Bild: Unsplash

Fühlen

Hier erzählen Frauen, wie sich ihr Leben durch die Pille verändert hat

30.09.2017, 13:30 · Aktualisiert: 30.09.2017, 16:46

Lange Zeit galt sie als Mittel der sexuellen Befreiung – die Pille. Mit ihr konnten Frauen im fruchtbaren Alter endlich Sex haben, ohne befürchten zu müssen, ungewollt schwanger zu werden. 

Mittlerweile weiß man jedoch: Das Hormonpräparat birgt auch Nebenwirkungen. Angefangen bei Stimmungsschwankungen und der Verminderung der Libido bis hin zur tödlichen Thrombose, einer Gefäßerkrankung, bei der sich in den Gefäßen kleine Blutgerinnsel bilden, die zur Lunge wandern können. 

Bei der Mehrheit der Frauen bleibt die Pille dennoch das Verhütungsmittel der ersten Wahl, wie eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2011 zeigt. Befragt wurden 1.750 Männer und Frauen zwischen 18 und 49 Jahren. 

Das Ergebnis: Mehr als jede zweite der befragten Frauen (53 Prozent) nimmt die Pille. Nicht mehr nur zur Verhütung, sondern auch für eine bessere Haut, ein Wachstum der Brüste oder in der Hoffnung auf eine schlankere Taille.

Doch wie erleben die Frauen sich selbst während der Einnahme? Wie macht sich der Eingriff in den Hormonhaushalt in ihrem Alltag bemerkbar? Wir haben drei Frauen gefragt.

(Bild: Imago)

Lucia, 25, studiert Deutsch und Englisch auf Lehramt in Berlin

"Ich nahm die Pille das erste Mal mit 18. Ich hatte damals einen Freund und wollte ein zusätzliches Verhütungsmittel. Außerdem litt ich unter starken Regelschmerzen und hoffte, dass die Pille dagegen hilft. 

Das Leben damit war dann aber sehr ernüchternd. Meine Regelschmerzen waren zwar weg, doch dafür spielten meine Launen verrückt. Ich war emotional super aufgewühlt, brach oft ohne ersichtlichen Grund in Tränen aus, konnte meine Gefühle nicht mehr kontrollieren. 

Ich konnte mich nicht mehr kontrollieren
Lucia

Als ich meiner Frauenärztin davon erzählte, verschrieb sie mir ein anderes Präparat. Geändert hat sich dadurch allerdings nichts: Meine Regelschmerzen waren zwar weiterhin weg, ich selbst blieb jedoch ein emotionales Wrack.

Als mein Freund und ich uns trennten – mit der Pille hatte das aber nichts zu tun! – ging meine Stimmung so richtig in den Keller. Ich beschloss die Pille abzusetzen. Und tatsächlich: Bereits nach wenigen Wochen ging es mir besser. 

Seit einigen Jahren habe ich einen neuen festen Freund. Die Pille nehme ich aber nicht mehr, wir verhüten mit Kondomen. Zwischendurch versuchte ich es mal mit einem Hormonpflaster, aber auch das brachte meinen Gefühlshaushalt vollkommen durcheinander. Ich glaube, mein Körper ist für diese Hormone einfach nicht geschaffen. Warum gibt es eigentlich keine Pille für den Mann?"

Caroline, 29, arbeitet als Sozialpädagogin in Hamburg

(Bild: Imago)

"Ich habe mit 14 Jahren angefangen, die Pille zu nehmen. Nicht zur Verhütung, sondern wegen meiner Haut. Mit Beginn der Pubertät hatte ich starke Akne bekommen und egal, was ich machte, sie ging einfach nicht weg. Meine ältere Schwester meinte dann, dass die Pille dagegen helfen könnte.

Tatsächlich wurde meine Haut bereits nach wenigen Wochen besser. Allerdings bekam ich durch das Kontrazeptivum auch Haarausfall. Meine Gynäkologin verschrieb mir dann eine neue Pille. Mit der klappte alles.

Meine Haut wurde viel besser
Caroline

Mit 27, also nach gut 13 Jahren, setzte ich die Pille das erste Mal ab. Nicht wegen Nebenwirkungen, ich vertrug die Pille sehr gut. Doch ich wollte wissen, ob ich sie für meine Haut überhaupt noch brauchte. Leider waren die Pickel innerhalb kürzester Zeit wieder da. Also ließ ich mir die Pille wieder verschreiben.

Nun nehme ich sie seit insgesamt 15 Jahren. Sie morgens nach dem Zähneputzen zu schlucken, das gehört für mich zum Alltag. Mir vorzustellen, dass das kleine Ding meinem Körper die ganze Zeit vorgaukelt, er wäre schwanger, finde ich allerdings ein bisschen gruselig."

Linda, 25, studiert Kulturwissenschaften in Frankfurt an der Oder

(Bild: Imago)

"Ich war 16, hatte meinen ersten festen Freund und wollte ein sicheres Verhütungsmittel. Also griff ich zur Pille.

Doch während der gesamten Beziehung dachte ich häufig darüber nach, sie abzusetzen. Ich fühlte mich – auch, wenn das komisch klingt – wie in Watte gepackt. Ich nahm die Welt um mich herum anders wahr, alles war irgendwie monoton, ich selbst oft traurig.

Letztendlich überwog für mich jedoch das Argument der sicheren Verhütung, also schluckte ich die Pille fleißig weiter. 

Nach neun Jahren setzte ich sie dann das erste Mal ab. Tatsächlich fühlte ich mich in kürzester Zeit besser: Meine Gefühle waren wieder da, endlich konnte ich mich wieder richtig über eine Sache freuen – oder aufregen. Außerdem hatte ich mehr Lust auf Sex. 

Bis zu diesem Zeitpunkt war mir das nicht klar, aber die Pille hatte meine Libido tatsächlich beeinträchtigt. Da ich sie schon mit Anfang 16 genommen hatte, wusste ich bis dato gar nicht, wie aktiv ich eigentlich sein kann. 

Mehr zum Thema Verhütung? Hier:

Lana Petersen
pixabay.com/stokpic
Lana Petersen
Lana Petersen
Lana Petersen
Bimek
Unsplash
Shutterstock
dpa/Roland Scheidemann
1/12

Das Absetzten der Pille brachte jedoch auch Probleme. Darunter: Pickel und Haarausfall. Bis ich meine Periode wieder bekam, dauerte es knapp sechs Monate. 

Momentan bin ich Single. Wie ich in meiner nächsten Beziehung verhüten werde, weiß ich noch nicht. Die Pille oder Hormonpflaster kommen für mich allerdings nicht in Frage – ebenso wenig wie die Kupferkette. Aber mal sehen. Bis es soweit ist, reichen mir Kondome."


Musik

Wieso Miley Cyrus auf ihrem neuen Album die Zunge drin lässt

30.09.2017, 13:18

Miley Cyrus hat ein neues Album am Start: "Younger Now" heißt die Platte, die seit Freitag in den Regalen steht.