31.01.2018, 09:03

Jan, 28, fragt:

Als Krankenpfleger auf einer Intensivstation habe ich jeden Tag mit vielen Patienten zu tun. Manche sind hier nur für ein paar Tage nach einer OP, manche sind schwer krank und auch mal länger da – und manche liegen hier, weil auf anderen Stationen kein Platz ist.

Bisher war ich sehr professionell. Doch seit ein paar Wochen steht alles auf dem Kopf. Ich schätze, ich habe mich in eine Patientin verliebt. Ich weiß es nicht genau, ich habe noch nie mit ihr gesprochen – aber ich würde es gern.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Sie hatte einen krassen Autounfall und kam mit mehreren Knochenbrüchen hier an. Ich fand sie direkt wunderschön. Sie schlief fast nur, auch wegen starker Medikamente.

Doch wenn sie wach war, hat sie mich schon ein paar Mal angelächelt, und als ich sie zum Röntgen geschoben habe, hat sie mir zugezwinkert.

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Lennart Gäbel
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Seit ein paar Tagen ist sie tagsüber immer wach. Es geht ihr besser. Bald soll sie verlegt werden, in die Reha – und weg von mir. Ich würde sie total gern einfach mal ansprechen. Mein Chef meinte allerdings mal, Berufliches und Privates gehört hier getrennt. Das sagt alles.

Soll ich sie ziehen lassen? Oder den richtigen Moment abgreifen? Oder soll ich mir ihre Telefonnummer aus den Unterlagen abfotografieren – und ihr irgendwann, wenn sie längst wieder gesund ist, einfach mal schreiben?

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Lieber Jan,

ich kann deine Zerrissenheit sehr gut nachvollziehen. Einerseits weißt du, wie wichtig Professionalität in deinem Beruf ist, andererseits hat es dich eben total erwischt und du wünschst dir natürlich, dass der Kontakt nicht abbricht.

Ich nehme an, die Ansage deines Chefs, dass Berufliches und Privates getrennt werden soll, bezieht sich in erster Linie darauf, dass Mitarbeiter während der Behandlungszeit keine sexuelle Beziehung mit Patienten anfangen dürfen (Schutz vor Missbrauch!).

Sich zu verabreden ist aber nicht grundsätzlich verboten, schon gar nicht, wenn die Patientin entlassen ist. Ich finde es wichtig, zunächst mal klarzustellen, dass es nicht verwerflich ist, dass du Gefühle für eine Patientin entwickelt hast. Das kann passieren und ist zutiefst menschlich.

Und was, wenn das Herz ein bisschen schneller schlägt?

Und was, wenn das Herz ein bisschen schneller schlägt? (Bild: Unsplash)

Du solltest dich also nicht dafür verurteilen oder schämen. Die Frage ist nur, wie du nun professionell damit umgehen kannst – und an dieser Stelle solltest du wirklich kritisch mit dir selbst sein und Vorsicht walten lassen. Denn in helfenden Berufen geht es ja in erster Linie um das Wohl der Patienten und damit auch um ihren Schutz.

Die Patientin befindet sich ja in einer gewissen Abhängigkeit und ist den Behandlern ja auch ein Stück weit ausgeliefert. Daher ist es sehr wichtig, dass du gerade deshalb eine professionelle Distanz aufrecht erhältst. Überlege dir immer, wie es dir in der Situation der Patientin gehen würde. Wie viel Kontakt ist in Ordnung, wann würdest du dich bedrängt fühlen?

Du solltest Vorsicht walten lassen
Kathrin Hoffmann

Konkret soll das in Bezug auf deine Frage heißen, dass du deiner Patientin zwar sagen kannst, dass du sie gerne wieder sehen würdest. Du kannst ihr auch deine Nummer geben und ihr sagen, dass sie sich bei dir melden kann. Die Entscheidung darüber, ob und wann sie sich meldet, bleibt aber dann bei der Patientin.

Du solltest in keinem Fall ihre Daten aus der Akte mitnehmen, damit handelst du gegen die Datenschutzrichtlinien – und es ist meiner Meinung nach eine persönliche Grenzüberschreitung, wenn du dir ohne ihre klare Zustimmung ihre Nummer besorgst.

Natürlich ist es schwierig, dann einfach abzuwarten und gegebenenfalls auch zu akzeptieren, dass sie kein Interesse hat, wenn sie sich nicht meldet. Du hast ihr dann zumindest das Angebot gemacht. Ihr aber auch die Freiheit gelassen, es anzunehmen oder auszuschlagen.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin


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Juso-Chef Kühnert greift GroKo-Pläne zum Familiennachzug an

31.01.2018, 08:52 · Aktualisiert: 31.01.2018, 09:40

Juso-Chef Kevin Kühnert hält die Groko-Ideen zum Familiennachzug von Flüchtlingen für großen Mist. Die SPD habe sich von CDU und CSU vorführen lassen. Das sagte Kühnert dem Deutschlandfunk und dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Politiker von SPD, CDU und CSU sitzen dieser Tage zusammen und wollen Gemeinsamkeiten für eine Große Koalition erarbeiten. Erst am Dienstag hatten sie sich auf einen Kompromiss beim Thema Familiennachzug geeinigt (bento). 

Kühnert gilt in der SPD als größter Kritiker der GroKo – und kritisiert entsprechend die Pläne zum Familiennachzug.