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"Typen spuckten uns an": Was Muslime nach dem Anschlag in Berlin erleben

22.12.2016, 17:45 · Aktualisiert: 22.12.2016, 18:27

Als am Montagabend ein Lkw in die Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt raste, waren Hunderte Menschen vor Ort. Zwölf wurden getötet, Dutzende verletzt. Der "Islamische Staat" beanspruchte das Attentat anschließend für sich, die Fahndung nach dem möglichen Attentäter Anis Amri läuft (hier erfährst du mehr darüber).

Überall in Deutschland vereinen sich Menschen, um zu gedenken und sich gegenseitig Halt zu geben. Gleichzeitig nutzen aber auch immer wieder rechte Gruppen die Situation, um ausländerfeindliche Parolen zu verbreiten, um Misstrauen gegen Flüchtlinge zu schüren – und allgemeinen Hass gegen Muslime: So versammelten sich am Mittwoch AfD-Anhänger vor dem Kanzleramt, in der Nähe des Tatorts rief die NPD in einer Demo auf: "Grenzen dicht machen!" (bento)

Auf Facebook berichten nun einige Muslime von Übergriffen. Wir haben sie gefragt: Wie geht es euch persönlich nach dem Attentat – hat sich etwas für euch verändert?

Asmae, 21, aus Marburg

Asmae, 21

Asmae, 21

"Ein Tag nach dem Attentat in Berlin war ich mit zwei Freundinnen in Frankfurt unterwegs. Wir waren auf dem Weg ins Museum und so in ein Gespräch vertieft, dass wir gar nicht bemerkten, dass sich zwei Männer auf Fahrrädern näherten. Die Männer fuhren ganz nah an uns vorbei – und schrien: 'Fuck Islam. Verschwindet endlich aus unserem Land!'

Beim Vorbeifahren spuckten sie uns an und, weil ich am Rand stand, bekam ich das meiste ab. Wir waren total schockiert.

Was musst du über Islamismus und Terror wissen? Das sind unsere besten Texte zum Thema:

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Ich ging einfach weiter. Aber meine Freundinnen blieben stehen, schauten sich noch mal um. Einer der Männer schrie uns weiter an, beleidigte uns.

Als er endlich weg war, habe ich angefangen zu weinen. Klar, ich habe schon mehrmals Sprüche gehört, ich hatte aber noch nie Angst auf der Straße. Aber dieses Mal war es anders: Ich wollte nur noch weg.

Ein junger Mann, der das alles gesehen hatte, kam dann zu uns. Er selbst war schockiert und versuchte, uns zu trösten. Er meinte, dass wir Hass nur gemeinsam besiegen können. Das hat mir dann echt Mut gemacht."

Samet, 21, aus Berlin

Samet, 21

Samet, 21

"Am Dienstagabend setzte sich in der U-Bahn eine ältere Frau neben mich. Sie rief: 'Die Araber haben unsere Stadt angegriffen. Scheiß Araber!'

Rumschreiende Leute gibt es in Berliner U-Bahnen tagtäglich, manchmal sind sie auch alkoholisiert. Aber so expliziter Fremdenhass, das war neu. Zuerst habe ich das ignoriert. Wenig später ist aber eine arabische Familie eingestiegen – mit einem Mädchen, das vielleicht 13 Jahre alt war. Sie saß im Rollstuhl.

Die Frau schrie weiter und schaute dabei die arabische Familie an. Als sie dann sogar aufstand und auf die Familie zuging, bin ich eingeschritten und habe gesagt, dass sie aufhören soll. Ein weiterer Mann hat sich ebenfalls eingemischt. Später stieg sie aus. Das Interessante: Sie hatte selbst einen ausländischen Akzent.

Der Terror hat Deutschland getroffen. Aber das darf uns nicht davon abhalten, unser Leben weiterzuführen. Ich werde weiter auf Weihnachtsmärkte gehen. Wir dürfen nicht in Angst versinken. Denn wenn wir das tun, gewinnt der Terror."

Seyma, 21, aus Frankfurt

Seyma, 21

Seyma, 21

"Ich war gestern in München mit meiner Schwester und meiner Freundin spazieren. Als wir an der Ampel waren, stand meine Schwester auf dem Fahrradweg.

Plötzlich kam ein Radfahrer vorbei und rammte sie mit seinem Ellenbogen. Klar, so etwas kann vielleicht auch versehentlich passieren. Aber es schien so, als ob das ganz bewusst war. Wir waren total schockiert.

Meine Freundin hat ihn dann gefragt, was das soll und ob er nicht aufpassen kann. Er hat sich weder entschuldigt noch versucht sich zu rechtfertigen.

Wie haben Augenzeugen den Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin erlebt? Zum Klicken:

Leister
Annika Leister
Annika Leister
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Nach dem Berlin-Attentat habe ich das Gefühl, dass sich etwas verändert hat. Die Leute schauen einen manchmal komisch an. Aber ich möchte mich von solchen Ereignissen nicht runtermachen lassen. Und außerdem: Die Mehrheit der Deutschen denkt nicht so wie irgendwelche Fremdenhasser.

Noch am selben Abend war ich mit meinen Freundinnen, die fast alle ein Kopftuch tragen, in einem Café. Am Tisch sprachen wir über Frauenrechte. Ein Mann, der in unserer Nähe saß, hörte offenbar zu. Auf einmal meinte er, dass er unsere Diskussion sehr interessant findet und dass er es klasse findet, dass wir uns für solche Themen interessieren und einsetzen. Das fand ich toll."

Nigar – lebt in Münster. Mehr möchte sie nicht preisgeben.

"Es gibt wenige, die wirklich ihre Meinung sagen und offen rassistisch sind. Viele nuscheln etwas leise vor sich hin, weil sie sich nicht trauen, laut etwas gegen Ausländer zu sagen. Attentate wie in Berlin geben solchen Menschen aber Mut – dadurch werden sie lauter.

Ich finde nicht, dass man in solchen Fällen laut zurück schreien oder sogar aggressiv werden sollte. Doch man sollte etwas sagen, selbstbewusst sein. Vielleicht so etwas wie: 'Sie kennen mich gar nicht. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Sie können nicht einfach ihren Hass an mir rauslassen!'"


Art

Welche Band ist das?

22.12.2016, 17:16 · Aktualisiert: 22.12.2016, 18:44

Was macht ein studierter Anwalt, der aber eigentlich viel lieber Filmemacher oder zumindest Motion Designer sein möchte? Richtig: Nach Feierabend sitzt er vor den Computer und schaut sich YouTube-Videos an, um die Computerprogramme und Fähigkeiten zu lernen, die er für seinen Traumberuf braucht.

Genau so hat es Davit Gyumishyan gemacht.