Fühlen

"Ihr macht was?" Wie ich meiner Schwester meine offene Beziehung beichtete

04.08.2016, 18:08 · Aktualisiert: 04.08.2016, 18:15

​"Mach’ dich locker, Schwesterchen!"

Zwischen mir und meiner Schwester liegt fast ein Jahrzehnt. War eine fertig mit dem pubertärem Wahnsinn, ging es für die andere los. Dementsprechend oft stritten wir uns. Erst als wir uns nicht mehr jeden Tag sahen, entspannte sich unser Verhältnis. Irgendwann konnten wir sogar sagen: Wir sind Freundinnen.

So beschlossen wir vor einigen Jahren ein Wagnis: Urlaub zu zweit. Ohne Eltern, Partner oder sonstige Anhänge. Nur wir Zwei auf großer Fahrt. Muhaha! Konnte das gutgehen?

Denn schwesterliche Freundin hin oder her: Es ist schwer, mit alten Gewohnheiten zu brechen - noch dazu im gemeinsamen Urlaub. Und auch wenn wir uns in vielen Punkten unterschieden, so teilten wir doch unser hitziges Temperament.

Nach langem hin und her beschlossen wir, unser beider Herzenswunsch zu erfüllen: ein Trip nach New York City. Die acht Flugstunden nutzten wir, um uns gegenseitig auf den neusten Stand zu bringen. Einzig die offene Beziehung mit ihrem Schwager in spe ließ ich außen vor.

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Lana Petersen
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Denn leider neigte meine Schwester dazu, rasch zu urteilen. Fand sie etwas unpassend, sagte sie es auch. Doch nicht ihre Ehrlichkeit ließ mich manchmal verzweifeln, sondern ihr Unwillen, eine gegenteilige Meinung zu akzeptieren.

Meine offene Beziehung wäre das perfekte Thema, um unseren Urlaub in einen zehntägigen Horrortrip zu verwandeln. Nein, Danke!

Leider durchkreuzte ein durchtrainierter Venezolaner namens Dario meine Pläne.

Der Hotelmanager und ich hatten nämlich schon beim Einchecken in unser Hotel intensive Blicke getauscht. Er gab mir seine Visitenkarte, hinten hatte er seine private Nummer gekritzelt – und die Bitte, sich doch einen Abend in der Hotelbar zu treffen.

Drei Abende später wollte meine Schwester mit ihrem Freund telefonieren, der gerade in Bangkok lebte. Um ihnen wenigstens ein bisschen Zweisamkeit zu gönnen, ging ich schon mal allein an die Hotelbar, bevor wir weiter ins Restaurant wollten.

Dann gesellte sich Dario zu mir.

Die Amerikaner, die ich kannte, waren so prüde, dass selbst der Papst blass wurde und Latinos mindestens so katholisch. Zwar war Dario ein regelmäßiger Kirchgänger, stets in Begleitung seiner Mutter – doch fiel er beim Thema offene Beziehung nicht vom Barhocker, sondern schwärmte von Clubs, die Gäste nur mit Passwort betreten durften, weil sie eigentlich illegal waren. Ein Crashkurs in amerikanischer Swinger-Kultur.

So vertraut quatschend, fand meine Schwester uns schließlich. Ganz verknautscht schaute sie mich an.

Kaum hatten wir das Hotel verlassen, legte sie schon los:

"Was flirtest du denn hier? Du hast doch Leo zu Hause. Hast du aus deinen Fehlern nicht gelernt? Gegessen wird zu Hause. Du weißt gar nicht zu schätzen, was du an Leo hast."

Da hatte ich genug, packte meine Schwester am Arm und drehte sie zu mir herum. "Jetzt halt aber mal die Luft an!", polterte ich auf offener Straße. "Was weißt du schon über meine Beziehung? Leo und ich schlafen seit über zwei Jahren auch mit anderen und uns geht es prima damit. Mach’ dich locker, Schwesterchen."

Zack! Mentaler mic drop.

Meine Schwester sah mich an. "Ihr macht was?" Heilige Scheiße, ich und mein großes Mundwerk. "Wir führen eine offene Beziehung", erklärte ich. "Warum?" "Weil wir es so wollen." "Und nutzt ihr das auch beide?"

Ich lachte und dachte an Leo, der gerade eine Blondine datete, die er in der Mensa aufgegabelt hatte. "Ja, wir nutzen es beide. Zusammen und allein." Meine Schwester starrte mich an. "Und wieso hast du es mir nicht gesagt?"

Jetzt musste ich deeskalieren. Einatmen. Ausatmen.

"Weil ich weiß, dass es etwas ist, was du nicht nachvollziehen kannst. Und in den meisten Fällen, wenn du etwas nicht nachvollziehen kannst, urteilst du und machst es schlecht. Obwohl du nicht weißt, wovon du redest. Leo und ich reden viel darüber, wie es uns mit der Beziehung geht, damit beide glücklich sind."

Wir gingen schweigend weiter. Ich spürte, dass sie das Gesagte langsam verarbeitete. "Anna?" sagte sie plötzlich, "passt nur gut auf euch und euer Glück auf." Ich nickte und nahm sie lächelnd in den Arm.

Und was sollte schon zwischen mich und mein Glück mit Leo kommen?

Mehr Sex!


Art

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04.08.2016, 18:07 · Aktualisiert: 04.08.2016, 18:31

Hyperrealistische Portraits aus Budapest.

Flora Borsi, 22 Jahre alt, ist bildende Fotokünstlerin. Die Ungarin hat eine Vorliebe für Surreales und wollte schon seit sie fünf ist Künstlerin werden. Sie kreiert Fotomanipulationen, die bunt, mysteriös und wundervoll wirken. Von der Fotografie kam sie zur Bildbearbeitung – und wirkt wie eine moderne Interpretation von Salvador Dalí.