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Fühlen

"I love you" oder "Ich liebe dich": Was ist ehrlicher?

26.04.2016, 10:12 · Aktualisiert: 01.05.2016, 18:34

Amerikaner benutzen die drei Worte inflationär oft. In Deutschland nehmen sich viele Paare Zeit, bis sie sie zum ersten Mal sagen. Gemeint sind "I love you" beziehungsweise "Ich liebe dich".

Das Meinungsforschungsinstitut yougov kann diese gefühlte Tendenz jetzt mit Zahlen belegen: 49 Prozent der Amerikaner sagen den Satz täglich. In Deutschland sind es hingegen nur 25 Prozent.

Wieso das so ist, versucht Anatol Stefanowitsch, Anglizist und Sprachwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, zu erklären: "In Amerika zeigen sich Paare ihre Zuneigung oft durch die Sprache. In Deutschland geschieht das eher auf eine körperliche Art, zum Beispiel durch eine Umarmung."

Hinzu kommt: Die Wörter "I love you" benutzen Amerikaner nicht nur für die Liebespartnerin oder den Liebespartner. Ein ‘I love you man, you are such a funny guy’, zu einem Freund zu sagen, sei nichts Außergewöhnliches, so Stefanowitsch. Eltern, Geschwistern und Freunden sagt man in Amerika häufig, dass man sie liebt. "In Deutschland ist das 'Ich liebe dich' hingegen auf romantische Beziehungen beschränkt", sagt Stefanowitsch.

Woher kommt das? Sind wir Deutschen zu spießig, wenn es um den romantischsten Satz der Welt geht – oder die Amerikaner zu locker?

Wir haben junge Amerikaner und Deutsche gefragt, was sie davon halten:

Carola Remer, 28, Model in New York, aus Ennepetal

(Bild: Carola Remer)

Ich lebe jetzt seit sechs Jahren in den Staaten, bin aber in Deutschland aufgewachsen. Mittlerweile sage ich auch "I love you" zu meinen Freundinnen hier, obwohl ich das in Deutschland nie machen würde.

Viele Deutsche meinen, dass die amerikanische Mentalität oberflächlich sei. Ich finde, die Amerikaner äußern ihre Liebe einfach schneller: Sie haben keine Angst davor, ihre Zuneigung auch mit Sprache zu zeigen.

So sieht Liebe aus – die Fotostrecke:

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"If you don’t have something nice to say, better say nothing at all" – das haben mir meine Freunde beigebracht. Ich habe in New York gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Denn Freundlichkeit geht hier über alles. Ich finde: In jedem Land gibt es andere Gesetze, so wie es auch anderes Essen gibt. Warum sollte das nicht auch für die Sprache gelten?

Scott Lopez, 30, Marketing Consultant aus Tampa in Florida

(Bild: Scott Lopez)

Wenn wir Amerikaner jemanden wirklich lieben, sagen wir natürlich auch "I love you". Wenn es etwas romantischer sein soll, sagen wir: "I am madly in love with you". Schließlich gilt "I love you" ebenso für Familienmitglieder und Freunde.

Ich würde nicht sagen, dass man in Deutschland zu streng mit dem Satz "Ich liebe dich" umgeht. Deutsche denken viel intensiver darüber nach, welche Worte sie wählen und was sie wirklich ausdrücken wollen. Da sind wir in den Staaten sprachlich freier.
Die beiden Worte 'to love' und 'lieben' sind nicht deckungsgleich.
Anatol Stefanowitsch

Bené Abeke, 24, Studentin aus Frankfurt/Main

(Bild: Bené Abeke)

Mich wundert es gar nicht, dass die Amerikaner zu jedem "I love you", sagen. Für mich ist das nur die logische Konsequenz, alles bei denen ist ja 'great' oder 'awesome'. Die englische Sprache wirkt auf mich Deutsche extrem euphorisch. Ich würde auf Deutsch nie sagen: "I love this dress!"
Fallen in einer amerikanischen Beziehung die Worte "I love you", wird es ernst. Erwidert der Partner den Satz nicht, ist die Beziehung so gut wie beendet.
Anatol Stefanowitsch

Anny DeBooth, 28, International Marketing Manager aus Los Angeles

(Bild: Anny De Booth)

Hier in den Staaten sagst du "I love you" zu deinem langjährigen Partner. Aber auch zu Guacamole und zu Pommes. In unserer Sprache gibt es halt nicht viele Worte, um Zuneigung auszudrücken. Ich finde "I adore you" ja sehr schön, das hat fast etwas Religiöses.

Marcus, 23, Student aus Stuttgart

(Bild: Marcus)

Ich war fünfzehn Monate für mein Studium und ein Praktikum in den USA. Ich fand die Amerikaner oberflächlich. Das hat für mich auch viel mit der Sprache zu tun. Ein "Freund" in Deutschland ist nicht das gleiche wie ein "friend" in den Staaten. In Deutschland muss eine Freundschaft aufgebaut werden.
Die Amerikaner und die Deutschen haben "Offenheit" anders kulturell definiert. Amerikaner öffnen sich schneller, aber nicht tiefgehend. Bei Deutschen ist es genau anders herum.
Anatol Stefanowitsch
Die Amerikaner gehen netter und freundlicher miteinander um. Dementsprechend schnell folgt dann in Liebesbeziehungen das "I love you". Wir Deutschen halten uns mit einem "Ich liebe dich" eher zurück und lassen uns Zeit. Bei den Deutschen weiß ich eher woran ich bin – bei den Amerikanern ist das nicht so.

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