Fühlen

​Warum ich keinen perfekten Sex habe – und das auch gar nicht will

11.01.2017, 18:37 · Aktualisiert: 11.01.2017, 20:22

Eine der besten Nächte meines Lebens begann wie eine schlechte Komödie: Manuel und ich waren heftig verliebt. Als er von einem Kongress zurückkam, konnte ich es kaum erwarten, ihn wiederzusehen – und endlich mit ihm zu schlafen. Wir gingen essen, später legten wir uns in mein Bett, teilten uns Wein, zogen uns aus – doch kurz, bevor wir es tun wollten, verabschiedete sich seine Erektion.

Wer ist Livia?

Livia Augustin, Mitte 20. Kaffee, Wein und Worte sind ihr Elixier. In der bento-Sexkolumne resümiert sie Schlüsselmomente, durch die sie lernte, was sie (nicht) will – im Bett und im Leben.

Er war enttäuschter als ich. Wir hatten doch noch die ganze Nacht Zeit – und hoffentlich auch noch viele weitere, sagte ich. Langsam begannen wir, uns wieder zu streicheln, und beim nächsten Versuch klappte alles. Bei Kerzenlicht sahen wir uns in die Augen und begannen, Liebe zu machen – ein Ausdruck, den ich sparsam verwende, doch diesmal war es genau das.

Leider spürte ich schon nach 30 Sekunden einen Schmerz auf meinem Schenkel. Ich ignorierte es erst, spürte es aber bald wieder. Dann sah ich, dass auch Manuels Gesicht sich vor Schmerz verzog. Die verdammte Kerze tropfte von meinem Hängeregal auf uns herab. Es tat zu weh, um weiterzumachen.

Und auf einmal musste ich lachen. Nicht hämisch, nicht frustriert, sondern aus vollem Herzen. Ich konnte es nicht fassen. Wir wollten einfach nur Sex haben, doch stattdessen steckten wir in einer Pannensequenz, die in jedem Filmskript zu unglaubwürdig wäre.

Mein Lachen steckte Manuel schließlich an. "Ich mag dich so sehr. Diese Erinnerung ist viel einzigartiger, als wenn alles glatt gegangen wäre", sagte ich. Bald darauf lagen wir uns wieder in den Armen. Der Sex, der folgte, war einer der besten meines Lebens.

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Lana Petersen
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Zu dem Zeitpunkt sah ich Sexpannen ziemlich entspannt. Das war nicht immer so: Mit 15 versuchte ich, mit meinem ersten Freund zu schlafen und trotz Unmengen Gleitgel war es wieder und wieder schmerzhaft. Irgendwann sagte er, es müsse doch langsam mal klappen.

Heute glaube ich, mit 15 war ich einfach nicht bereit. Doch damals war es mir wahnsinnig peinlich, "nicht einsatzfähig" zu sein. Dass meine Feuchtigkeit "nicht ausreicht", passiert mir auch mit Mitte 20 noch manchmal – je nach Zyklusphase zum Beispiel oder Größe des Penis’. Manche verunsichert das, dabei helfen Gleitgel und Entspanntheit wunderbar.

Noch verunsicherter sind nur Männer, wenn es bei ihnen selbst nicht klappt. Das sollten sie nicht sein, finde ich. Ein Freund von mir hat mir seine Erektionsprobleme anvertraut und resümierte dazu ziemlich passend: "Ich studiere zwar Robotik, aber ich bin kein Roboter!" Seine Geliebte, bei der es nicht geklappt hatte, sah das leider anders und schmollte.

Auch eine Freundin von mir sagte mal: "Also, ich denke dann, dass der Mann mich nicht attraktiv genug findet." Diese Idee war mir ehrlich gesagt gar nicht gekommen. Ich wusste ja, wie toll Manuel mich fand. Und ich finde es auch logisch, dass die Aufregung bei Männern mal Überhand gewinnt. Hier liegt es an uns Frauen, entspannt zu reagieren statt beleidigt.

Sex ist nicht perfekt, im Gegenteil: Er bietet reichlich Gelegenheit für Pannen aller Art. Sei es, dass einem beim Sex im Freien ein fieses Insekt sticht oder man sich beim Blasen übernimmt und sich, nun ja, übergibt. Ich dachte, ich wäre die einzige, der so etwas passierte, bis ich von mehreren Freunden Ähnliches hörte.

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Lana Petersen
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Diese Kolumne hat mich reflektieren lassen, was ich in all den Jahren mit Partnern und Partnerinnen gelernt habe. Dinge, die mir wichtig sind:

  • Respekt, egal ob in einer Beziehung oder bei einem One-Night-Stand
  • Empathie und Interesse am Genuss des anderen
  • Kondome und Verantwortungsbewusstsein bei sexuell übertragbaren Krankheiten.

Sowie Dinge, die gar nicht gehen:

  • Machogehabe
  • Egoismus im Bett
  • Menschen, die einen herablassend behandeln, weil man unverbindlichen Sex mit ihnen hatte (Hallo? Du warst genauso beteiligt!)
  • Drängen, Übergriffe – auch hier: egal, ob in einer Beziehung oder mit jemand Unbekanntem.

Ich wünsche mir, dass wir noch offener über Sex reden – nicht unbedingt (nur) über die krassesten Orgasmen, sondern über alles, was dazu gehört, fernab vom Filmreifem.

Sex ist nicht perfekt – und trotzdem gibt es kaum eine schönere Beschäftigung. In dem Sinne: Entspannen wir uns und genießen wir es.

Im Quiz: Hier kannst du testen, wie durchschnittlich deine Beziehung ist

(Dabei haben wir mit verschiedenen Studien gearbeitet. Mit welchen? Das haben wir hier aufgelistet.)


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