Fühlen

Schluss mit Schlampe: Was unser Sexkolumnist als nächstes vor hat

23.03.2016, 18:13 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Und, wie war ich?

Ich bin eine Schlampe", habe ich diese Kolumne begonnen. Ich war etwas schockiert, als ich für die erste Folge nachzählte, mit wie vielen Frauen ich eigentlich geschlafen habe. Denn Sex war eigentlich nie das Hauptziel.

Ich habe in den Wochen aber tatsächlich viel darüber nachgedacht, wie ich eigentlich rüberkomme in dieser Kolumne. Was Max Varon hier erzählt hat, ist ein nicht geringer Teil meines Sexlebens der vergangenen paar Jahre: die Erlebnisse und die Gedanken, die ich mir dazu machte.

Am meisten liebte ich den Moment, kurz bevor wir uns küssten. Wenn ich merkte, dass ich mich nicht getäuscht hatte. Dass mich eine attraktive Frau auch anziehend fand. Von hier an war alles möglich: Die Liebe unseres Lebens. Oder wenigstens eine gute Erinnerung.

Die Kehrseite: Aus vielen Affären hätte mehr werden können. Ich bin häufig umgezogen und war in Fernbeziehungen nie gut. Manchmal habe ich es einfach selbst verkackt und Beziehungen beendet, die mit ein bisschen mehr Einsatz oder Verständnis wieder gut geworden wären. Ich habe dabei jedes Mal meine beste Freundin verloren.

Manchmal habe ich es einfach selbst verkackt.

Für mich sind meine vielen Sexpartner weder ein Grund für Scham noch Stolz. Ich finde es richtig, wählerisch zu sein, wenn man den Partner fürs Leben sucht. Aber wo ist die Grenze zwischen wählerisch und feige?

Ich bin kein Fan von Generationen-Porträts, aber mir fallen aus dem Stand fünf Freundinnen Mitte bis Ende Zwanzig ein, die die Entscheidungsunlust ihrer Männer in den Wahnsinn treibt. Andrea wartet auf Thorstens Antrag. Susis Freund will neuerdings "ein bisschen mehr ausprobieren, auch mit anderen Frauen."

Anja hat gerade den Typen abgeschossen, der froh war, dass sie "auch so locker" ist. Ihr Liebesleben ist ein einziger Murmeltiertag, der verlässlich ein halbes Jahr lang dauert.

Ich kann manche dieser Männer gut verstehen. Ich bin ja selber so. Keine Liebe ist nach einem Jahr noch so aufregend wie in den ersten Wochen. "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" schreibt Hermann Hesse. Und wenn der Zauber verflogen ist, Herr Hesse, was dann?

Vielleicht sind wir heute genauso bindungsunfähig wie eh und je, vielleicht sind Frauen genauso schlimm wie Männer. Es ist auch völlig egal. Jeder Endzwanziger, der sich vergeblich eine verlässliche Beziehung wünscht, ist tragisch. Weil es eine Zeit ist, in der wir über Kinder nachdenken, eine Stadt suchen, in der wir uns wohlfühlen und einen Job, der uns erfüllt. Bei alldem kann man jemanden, der einen von ganzem Herzen liebt und stützt, echt gut gebrauchen.

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Niemand, den ich kenne, stellt sich unter einem glücklichen Leben eine lebenslange Kette von Kurzzeit-Beziehungen vor.

Und ich? Ich bin seit eineinhalb Jahren mit meiner Freundin zusammen. Ich liebe es, sie anzusehen, sie zu berühren und mit ihr zu schlafen. Sie zählt zu den lustigsten Menschen, die ich kenne. Sie hat eintausend niedliche Angewohnheiten, auf die ich nicht mehr verzichten möchte.

Auch mit ihr ist nicht mehr alles wie in den ersten Wochen. Die Insiderwitze sitzen, die kleinen Lästereien über den anderen auch. Manchen Abend verdösen wir auf der Couch, manchen verbringen wir lieber mit Freunden als miteinander.

Das könnte reichen, um mir einzureden, ich sei unzufrieden. Dass woanders noch eine bessere Frau auf mich wartet. Ich weiß das, ich habe es oft genug getan.

Auch mit ihr ist nicht mehr alles wie in den ersten Wochen.

Meine aktuelle Beziehung wird bald die längste meines Lebens sein. Es soll auch die letzte sein.

Denn eines haben mich die Episoden, von denen ich hier einige erzählt habe, gelehrt: Liebesglück ist nie objektiv, sondern immer eine Frage der eigenen Perspektive. Immerhin bin ich sicher, in den letzten Jahren nichts verpasst zu haben.

Ich will nicht wie Lester Burnham in "American Beauty" sein, der mit Anfang 40 einer viel jüngeren Frau nachhechelt. Ich habe den Spaß des schnellen Liebes-Abenteuers ausgekostet, ich habe genug.

Ich bin bereit für etwas Neues. Ich war gut darin, eine neue Bekanntschaft für mich zu begeistern. Jetzt möchte ich gut darin werden, ein Mann fürs Leben zu sein. Ich will mit dieser Frau zusammenziehen, ich will Kinder mit ihr haben. Das ist neu für mich. Das ist aufregend. Ich weiß nicht, ob es auch nach Jahren noch Spaß macht, mit mir zusammen zu sein. Ich habe keine Ahnung, ob ich ein guter Vater bin. Aber ich werde es rausfinden.

Wünscht mir Glück.