07.06.2018, 12:30 · Aktualisiert: 08.06.2018, 08:56

Wir müssen reden. Über "Lookism".

Bäh, bäh, bäh: Männer in Flip-Flops, Tennissocken, kurze Hosen.

Jedes Jahr der gleiche Blödsinn: Frauen lästern in Artikeln (Welt) in Gesprächen in der Bahn oder im Büro darüber ab, wie sich die Herren im Sommer kleiden oder am besten nicht kleiden sollten – weil nackte Männerfüße, -beine und -arme ja so unangenehm anzuschauen seien.

Das, meine Damen und Herren, hat einen Namen: "Lookism". Es bedeutet, jemanden aufgrund seiner äußeren Erscheinung zu diskriminieren (Journal of Libertarian Studies). Es ist ekelhaft. Es ist genauso schlimm, wie Frauen wegen ihrer Röcke, Ausschnitt oder Schminke zu verurteilen.

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Schrieben aber Männer Kolumnen darüber, dass Frauen sich gefälligst etwas mehr bedecken sollten, weil der Anblick ihrer Beine nicht zu ertragen sei:

Hello Shitstorm!

Dabei ist es eigentlich sehr einfach:

Männer und Frauen sollten tragen, was sie wollen und was sie schön finden.

Es ist eine armselige Eigenschaft, über das Äußere anderer Menschen zu lästern. Das ist das Handeln und Denken eines Menschen, der sich selbst über andere erheben muss, um sich besser zu fühlen. Es ist würdelos.

Wenn über das Äußere von anderen zu lachen, zu lästern und sich zu beschweren wirklich eine Beschäftigung für jemanden ist, dann tut mir diese Person leid. Denn noch einmal: Es ist völlig egal, welche Kleidung jemand trägt.

'Lookism' ist ekelhaft.
Kathrin Weßling

Frauen brauchen keinen "Beachbody" und Männer dürfen Flip-Flops tragen. Wir sind nicht mehr in den Fünfzigern.

Wir rühmen uns gern damit, dass wir eine freie und tolerante Gesellschaft sind. Dass wir dafür kämpfen, diese Freiheit zu beschützen. Und dann beschneiden wir sie beim erstbesten Anlass – der Kleidung? Das ist lächerlich.

Also, liebe Urheberinnen und Urheber solcher Aussagen: Sexismus und "Lookism" ist nichts, was nur in eine Richtung passiert. Zu fordern, dass Männer keine Flip-Flops tragen oder keine kurzen Hosen, wäre umgekehrt ein Skandal.

Vielleicht überlegt ihr beim nächsten Mal einfach, ob das, was ihr anderen verbieten wollt, nicht etwas ist, das ihr euch niemals einfach so wegnehmen lassen würdet.


Grün

Die Deutschen verbrauchen immer weniger Plastiktüten – die neue Müllgebühr wirkt

07.06.2018, 12:10 · Aktualisiert: 07.06.2018, 11:47

Manchmal können ein paar Cent viel erreichen. Zum Beispiel bei Plastiktüten: Die verwenden die Deutschen viel weniger, seit sie kaum mehr gratis zu haben sind. 

2016 hatte jeder Deutsche im Schnitt noch 45 Plastiktüten aus den Läden getragen – Im Jahr 2017 waren es nur noch rund 29. 

Die Zahlen stammen von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung.