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17.02.2018, 17:10 · Aktualisiert: 23.02.2018, 18:26

Alles nach 21 Uhr ist für mich spät.

Ich geb es nicht gern zu, aber diese Frage verursacht bei mir Übelkeit:

Und, wohin gehen wir am Freitag feiern?

Den einzigen Impuls, den ich spüre: Ich muss mir eine eine plausible Ausrede für dieses Datum einfallen lassen, und zwar schleunig. Doch wer auf diese Frage nicht umgehend positiv reagiert, wird gleich weiter malträtiert.

"Ach komm, stell dich nicht so an!"

"Du bist aber auch 'ne Oma!"

"Schlafen kannst du morgen noch!"

Das sagen meine Freunde, wenn sie mal wieder nicht akzeptieren wollen, dass Feiern für mich eher Tortur ist als Spaß. Bin ich krank, besessen, abnormal?

Autorin Julia Funk: "Bin ich abnormal?"

Autorin Julia Funk: "Bin ich abnormal?"

Nein, Partynächte sind einfach nicht mein Ding. Ich konnte noch nie lange wach bleiben und alles nach 21 Uhr empfinde ich als spät.

Ich vertrage keinen Alkohol, nach eineinhalb Wein schlafe ich ein – Gläser, nicht Flaschen. Und ich mag auch keine Clubs. Zu eng, zu laut, zu stickig.

Mal abgesehen von den üblichen Kommentaren, die ich in diesen Situationen zu hören bekomme, verändern sich durch meine Absagen auch meine Freundschaften.

Häufig kommt es vor, dass ich grundsätzlich nicht mehr gefragt werde, ob ich irgendwo mit hin will. Als wäre ich, weil ich Clubben nicht mag, generell langweilig oder eine Spaßbremse.

Durch meine Absagen verändern sich meine Freundschaften
Autorin Julia

Dass ich nicht feiern gehen will, heißt nicht, dass ich es nicht mag, beim Vortrinken mit Leuten zusammenzusitzen.

Meine innere Uhr diktiert mir zwar, das Geschehen zu verlassen, wenn die anderen aufbrechen – aber bis dahin gefällt mir der Abend und, auch wenn das komisch klingt, ich bin dann auch lustig, beteilige mich an Gesprächen. Natürlich!

Trotzdem werde ich gefragt, was mit mir nicht stimmt, sobald ich mich frühzeitig verabschiede.

Wird meine Persönlichkeit nur auf meine Feiertauglichkeit reduziert? Darauf, wie lange ich nachts beim Trinken durchhalte? Das nervt!

Während sie vortrinken, bin ich schon abgeschminkt. Während sie sich ihren ersten Gin Tonic an der Bar genehmigen, gönne ich mir einen "Träum schön"-Tee. Und wenn meine Freunde gerade ins Bett gehen, stehe ich auf. Ohne Kopfweh, ohne Müdigkeit, aber auch ohne Party-Nacht.

Denn, ein für alle Mal, liebe Freunde, Bekannte, Verwandte: Ich bin eine Lerche, akzeptiert das endlich!

Forscher haben schon vor langer Zeit herausgefunden, dass die meisten Menschen entweder "Früh-" oder "Spät-Typen" sind und diese Typen nach Vorbildern aus der Vogelwelt benannt: Lerchen werden früher müde und stehen früher auf, sie fühlen sich bei Tagesanbruch fit.

Eulen hingegen sind morgens müde und abends leistungsfähig. Egal, welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt: Es ist für beide Typen schwer, sich dem gegenteiligen Rhythmus anzupassen.

Alles klar, ich bin raus!

Alles klar, ich bin raus! (Bild: Unsplash)

Die verschiedenen Typen, auch Chronotypen genannt, lassen sich bestimmen, indem verschiedene Merkmale wie der Hormonspiegel, die Körpertemperatur oder das Leistungsvermögen eines Menschen analysiert werden.

Je nach Typ ist die Ausprägung der einzelnen Merkmale zu bestimmten Tages- oder Nachtzeiten höher oder niedriger.

Wenn mir also jemand sagt, ich solle doch bitte mit feiern kommen, wenn ich dafür länger schlafen kann, dann funktioniert das nicht: Ich wache um 7 Uhr auf, auch wenn ich erst um 5 Uhr ins Bett gegangen bin.

Ich bin, wie ich bin – es ist meine Identität, früh ins Bett zu gehen und wieder aufzustehen. Und es widerspricht meiner Identität, betrunken in engen Diskos abzuhängen.

Und dennoch frage ich mich manchmal: Was, wenn ich doch mal einen extrem wichtigen Moment verpasse?

Meine beste Freundin hat ihre große Liebe in einem Club kennengelernt. Ich war nicht dabei. Zwei Kumpels erzählten mir neulich vom "lustigsten Abend seit Menschengedenken" und einer nächtlichen Pizza-Orgie. Ich war nicht dabei.

Nachts, auf Partys, passieren wichtige Dinge, das ist wohl so in meinem Alter. Wenn sich mein kompletter Freundeskreis noch Jahre später über etwas amüsiert, über das ich nicht lachen kann, dann ist das unangenehm für mich.

Aber ich komme aus meiner Haut nicht raus. Und ich habe für mich beschlossen, das auch zu akzeptieren – und dafür zu sorgen, besondere, lustige Erfahrungen mit meinen Mitmenschen auf anderen Wege zu sammeln.

Ich verabrede mich öfter als andere für einen ganzen Nachmittag im Café. Ich plädiere für frühe Abende mit Wein, für Fernsehnachmittage. Ende: nicht offen – aber bis mindestens 21 Uhr.


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So widerlich reagiert die AfD auf die Freilassung von Deniz Yücel

17.02.2018, 14:57 · Aktualisiert: 17.02.2018, 20:23

Alle freuen sich, dass der deutschtürkische Journalist Deniz Yücel frei ist. Nach 367 Tagen ist er aus dem türkischen Gefängnis entlassen worden, in dem er ohne Anklage festgehalten worden war (hier sind die Details).

Alle freuen sich? Nein, die AfD freut sich nicht. Die hetzt nun munter gegen den Journalisten.