen der hormonellen Verhütung, also auch für Verhütungs-Ring, -Stäbchen, -Pflaster, -Spritze und Hormonspirale.

Dass solche hormonellen Verhütungsmittel das Thrombose-Risiko erhöhen, ist seit Langem bekannt. Doch es gibt noch andere mögliche Nebenwirkungen. Einige von ihnen tauchen in den #MyPillStory-Tweets besonders häufig auf. Wir haben bei Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, nachgefragt, wie wahrscheinlich sie wirklich sind – und wie gefährlich.


Kann die Pille Migräne verursachen?

"Es kann passieren, dass eine Frau auf die Pille – und auf alle anderen Formen der hormonellen Verhütung – mit Kopfschmerzen reagiert. Eventuell muss dann eine Verhütung mit weniger oder gar keinen Östrogenen verwendet werden, oder mit einem anderen Gestagen.

Bei anderen Frauen dagegen führt das Fehlen von Östrogen in der Pillenpause zu Kopfschmerzen. Hier hilft zum Beispiel eine östrogenfreie Verhütung oder ein Langzyklus, also das Einnehmen der Pille über mehrere Monate ohne Pillenpause; eventuell kann man auch ein niedrig dosiertes Östrogen während der Pillenpause weiternehmen.

Auf jeden Fall sollte eine Neigung zu Kopfschmerzen mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprochen werden, am besten sogar schon vor der ersten Verwendung der Pille."


Kann die Pille die mentale Gesundheit beeinflussen, also zum Beispiel Angstzustände oder Depressionen hervorrufen?

"Die Hormone, die in der Pille verwendet werden, beeinflussen auch die Stimmung. Viele Frauen bemerken trotzdem im Vergleich zur Situation vor der Pilleneinnahme überhaupt keinen Unterschied. Nur wenige nehmen eine depressive Stimmung wahr oder berichten von einer Verstärkung von Aggressivität und Unausgeglichenheit."



Kann die Pille die Periode auch dann noch verändern, wenn man sie schon längst abgesetzt hat?

"Bei den meisten Frauen setzt die Menstruation nach dem Absetzen der Pille sofort wieder ein, bei anderen kann es einige Monate dauern. Meist geschieht das bei den Frauen, die auch vor der Pille unregelmäßig bluteten, oder solchen, die zwischenzeitlich übergewichtig geworden sind.

Allerdings könnten auch eine Erkrankung der Eierstöcke, eine hormonelle Erkrankung, die sich unbemerkt entwickelt hat, oder vielleicht auch schon ein früher Beginn der Wechseljahre dahinter stecken."


Kann die Pille die Lust auf Sex verringern?

"Manche Frauen bekommen aus medizinischen Gründen Pillen mit Hormonen, die ein Übergewicht an männlichen Hormonen ausgleichen sollen – zum Beispiel wenn Störungen der Körperbehaarung oder der Funktion der Eierstöcke vorliegen. Vor allem solche Pillen können die Libido abschwächen."


Macht die Pille müde?

"Vor allem Pillen, die die Wirkung männlicher Hormone abschwächen sollen, können den Antrieb dämpfen. Manche Frauen erleben das als Müdigkeit."


Kann die Pille Krebs verursachen?

Der Zusammenhang zwischen Pille und Krebsrisiko ist immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Studien. Die Weltkrebsforschungsagentur IARC listet Östrogen-Gestagen-Pillen als krebserregend; die Antibabypille erhöhe das Erkrankungsrisiko für einige Krebsarten, für andere verringere sie es jedoch. Die Organisation "Cancer Research UK" kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: In der Zeit, in der eine Frau die Pille nimmt, steige das Brustkrebs-Risiko leicht; setzt sie die Pille ab, sinke es wieder. Das Gleiche gelte wohl auch für Gebärmutterhalskrebs. Die Gefahr, an einem Krebs der Eierstöcke oder der Gebärmutter zu erkranken, verringere sich dagegen mit Einnahme der Pille.

Gynäkologe Christian Albring meint: "Die Angst vor Krebs ist kein Grund, die Pille nicht zu nehmen."


Die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel können also tatsächlich Nebenwirkungen haben. Christian Albring sagt aber, dass das nicht der Regelfall ist: "Die meisten Mädchen und Frauen vertragen ihre hormonelle Verhütung ausgezeichnet, wenn es gelingt, eine Pille zu finden, die zu der individuellen Situation gut passt."

Wenn Nebenwirkungen auftreten, rät er, zum Frauenarzt zu gehen und um eine Umstellung zu bitten. "Keine Frau muss solche Nebenwirkungen auf Dauer hinnehmen." Im Zweifel gebe es immer noch die Option, es ohne Hormone zu versuchen – mit Kondomen, einer Kupferspirale oder mit natürlicher Verhütung.

Die Geschichte zu #MyPillStory

Gestartet hat das Hashtag die Engländerin Kate Bevan, und zwar, um ihre Freundin Holly Brockwell zu unterstützen. Holly möchte sich gerne sterilisieren lassen, muss sich aber immer wieder – auch von Männern – anhören, sie könne doch auch einfach die Pille nehmen. Doch weder Holly noch Kate kommen gut mit der Pille zurecht. "I suggested that as that's actually quite common, we should ask other women to share their experiences via a hashtag", sagt Kate.

Das Ziel von #MyPillStory ist nicht, die Pille an sich zu kritisieren: "It’s a really good, effective method for millions of women", sagt Kate, "but it's not necessarily the universal panacea many seem to think it is." Sie wolle mit dem Hashtag vor allem Frauen helfen, die bisher glaubten, sie seien allein mit ihren Problemen.

Inzwischen sind tausende Tweets zusammen gekommen, vor allem aus Großbritannien. Das ist kein Zufall, sagt Christian Albring: "In Großbritannien und auch in den meisten anderen Ländern weltweit gibt es nur ganz wenige niedergelassene Frauenärzte, und die Frauen bekommen ihre Verhütung deshalb fast immer von Allgemeinärzten oder in Gesundheitszentren. Dort fehlt es oft an Wissen, um die hormonelle Verhütung wirklich individuell auszuwählen."

Die #MyPillStory-Aktion hält Albring für wenig zielführend: Betroffene Frauen sollten bei Problemen besser direkt zu ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt gehen. "Damit ist ihnen mehr geholfen, als in den sozialen Medien ihren Status quo zu beklagen."


Tech

Telekom drosselt auch Spotify

08.04.2016, 11:17 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Nein! Doch! Ohh!

Die Telekom streicht ihr Spotify-Angebot zusammen: Bisher konnten Nutzer den Musikdienst dazubuchen, ohne dass das monatliche Datenvolumen davon betroffen war. Damit ist jetzt Schluss: Künftig wird auch Spotify gedrosselt, wenn das schnelle Datenvolumen aufgebraucht ist. Die Telekom informiert ihre Kunden mit einem Brief darüber. Wer damit nicht einverstanden ist, kann den Vertrag kündigen.

Als Grund dafür gibt die Telekom die europaweite Verordnung zur Netzneutralität an: Provider sollen keine Angebote mehr bevorzugen, alle Anbieter sollen die gleichen Chancen haben.