Bild: Marc Röhlig

22.12.2017, 10:25

Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist in vielen arabischen Ländern Normalität. Vor allem junge Männer begreifen es als eine Art Sport, Frauen auf der Straße hinterherzurufen, sie zu begrabschen, ihnen nachzustellen. Häusliche Gewalt und Vergewaltigungen sind keine Seltenheit, oft schützen veraltete Gesetze die Männer vor Strafverfolgung.

Dann kam "MeToo" – erst als Debatte über sexuelle Nötigung in Hollywood (bento), dann als weltweiter Aufschrei, der sich über soziale Medien verbreitete.

Und die arabische Welt blieb: still.

Dort, wo ein Bewusstsein gegenüber sexuellen Übergriffen gebraucht wird, blieb der Hashtag #MeToo beinahe stumm. Woran liegt das?

3 Gründe:

1. Es gab nicht einen Hashtag – sondern gleich fünf verschiedene.

In den arabischen Netzwerken, auf Twitter und Facebook, wurde der englische Hashtag #MeToo nur selten geteilt. Stattdessen gab es die arabischen Übersetzungen, allerdings gleich in vier Ausprägungen: "أنا_كمان","انا_ايضا","وأنا_كمان","وانا_ايضا". In der Übersetzung "Ich auch" und "Und ich auch", dann noch je einmal auf Hocharabisch und umgangssprachlich.

Eine einheitliche Debatte konnte so nicht aufkommen.

Das sind einige der englischen Tweets, die in der arabischen Welt herumgingen:

1/12

2. Einige Frauen sind der Meinung, dass die Debatte längst da ist.

In Ägypten haben laut der Uno 99 Prozent aller Frauen bereits sexuelle Belästigung erlebt (Daily News Egypt). Lange wurde das totgeschwiegen. Doch in den vergangenen Jahren habe es ein Umdenken gegeben, sagt Amal Abdel Hady.

Hady ist Vorsitzende der "New Women Foundation" in Ägypten, einer Organisation, die sich für Frauenrechte einsetzt. "Es gibt mittlerweile eine große Bereitschaft, sich zu öffnen und Erfahrungen auszutauschen", sagt Hady. 2008 wurde erstmals ein Fall sexueller Belästigung vor Gericht verhandelt, seitdem gebe es immer mehr solche Prozesse. Vor allem die Revolution von 2011, als der Diktator Husni Mubarak gestürzt wurde, habe Frauen Auftrieb gegeben.

"Frauen haben jetzt den Mut, den Mund aufzumachen", sagt Hady. Dieses Tabu sei nicht erst durch "MeToo" gebrochen worden.

3. Andere sagen, dass die Angst noch zu groß ist.

Lina Abirafeh, Leiterin des Instituts für Frauenstudien in der Arabischen Welt, beklagt ein großes Schweigen. "Es gab ein Tröpfeln, aber die meisten sind verängstigt", sagte sie CNN zum fehlenden Aufschrei nach "MeToo". Viele Frauen würden die Schuld nach Übergriffen bei sich suchen – und daher oft nichts sagen, um nicht stigmatisiert zu werden.

  • Entsprechend blieben auch die Social-Media-Kanäle stumm: aus Schande.

"Das Patriarchat ist immer noch sehr stark in der arabischen Welt", sagt Abirafeh. So entstehe eine "Wir machen das schon immer so"-Haltung bei Übergriffen – und der Eindruck, dass sexuelle Gewalt gar nichts falsches sei.

Die Gewalt hat in vielen arabischen Ländern oft mit Macht zu tun, weniger mit der Stellung von Mann und Frau.

Es ist vor allem ein politisches Problem:


Food

Ein Eis in Island darf nicht "mit Liebe gemacht" werden

22.12.2017, 10:18 · Aktualisiert: 03.01.2018, 15:04

In der isländischen Shopping Mall Hlemmur Mathöllin steht der Eisladen Ísleifur Heppni – ein Familienbetrieb. Weil dort seit Generationen Eis von Hand gemacht wird, wollte das Unternehmen jetzt sein Eis mit einem ziemlich klassischen Spruch verzieren. "Mit Liebe gemacht" sollte fortan auf den Bechern stehen. 

Doch das isländische Gesundheitsamt hat entschieden: Dieser Spruch geht zu weit.