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Fühlen

Lilli weiß jetzt, dass sie gute Blowjobs gibt

28.11.2015, 19:14 · Aktualisiert: 05.10.2016, 15:58

Weil sie es endlich geschafft hat, mit ihrer Affäre über Sex zu reden.

Vor zehn Jahren hatte ich zum ersten Mal Sex. Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich mit meinen Bettgefährten schon darüber gesprochen habe, wie ich es mag. Tatsächlich habe ich erst durch die Kolumne angefangen, meinen Freund regelmäßig nach seinen Vorlieben und Wünschen zu fragen und offen mit ihm über unseren Sex zu reden.

Sonst finden wir doch auch in allen möglichen und unmöglichen Lebenslagen Worte, um uns gegenseitig Feedback zu geben, im besten Falle sogar mit ein bisschen Witz und ohne den anderen fertig zu machen. Ohne direkt beleidigt zu sein.

Auch in Beziehungen machen wir das ständig: “Du, so ‘ne Klobürste ist nicht zur Deko da.” Oder: “Voll lecker. Aber ich glaube, der Auflauf wäre mit ein bisschen Thymian noch geiler.” Nur aufs Bett haben wir das noch nicht so richtig übertragen – und dabei kann uns das tatsächlich neue Erkenntnisse bescheren. So wie bei meiner Freundin Lilli.

Lillis Blowjobs sind sanft, attestiert ihre Affäre, aber trotzdem intensiv. Welch Überraschung.

Sie und ihre noch recht frische Bekanntschaft lagen nach dem Sex nebeneinander und erzählten sich zu Lillis Überraschung sehr locker und offen, was ihnen gefallen hat, und was vielleicht seltsam war. Lilli weiß seitdem, dass sie anscheinend ganz anders Blowjobs gibt als andere Frauen. Sanfter, hatte er ihr attestiert, aber überraschenderweise trotzdem intensiv. Vielleicht ist das ihm gegenüber ihre sexuelle Superpower, und sie hätte beinahe nichts davon erfahren.

Dabei wissen wir doch eigentlich, dass wir besseren Sex haben, wenn wir auch darüber sprechen. Meine Freundinnen und ich geben uns sogar immer wieder den Tipp, offen und ehrlich mit dem Partner über Wünsche oder Probleme zu sprechen. Trotzdem halten wir uns selbst nicht daran, manche verlagern solche Gespräche lieber auf Reddit (“What are the most common mistakes guys/women make in bed”).

Warum wir nicht über unseren Sex sprechen, wissen wir auch nicht so genau. Vielleicht wollen wir dem Sex die Sinnlichkeit und das Intuitive nicht nehmen.

Weiterlesen: Eine Frau und ein Mann verraten, was sie von verschiedenen Stellungen halten.

Dabei ist durch eine Studie der Cleveland State University sogar belegt, dass mehr Reden hilft (mehr zur Studie). Das ist ja auch nur logisch. Woher soll der oder die jeweils andere auch wissen, was uns gefällt, oder womit er oder sie bei uns leider so gar keine Lust erzeugen kann, wenn wir es nicht sagen.

Was wir in jahrelanger Kleinstarbeit - ohne darüber zu reden - mit einem Partner ausgelotet haben, kann beim nächsten überhaupt nicht mehr stimmen. Wäre ja auch seltsam, wenn alle auf das gleiche stehen.

"Ficken" oder "bumsen" klingt mir zu stumpf.

Ich selbst scheitere schon an der Wortwahl, bevor ich überhaupt bis zum Inhalt vorgedrungen bin: “Miteinander schlafen” oder “Sex haben” kommen mir immer noch schwer über die Lippen. Sie beschreiben mir die Sache irgendwie zu distanziert. “Ficken” oder “bumsen” hingegen klingen mir zu stumpf.

Das muss sich ändern. Auch wenn Tobi und ich in Sachen Sextalks schon viel besser geworden sind, sind wir noch lange nicht gut darin. Heute Abend werde ich ihn einfach mal fragen, ob er findet, dass ich auch eine Superpower habe.

Vielleicht kommen wir ja ins Plaudern.